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Teilzeitmutter  

Ist zwischen den Stühlen der beste Platz?

08.09.2014, 09:29 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Eine Teilzeitmutter berichtet. Die Mehrheit der berufstätigen Mütter hat einen Teilzeitjob. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Mehrheit der berufstätigen Mütter hat einen Teilzeitjob. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die typische Mutter bei uns in Deutschland arbeitet Teilzeit. Gerade in den letzten zehn, fünfzehn Jahren ist ihr Anteil stark gestiegen. Rund 70 Prozent aller berufstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern haben sich für dieses Modell entschieden. Zum einen, weil viele das zweite Einkommen brauchen. Zum anderen aber auch, weil es die meisten nicht ausfüllt, sich nur um Haushalt und Kinder zu kümmern. So geht es auch Cornelia. Sie hat drei kleine Kinder, aber ein Leben ohne Job kann sie sich trotzdem nicht vorstellen.

"Manchmal bin ich regelrecht froh, wenn ich zur Arbeit gehen kann", schmunzelt die quirlige Enddreißigerin. "Wenn ich erwachsene Menschen treffe, mich über erwachsene Themen unterhalten kann und alles so gut durchgeplant ist." Cornelia ist gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau, hat einen verantwortungsvollen Job bei einer internationalen Firma und genießt besonders die Gegensätze zwischen ihrer Welt zuhause und der Welt "da draußen".

Sie ist sich sicher, dass gerade die Qualitäten, die sie sich in den letzten Jahren mit ihren Kindern angeeignet haben, ihr jetzt beruflich entgegenkommen. Verfügt sie doch fast schon automatisch über die sonst immer so gefragten Softskills wie Geduld, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und Organisationstalent. "Aber es kommt schon mal vor, dass ich in einem Meeting sitze und mich frage, was all die Herren wohl denken würden, wenn sie mich mal zuhause sehen könnten. Wenn sie wüssten, wie die immer klar strukturierte Kollegin von ihren Dreien gelegentlich aus der Bahn geschmissen wird und dass dann von 'wohlorganisiert' eher weniger die Rede sein kann."

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Teilzeitmütter sind auf Verständnis angewiesen

Es gibt Momente, da nimmt sie ein Stück davon in die Arbeit mit. "Rotz am Businesskostüm, das ist so ein Klassiker", lacht sie. "Oder wenn auf der Suche nach einem Tempo eine Ersatzwindel aus meiner Handtasche fällt." Doch Cornelia hat Glück mit ihrem Arbeitsplatz. "Mein Chef hat viel Verständnis, ist selbst Vater zweier schulpflichtiger Kinder und kennt die Probleme der Teilzeitmütter. Ich weiß von einigen Frauen, die es da nicht so gut haben. Die auf Unverständnis stoßen, nur weil sie ihre Kinder aus der Kita holen müssen und die so viel arbeiten wie eine Vollzeitkraft, nur um zu beweisen, dass sie sich einen Teilzeitjob auch wirklich verdient haben. Da stellen sich schnell Schuldgefühle ein."

In den Mittagsstunden kann sie gut nachempfinden, wie es diesen Frauen gehen muss: "Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage, warum ich mir das antue. Direkt aus der Arbeit raus, schnell noch fürs Mittagessen einkaufen, die Kinder holen und dann beginnt erst mal noch richtiges Programm - manchmal beneide ich meinen Mann um seine geregelte Mittagspause in der Kantine."

Verzicht auf Karriere den Kindern zuliebe

Auch was die Karriere angeht, wurmt es Cornelia manchmal ein bisschen, dass sie nicht so kann wie sie will: "Vor Kurzem gab es bei uns ein Projekt zu vergeben, das wäre wie für mich zugeschnitten gewesen. Aber ich hätte viel reisen müssen, unter anderem auch in die USA und das geht einfach nicht mit drei kleinen Kindern. Wie hätten wir das organisieren sollen? Mein Mann muss ja auch arbeiten. Dass diesen Job jetzt jemand hat, der gar nicht so qualifiziert ist wie ich, das wurmt mich schon ein bisschen. Denn die große Karriere kann ich mir wohl abschminken."

Aber auch andersherum plagt die leidenschaftliche Mama so manches Mal das Gewissen. "Das Gefühl, aus dem Haus zu gehen, um zu arbeiten und ein krankes Kind der Oma oder sonstwem zu überlassen, das ist wirklich ätzend. Man fühlt sich wie eine Rabenmutter. Noch dazu wie eine sehr müde Rabenmutter, denn nachts bin ich ja trotzdem gefragt. Da beneide ich schon manchmal die Freundinnen, die nicht arbeiten gehen und sich dann vormittags mit dem Kind noch mal hinlegen können."

"Elenas Mama hat immer Zeit!"

Cornelia kennt auch diese Zerrissenheit, dieses Gefühl, nichts und niemandem so richtig gerecht zu werden und das stetige schlechte Gewissen. "Bin ich zuhause, fällt es mir schwer abzuschalten und ich bin eigentlich immer auf 'Empfang' für Mails aus dem Büro und bin ich in der Arbeit, wurmt es mich, dass ich zum Beispiel nicht beim Mütterfrühstück im Kindergarten dabei sein kann". Etwas, was ihr vor allem ihre Große durchaus auch mal übel nimmt. "Elenas Mama hat immer Zeit!", ist einer der Sätze, die Cornelia durch Mark und Bein gehen.

Es zählt die Qualität und nicht die Quantität

Trotzdem glaubt sie nicht, dass ihre Kinder von ihrer Mama weniger haben als Kinder mit Vollzeitmüttern. "Ich kenne einige, da laufen die Kids vor lauter Haushalt den ganzen Tag nur so mit. Denn eine 'Nur-Hausfrau und Mutter' steht meines Erachtens nach viel mehr unter gesellschaftlichem Druck. Sie kann es sich gar nicht leisten, mit einer Backmischung beim Kindergartenfest aufzutauchen oder den Vorgarten nicht gefegt zu haben. Ich dagegen kann Fünfe gerade sein lassen und male mir oft schon auf dem Weg in die Arbeit aus, was wir nachmittags gemeinsam unternehmen."

Ihr nächstes Ziel ist eine Haushaltshilfe, um sich und ihren Mann von einem Teil der natürlich trotzdem anstehenden Arbeiten zuhause zu entlasten und so mehr Zeit für die Kinder zu gewinnen. "Wenn ich ehrlich bin, gehe ich auch lieber zwei Stunden länger arbeiten und lasse andere den Hausputz machen. Für mich wäre es nichts, mich nur um Haushalt und Kinder zu kümmern. Ich finde keine Befriedigung in immer strahlenden Fenstern. Und ich unterhalte mich auch gern mal über etwas anderes als über Windelinhalte und Schulaufführungen."

Das hab ich mir verdient!

Cornelia ist sich sicher, dass das Teilzeitmodell genau deswegen für sie perfekt ist, weil sie auf diese Weise beide Seiten ihres Ichs ausleben kann. Und so nicht nur der Familie ein Zusatzeinkommen und damit mehr Lebensqualität beschert, sondern auch für sich selbst sorgen kann. "Ich liebe meinen Mann. Aber man weiß ja nie. Und ich finde es beruhigend, dass ich immer in der Lage sein werde, für mich selbst zu sorgen und von niemandem abhängig bin. Außerdem ist es cool, mein eigenes Geld zu verdienen und mir damit auch mal was Besonderes zu leisten - ohne schlechtes Gewissen." Denn schließlich habe sie sich das ja auch verdient.

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