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WDR-Reportage "Menschen hautnah": Wie viel Mutter braucht ein Kind?

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WDR-Reportage "Menschen hautnah"  

Teilzeitmutter, Karrieremutter, Vollzeitmutter - drei Frauen suchen das richtige Mutter-Maß

05.09.2014, 11:36 Uhr | tze

WDR-Reportage "Menschen hautnah": Wie viel Mutter braucht ein Kind?. WDR "Menschen hautnah" - "Wie viel Mutter braucht das Kind?" - Autorin Diana Ahrabian sucht Antworten bei der Teilzeitmutter Julia und ihrer Familie. (Quelle: WDR/Diana Ahrabian)

"Wie viel Mutter braucht das Kind?" - WDR-Autorin Diana Ahrabian (links) sucht Antworten bei der Teilzeitmutter Julia und ihrer Familie. (Quelle: WDR/Diana Ahrabian)

"Wie viel Mutter braucht ein Kind?" Eine Frage, die unsere Gesellschaft intensiv beschäftigt. Die klassische Mutterrolle ist im Umbruch. Welches Modell wird Frauen und Kindern gerecht? Für die WDR-Reihe "Menschen hautnah" hat die Autorin Diana Ahrabian ein halbes Jahr lang drei Familien von Frauen in unterschiedlichen Mutterrollen begleitet.

Teilzeitmutter: Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf

Julia ist eine Teilzeitmutter, wie 69 Prozent der erwerbstätigen Mütter in Deutschland. Nach dem Studium machte sie eine Karriere als Wirtschaftsingenieurin, die sie aufgab, als sie mit 32 Jahren ihr erstes Kind bekam. Kurz danach folgte das zweite. Ursprünglich wollte sie schnell wieder arbeiten gehen, doch dann überwogen die Muttergefühle: "Es hätte mir in der Seele weh getan, meine Kleinen zu Fremden zu geben, damit ich Karriere machen kann", sagt sie.

Als Marius und Lorena Schulkinder sind, bemüht sie sich um einen Teilzeitjob, um noch genug Zeit für die Kinder zu haben. Die hoffen allerdings, dass die Mutter keine Arbeit findet, damit sie immer bei ihnen zu Hause ist.

UMFRAGE
Welches Muttermodell finden Sie am besten?

Julia nimmt in Kauf, dass sie weit unter ihren Möglichkeiten arbeiten wird - die typische Teilzeitfalle für gut ausgebildete Frauen. Frustrierend ist zudem, dass sie fast 80 Bewerbungen schreiben muss. Als sie endlich eine 30-Stunden-Stelle als Telefonistin bekommt, ist sie glücklich. Die Kinder müssen sich daran gewöhnen, dass niemand da ist, wenn sie aus der Schule kommen. Aber sie spüren: "Mama ist jetzt fröhlicher."

Karrieremutter: Wochenendbeziehung mit den Kindern

Bei Vanessa, der "Karrieremutter" in der WDR-Reportage, beschränkt sich das Familienleben auf die Wochenenden. Sie führt nicht nur eine Firma mit 20 Mitarbeitern, sondern auch ein Netzwerk für Spitzenmanagerinnen. Ständig steht sie unter Zeitdruck. Unter der Woche kümmert sich der Vater um die Kinder, als Winzer kann er sich die Arbeit einteilen. "Er ist für die Kinder eine gute 'Mutter'", loben die Schwiegereltern.

Vanessa hat die ersten Zähne und Schritte ihrer Kinder nicht miterlebt. "Aber das fehlt mir auch nicht", sagt sie und strahlt dabei Überzeugung und Zufriedenheit aus. Als Mutter sieht sie sich "liebevoll, aber streng". Inzwischen sind Carlotta neun und Maxim acht Jahre alt. Früh haben sie gelernt, selbständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Das fällt den Lehrerinnen der Kinder positiv auf.

Vanessa glaubt, dass sie Karriere und Familie gut unter einen Hut bekommt, doch Tochter Carlotta lässt gegenüber der TV-Autorin durchblicken, dass sie sich manchmal "mehr Mutter" braucht. "Ich wünsche mir, dass die Mama mal eine Woche zu Hause ist."

Helikopter-Mutter: Bemutterung bis zur Selbstaufgabe

Die 48-jährige Conny ist das andere Extrem. Sie hat fünf Kinder, denen sie ihre komplette Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Sie entspricht dem Klischee einer Helikopter-Mutter, die ihre Sprösslinge pausenlos umkreist.

Ihren Beruf gab sie in der ersten Schwangerschaft auf. Eigene Bedürfnisse, Ehemann Freundschaften und Hobbys stellt sie hinten an. Sie wirkt vor der Kamera angespannt und besorgt - eine Frau, deren Pflichtbewusstsein sich zur Besessenheit gesteigert hat: Die Kinder müssen stets behütet und versorgt sein, der Mann hat ein Recht darauf, dass abends sein Essen pünktlich auf dem Tisch steht. Ehemann Ralf befürwortet das konservative Rollenmodell Hausfrau und Mutter, bedauert aber, dass "nicht einmal ein Glas Wein zu zweit" möglich ist.

"Sie tut alles für uns", sagen die Kinder: Waschen, Kochen, Hausaufgaben, Begleitung bei Bewerbungsgesprächen. "Manchmal ist es zu viel Bemutterung", sagt die älteste Tochter, die zum Studieren weggezogen ist und es genießt, in ihrer WG "auch mal Sachen alleine zu machen."

"Zufriedene Mütter sind auch gute Mütter"

Wie können Mütter ihren eigenen Bedürfnissen und denen ihrer Kinder gerecht werden? Das Team von "Menschen hautnah" fragte die Psychologin Una Röhr, Professorin an der Universität Bonn. Ihre Credo: "Zufriedene Mütter sind auch gute Mütter."

Wenn eine Frau in ihrem Beruf Erfüllung finde, wirke sich das auf die Familie positiv aus, sofern die gemeinsame Zeit nicht zu kurz komme. Röhr rät berufstätigen Frauen, sich die Frage zu stellen: "Wie viel Kind möchte ich?" - und sich diese Zeit dann auch konsequent zu nehmen.

Für Kinder sei die Mutter vor allem als Bezugsperson auf der Gefühlsebene wichtig. Kinder abholen, Essen machen und bei den Hausaufgaben helfen - das könnten auch andere übernehmen. Helikopter-Mütter gäben ihren Kindern zwar enorme Sicherheit, aber auf Kosten der Eigenständigkeit. "Sie verlassen sich dann zu sehr auf das Netz, das sie immer auffängt."

Röhrs Ideal ist ein "demokratischer Erziehungsstil" von Müttern, die in ihrem eigenen Leben wohlfühlen, den Kindern einerseits Leitlinien und Regeln vermitteln, andererseits die Bedürfnisse aller Familienmitglieder ernst nehmen.

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