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Sekte "Zwölf Stämme": Kindesmisshandlung im Namen der Religion

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Lehrer der Sekte vor Gericht  

"Zwölf Stämme": Kindesmisshandlung unter dem Deckmantel der Religion

18.11.2015, 11:09 Uhr | t-online.de, dpa

Sekte "Zwölf Stämme": Kindesmisshandlung im Namen der Religion. Der angeklagte Lehrer Klaus H. im Amtsgericht Nördlingen. (Quelle: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

Der angeklagte Lehrer Klaus H. im Amtsgericht Nördlingen. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Als Lehrer der umstrittenen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" soll er Kinder mit einer Rute geschlagen haben. Nun muss sich der 54-jährige Klaus H. vor Gericht verantworten. Am Montag begann im bayrischen Nördlingen der Prozess.

Die Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" entstand in den 1970er Jahren in den USA. Nach eigenen Schätzungen zählen sie rund 2000 Mitglieder weltweit. Als ihre wichtigsten Werte nennen die radikalen Christen Liebe, Ehrfurcht vor Gott, Familie und Freundschaft. Kritiker und Aussteiger sehen in der Gemeinschaft allerdings eine Sekte, die straff hierarchisch organisiert ist.

40 Kinder aus der Gemeinschaft genommen

Vor zwei Jahren hatte ein Polizeieinsatz bei den "Zwölf Stämmen" großes Aufsehen erregt. Die Behörden holten 40 Kinder aus der Gemeinschaft, um sie vor Prügelstrafen zu schützen.

Die Eltern wehrten sich vor den Familiengerichten gegen die Wegnahme ihrer Töchter und Söhne. Manche Eltern hatten damit Erfolg, andere nicht. Ein Teil dieser Sorgerechtsverfahren beschäftigt die Gerichte immer noch.

"Kinder hatten ernst, still und folgsam zu sein"

Nach den Ausführungen von Aussteigern ist es die allgemeine Lehre der Sekte, dass Kinder gezüchtigt werden müssen. "Kinder hatten ernst, still und folgsam zu sein", sagte Sektenaussteiger Robert Pleyer im Herbst 2014 im Interview mit t-online.de.

Auch vor dem Amtsgericht in Nördlingen erinnerte sich ein heute 23-jähriger Zeuge an regelmäßige Prügelstrafen. Die Sektenmitglieder hätten den Kindern "so, wie sie gerade lustig waren, auf den Hintern gehauen". Auch Aussteiger Pleyer berichtete im t-online-Interview von systematischen Züchtigungen. 

Konflikte mit den Behörden wegen der Schulpflicht

Zu Konflikten mit den Behörden kam es außerdem immer wieder, weil sich die Eltern der "Zwölf Stämme" weigerten, ihre Kinder auf staatliche Schulen zu schicken - unter anderem wegen des Sexualkundeunterrichts und der dort gelehrten Evolutionstheorie, die der biblischen Schöpfungsgeschichte widerspreche.

Eigene Schule genehmigt

Zwischenzeitlich wurde der Sekte vom bayrischen Kultusministerium sogar der Betrieb einer eigenen Schule genehmigt. Inzwischen wurde diese Genehmigung zwar widerrufen, doch nicht zuletzt der nun begonnene Prozess wirft die Frage auf, wie die Behörden jemals der Glaubensgemeinschaft eine Schulerlaubnis ausstellen konnten. Laut Zeugen mussten Lehrer dort nicht einmal über ein Fachstudium verfügen, sondern wurden einfach vom "Ältestenrat" bestimmt.

Weitere Prozesse folgen

Bereits in der Vergangenheit liefen Strafverfahren gegen Mitglieder der Glaubensgemeinschaft. Drei Mütter sind in Nördlingen schon zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, zwei Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig. Mehrere weitere Prozesse sollen folgen.

"Zwölf Stämme" wollen das Land verlassen

Der 54-jährige Lehrer sollte eigentlich auch nicht allein vor Gericht stehen, aber bei der Zustellung der Anklage gab es bei zwei Mitangeklagten Schwierigkeiten. Die Männer sind vermutlich ins Ausland gezogen. Die "Zwölf Stämme" haben angekündigt, Deutschland den Rücken kehren zu wollen, weil sie sich hier verfolgt fühlen. Mitglieder der Gemeinschaft vergleichen ihre Behandlung durch die deutschen Behörden mit Hexenprozessen.

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