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Psychologie: Vier Typen der Schwiegermütter

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Psychologie: Vier Typen der Schwiegermütter  

"Die böse Schwiegermutter" - Mythos oder Wahrheit?

27.08.2010, 11:13 Uhr | rw, Pressetext

Psychologie: Vier Typen der Schwiegermütter. Seniorin mit erhobenem Zeigefinger.

So alt wie die Menschheit: Das Klischee der bösen Schwiegermutter. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Das Bild der "bösen Schwiegermutter" existiert schon seit Jahrhunderten in fast allen Kulturen. Allerdings ist bis vor kurzem nie wissenschaftlich untersucht worden, was denn nun dran ist, an dem Klischee des alten Hausdrachen, der es der Ehefrau des Sohnes so schwer macht. Die Psychologin Andrea Kettenbach von der Fernuniversität Hagen schließt nun diese wissenschaftliche Lücke. In ihrer Doktorarbeit beschreibt sie erstmals vier Typen von Schwiegermüttern, die sich aus ausführlichen Interviews mit 34 verheirateten Frauen herauskristallisierten und bei über 400 weiteren bestätigten. Ein Resümee der Arbeit: "Die Schwiegermutter ist viel besser als ihr Ruf. Konfliktpotenzial gibt es aber trotzdem."

Die gute und die böse Schwiegermutter

Die gute, nette, aufmerksame und fürsorgliche Schwiegermutter, die manchmal von der Schwiegertochter sogar als "gute Freundin" beschrieben wird, ist in Kettenbachs Kategorisierung die "Schwiegermutter Typ eins". Schwiegermütter vom Typ zwei kommen dem gängigen Negativ-Klischee wohl am Nächsten. Sie sind aus Sicht der Schwiegertöchter gemeine, hinterhältige, sich einmischende und daher böse Schwiegermütter. "Hier gibt es einfach kein Auskommen, sondern nur gegenseitige Ablehnung, was auf Zerrüttungen und ungelöste Konflikte der Vergangenheit zurückgeht", umreißt die Psychologin die verfahrenen Familienverhältnisse in dieser Konstellation.

Haltung des Mannes ist entscheidend

Es gibt auch Schwiegermütter zwischen diesen Extremformen. So etwa die "nervige, aber nützliche" Schwiegermutter vom Typ drei. "Sie hat das Wohl der jungen Familie im Auge und unterstützt diese, mischt sich aber auch ein. Der Mann drückt dabei ein Auge zu und ergreift in Konflikten ungern Partei gegen seine Mutter." Die Ehefrau, die auf die Hilfe oft angewiesen ist, fühlt sich dadurch schnell unverstanden und auf verlorenem Posten. Kettenbach rät, beiderseits Grenzen im Gespräch abzustecken. "Viele Frauen formulieren, dass auch Ratschläge Schläge sind, und dass der Mann die neue Familie wichtiger nehmen soll als seine Herkunftsfamilie."

Desinteresse an "Fremdenkeln"

Der vierte Typ ist schließlich die defensive, desinteressierte Schwiegermutter. "Hier gibt es wenig Konflikte, doch viel kühle Distanz und Oberflächlichkeit. Schwiegertöchter sind dabei oft enttäuscht, dass die Enkel keine Oma haben. Diese bevorzugt häufig die Kinder der eigenen Tochter", so Kellermann. Die Kinder der ungeliebten Ehefrau des eigenen Sohnes würden als "Fremdenkel" verschmäht. So weit verbreitet, wie es das noch immer verbreitete Klischee der "bösen Schwiegermutter" vermuten ließe, sind solch schlechte Beziehungen allerdings nicht. Über die Hälfte aller Schwiegermütter und -töchter kommen heute sehr gut miteinander aus. Zwischen Männern und ihren Schwiegermüttern sind Probleme sowieso die große Ausnahme.

Image aus dunkler Vergangenheit

Der Blick auf Buchtitel oder Internet-Suchergebnisse zeigt, dass der Begriff "Schwiegermutter" immer noch sehr negativ besetzt ist. Die vielen Witze und Karikaturen basieren auf der Familiensituation vergangener Zeiten, vermutet Kettenbach. "Bis vor hundert Jahren vertrat der Vater durch sein Handwerk die Familie nach außen, die Mutter war jedoch Chefin im Haus." Wenn der Sohn heiratete, sei mit dessen Ehefrau aus Sicht der Hausvorsteherin einfach ein weiteres Kind hinzugekommen, das sich in der familieninternen Hierarchie am untersten Ende habe eingliedern müssen. Das führte dann nicht selten zu Konkurrenzkämpfen um den Titel der besseren Mutter oder der attraktiveren Frau.

Wenn Enkel geboren werden, droht Zündstoff

Die Situation hat sich inzwischen massiv geändert. Heute heiraten Frauen im Schnitt in höherem Alter und sind bei ihrer Hochzeit besser ausgebildet und finanziell unabhängiger, als es früher der Fall war. Sie sind schon gestandene Frauen und haben ein ausgeprägteres Selbstbewusstsein. Zudem leben frisch Verheiratete nur noch sehr selten im Elternhaus des Mannes. Es kommt also viel seltener zu persönlichem Kontakt zwischen Schwiegermutter und -tochter, weshalb auch weniger potenzielle Konfliktsituationen entstehen. Bei einem Thema droht aber nach wie vor Zündstoff: Sobald Kinder geboren werden, mischt sich manche Schwiegermutter gerne ein, was sich die Ehefrauen nicht immer bieten lassen wollen. "Besonders wenn Enkel ins Spiel kommen und eine Schwiegermutter erstmals Großmutter wird, kann es Spannungen geben. Dabei geht es meist um das Eingreifen oder um Ratschläge bei Haushaltsführung und Kindererziehung", erläutert Psychologin Kettenbach das immer noch existente Konfliktpotenzial im modernen Schwiegermutter-Schwiegertochter-Verhältnis.

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