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Mehrgenerationenhaus: Das sind Vorteile

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Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf. Oder ein Mehrgenerationenhaus.

14.04.2011, 12:07 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Mehrgenerationenhaus: Das sind Vorteile. Mehrgenerationenhäuser: Alt hilft jung und umgekehrt. (Foto: Archiv)

Mehrgenerationenhäuser: Alt hilft jung und umgekehrt. (Foto: Archiv)

Unser Familienleben hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert. Die Großfamilie mit mehreren Generationen unter einem Dach scheint ausgestorben, selbst Vater, Mutter, Kind ist heute nicht mehr selbstverständlich. Allein durch die Arbeitsmarktsituation sind viele Eltern gezwungen, ein Wochenendfamilienleben zu führen. Natürlich darf man die Situation auch nicht zu verklärt sehen, aber wenn Oma und Opa mit ihren Kindern und Enkelkindern unter einem Dach wohnen, vereinfacht sich schon vieles - für beide Seiten. Um hier auszugleichen, hat man deutschlandweit rund 500 Mehrgenerationenhäuser ins Leben gerufen. Ein voller Erfolg.

Viele Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich

Profitieren davon soll möglichst jeder im Stadtteil oder Landkreis. Der Kerngedanke, der dahinter steht: Menschen aller Altersstufen sollen in den Mehrgenerationenhäusern, die über ganz Deutschland verteilt sind, eine Begegnungs- und Aktionsstätte finden. Notfall- und Randzeitenbetreuung für den Nachwuchs, konkret am Bedarf vor Ort ausgerichtet, Nachhilfe-, Kultur- und Sportangebote, ein offener Treff für alle und jeden und Vermittlung von Erziehungsthemen. Bundesweit gibt es über 10.000 verschiedene Workshops, Treffs und Kurse für Jung und Alt. Nicht zuletzt realisierbar durch über 16.000 Freiwillige, viele davon Jugendliche, die auf Augenhöhe gemeinsam mit den Festangestellten ehrenamtlich erst so einiges ermöglichen. Und zwar nicht nur ab und zu mal, sondern regelmäßig und langfristig. Rund einhundert Stunden pro Haus und Woche werden von engagierten Mitmenschen übernommen, wobei besonders darauf Wert gelegt wird, dass Hauptamtliche und Ehrenamtliche auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Das Suchen und Finden einer Herausforderung

Es gibt etwas, das nennt sich "Engagementforschung". In diesem Rahmen hat man festgestellt, dass häufig ein Schicksalsschlag zu sozialem Engagement führt. Doch auch der Wunsch, im Privaten etwas zu verwirklichen, was man sich schon immer für sich vorstellen konnte, etwas zu lernen, was man schon immer lernen wollte, kann ein Grund sein. Oder einfach nur die Suche nach Gemeinsamkeit. Mariella Gräfin Faber-Castell, Schauspielerin und "Patentante" eines Mehrgenerationenhauses in Berlin, ist stolz auf das, wie sie sagt, "fantastische Projekt". "Gerade für die älteren Menschen ergibt sich mit dem Mehrgenerationenhaus die Möglichkeit, der oft entstehenden Einsamkeit zu entkommen.“ Leihgroßeltern, die gerne die Kinder betreuen, sie bei Hausaufgaben und beim Lernen unterstützen oder den Größeren auch mal bei der Bewerbung helfen, junge Menschen, die im Gegenzug das Handy oder den Computer erklären, so sieht die optimale Partnerschaft aus.

Lebenserfahrung weitergeben

Ein besonders schönes Projekt hat in diesem Zusammenhang das Mehrgenerationenhaus in Lübeck-Eichholz vorzuweisen, die sogenannten Senioren-Lotsen, die sich Jugendlicher mit Migrationshintergrund annehmen und im Rahmen dieser Patenschaft nicht nur bei der Berufsorientierung oder bei Behördengängen unterstützen, sondern zeitgleich auch das Selbstwertgefühl und die Sprachkenntnisse der jungen Leute aus den verschiedensten Ländern stärken. Im Gegenzug erhalten die Senioren praktische Hilfe bei den Dingen, die ihnen selbst nicht mehr so leicht von der Hand gehen, zum Beispiel im Garten oder im Haushalt. Eine klassische Win-win-Situation. Genau wie die "Neighborhood Women" des Mehrgenerationenhauses in Zwickau. Langzeitarbeitslose Frauen der Generation 50plus unterstützen hier Alleinerziehende und bringen dabei ihre Erfahrung mit Kindern, aber natürlich auch mit Lebenskrisen helfend ein. Sie selbst haben wieder eine Aufgabe, die ihr Vertrauen in sich stärkt und ihnen die eigenen Qualitäten aufzeigt - in der Hoffnung, diese beruflich doch wieder nutzen zu können.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch hier das Ziel

"Das Thema Mehrgenerationenhäuser ist modellartig eines, mit dem wir zeigen, wie wir es schaffen können, den Zusammenhalt der Generationen nach vorne zu bringen", so unsere Bundeskanzlerin. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt fast die Hälfte der bestehenden Mehrgenerationenhäuser seit einigen Jahren aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und zwar vor allem die Häuser, die ganz konkret Angebote und Projekte vorweisen können, die die Integration in den Arbeitsmarkt verbessern. Wobei hier in erster Linie natürlich Jugendliche und Mütter gemeint sind. Das besondere Augenmerk liegt ganz klar wieder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ein schlechtes Gewissen ist fehl am Platz

Die Betreuungsangebote werden, statistisch gesehen, am meisten von Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren genutzt. Sie machen rund 37 Prozent aus, dicht gefolgt von den Kindern ab drei und Jugendlichen zwischen zehn und 14. Dabei soll das Mehrgenerationenhaus kein Ersatz für Kindergarten oder Hort sein. Stattdessen steht die Flexibilität im Vordergrund, wodurch Betreuungsengpässe zum Beispiel bei Überstunden, Krankheit oder Schichtarbeit aufgefangen werden können. Oder aber auch einfach nur am Samstag in Ruhe eingekauft oder renoviert werden kann, während die Kinder nicht abgeschoben sind, sondern ihren Spaß haben. Von dem sie ebenfalls profitieren können, da ist sich der Göttinger Neurobiologe Professor Gerald Hüther sicher: "Wir wissen, dass die neuronalen Schaltungen eines Kindes sich nicht von allein entwickeln. Die hochkomplexen Netzwerke entstehen erst dadurch, dass das Gehirn genutzt wird. Die Beziehungen zu anderen Menschen - zu möglichst unterschiedlichen Menschen - bringen diese Entwicklung am besten und effektivsten voran.“ Die Mehrgenerationenhäuser bieten Halt und Orientierung, vermitteln Werte wie Toleranz, Rücksicht, Nächstenliebe und Respekt und schaffen damit einen Raum, in dem Gemeinschaft gelebt werden kann.

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