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Ayelet Waldmann über Erziehung und böse Mütter

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Skandalbuch  

Machen Kinder wirklich immer glücklich?

25.11.2010, 16:40 Uhr | rev, t-online.de

Ayelet Waldmann über Erziehung und böse Mütter. Muss eine gute Mutter mit ihrem Leben zufrieden sein? (Quelle: imago)

Muss eine gute Mutter mit ihrem Leben zufrieden sein? (Quelle: imago)

Sie wurde Opfer von wahren Hasstiraden, erboste Frauen brüllten sie in Restaurants an, in Internet-Blogs wurde sie beschimpft und bei Oprah Winfrey wollte ihr eine Frau aus dem Publikum sogar an den Kragen, erzählte die Autorin und frühere Anwältin Ayelet Waldman kürzlich im Interview mit "Zeit Online". Den Grund für die Anfeindungen findet man in einem Artikel, den Waldman 2005 für die "New York Times" schrieb. Darin stand: "Wenn eine gute Mutter ihr Kind mehr liebt als alles andere auf der Welt, dann bin ich keine gute Mutter. Tatsächlich bin ich eine schlechte Mutter. Ich liebe meinen Ehemann mehr als meine Kinder." Mit diesen Zeilen provozierte Waldman vor allem unzählige andere Mütter. Nun erschien vor kurzem ihr autobiografisches Buch "Böse Mütter" in Deutschland, in dem sie das Ideal der perfekten Mutter hinterfragt.

Frauen: "Die brutalsten Beamten der 'Mütterpolizei'"

Am Anfang ihres Buches beschreibt Ayelet Waldman ihre erste Begegnung mit einer "bösen Mutter". In der Straßenbahn in San Francisco beobachtete sie eine Frau, die die Haare ihrer Tochter bürstete und während der ruckeligen Fahrt versuchte, dem Mädchen einen ordentlichen Pferdeschwanz zu binden. Als der Mutter dies immer wieder misslang, fuhr sie ihre Tochter genervt an: "Jetzt halt doch mal still." Und Waldman, die damals noch überzeugt war, dass sie selbst niemals so schroff mit den eigenen Kindern umgehen werde, reagierte wie jene Frauen, von denen sie für ihre späteren Aussagen so kritisiert und angegriffen wurde. "Lady, das haben wir gerade alle mitbekommen", sagte Waldman der Mutter in der Straßenbahn. Natürlich hatte sie es mitbekommen, denn Frauen sind schließlich "die brutalsten Beamten der 'Mütterpolizei'", wie Waldman, inzwischen selbst vierfache Mutter, seit diesem Ereignis aus dem Frühjahr 1994 erfahren hat.

Die "Mütterpolizei" ist für die Autorin jene Institution, die allgemeingültig entscheiden will, wie sich eine gute Mutter zu verhalten hat. Die eigenen Eltern und Schwiegereltern können ihr angehören, genauso aber auch die beste Freundin, die Nachbarin oder sämtliche fremde Mütter und Ehefrauen, die einem in Kindergärten, auf Spielplätzen, im Supermarkt oder eben in der Straßenbahn gnadenlos die angeblichen Fehler im Umgang mit den eigenen Kinder vorhalten.

Die Angst als Mutter zu versagen

Waldman vermittelt den Eindruck, dass die "Mütterpolizei" in der Gesellschaft allgegenwärtig ist. Nicht nur, dass das Elternverhalten, das nicht ganz dem üblichen Ratgeber-Ideal entspricht, zumindest mit einem bösen Blick geahndet wird, auch Erziehungstipps gibt es von allen Seiten. Sogar Fremde erklären einem dann, wo und auf welche Weise man am besten das Kind zur Welt bringt, ob man auch als Mutter noch Sex haben darf, ob Nahrung aus dem Fläschchen dem Säugling schadet und wie lange eine Mutter gefälligst zu stillen hat.

Der Druck von außen, der so auf Müttern heutzutage laste, sei entsprechend groß und werde von vielen Frauen verinnerlicht. "Viele Mütter leiden heute unter der Sorge, eine schlechte Mutter zu sein. Sie haben Angst, ihren Kindern nicht gerecht zu werden und schämen sich, ihren eigenen Idealen nicht zu entsprechen", erklärt Waldman in der Einleitung zu "Böse Mütter". Dabei spricht die 46-jährige Amerikanerin aus eigener Erfahrung.

"Ich wurde depressiv, so monoton war mein Alltag"

In Kalifornien lebend teilte sie sich mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Pulitzerpreisträger Michael Chabon, auch nach der Geburt ihrer ersten Tochter Sophie Hausarbeit und Kindererziehung. Während Waldman weiterhin in ihrem Beruf als Strafverteidigerin arbeitete, konnte ihr Mann als Autor den ganzen Tag zu Hause mit dem Kind verbringen. Neidisch darauf entschloss Waldman, schließlich doch ihren Job aufzugeben und sich ganz dem Familienleben und den Aufgaben einer Mutter zu widmen.

Eine zufriedene Mutter ist Ayelet Waldman nach dieser Entscheidung jedoch nie geworden. Das Leben ohne Beruf langweilte sie. "Der Spielplatz wurde zur Hölle aus Schaukeln, Schaukeln, Schaukeln, vergessenen Safttüten und bockelharten Sand-Schnodder-Krusten auf der Oberlippe", so Waldman in ihrem Buch. Direkter formuliert es die Autorin im Interview mit der "Zeit": "Plötzlich war ich niemand mehr: Meine einzige Rolle war Mutter. Ich wurde depressiv, so monoton war mein Alltag." Ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Kindern war die Folge: "Ich habe mich sehr dafür geschämt, wie wenig ich alles mochte. Es war furchtbar, nicht jede Minute zu genießen. Aber ich konnte mich auch nicht zwingen. Ich sagte mir: Du musst das tun! Du musst es mögen! Ich kam mir vor, als würde ich ständig scheitern."

Eine Mutter muss nicht immer glücklich sein

Mutter und gleichzeitig unglücklich zu sein, widerspricht jenem Ideal, das Frauen vermittelt wird. Waldman erklärt, dass das Dasein als Mutter schlichtweg "kein endloses, dauerndes Vergnügen" sei. Und trotzdem werde einer Frau, die nicht ununterbrochen zufrieden ist mit ihrem Leben als Mutter, schnell ein Fehlverhalten und Defizit vorgeworfen oder eingeredet. Genauso stört Waldman die Vorstellung, dass es für jede Erziehungsfrage eine verbindliche Lösung gebe, wie die sogenannten "Übermütter" glauben. Die Ex-Anwältin selbst ist der Ansicht, dass sich Kinder weitaus besser entwickeln und entfalten können, wenn die Eltern sich nicht ständig einmischen und versuchen alles durchzuplanen.

"In diesem Buch geht es um den Versuch, eine gute Mutter zu sein, und das in einer Welt, die uns dauernd das Gegenteil vermitteln möchte. Und weil es um mich und meine Erfahrungen als Mutter geht, geht es auch um das größte Glück meines Lebens - meine vier Kinder und meinen Mann", schreibt Waldman und lässt so keine Zweifel an der Liebe zu ihrer Familie. Ihr Buch soll verdeutlichen, dass eine Frau nicht zu jeder Zeit glücklich sein muss, um ihre Kinder zu lieben und eine gute Mutter zu sein. Mehrere Studien, die besagen, dass Eltern keineswegs glücklicher sind als Nicht-Eltern, belegen das ebenfalls. Das Buch von Waldman zeigt in seinen besten Momenten, dass Mütter auch nur ganz normale Frauen sind - mit Stärken, Schwächen, eigenen Ansprüchen und eigenen Bedürfnissen.

Dass die Liebe zum Ehemann oder Partner und die zu den eigenen Kindern allerdings zwei Paar Schuhe sind und sich schlecht miteinander vergleichen lassen, wie Waldmann es trotzdem vor fünf Jahren tat, ist eine andere Geschichte.

Buch-Tipp: "Böse Mütter" von Ayelet Waldman. Klett-Cotta Verlag. 17,95 Euro.

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