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Häusliche Gewalt gegen Kinder: Eltern ansprechen?

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Häusliche Gewalt  

"Schlägst du dein Kind?" Wie man gewalttätige Eltern ansprechen soll

15.01.2014, 16:12 Uhr | dpa-tmn

Häusliche Gewalt gegen Kinder: Eltern ansprechen?. Beim Verdacht, dass die Nachbarn ihre Kinder schlagen, helfen Vorwürfe niemandem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim Verdacht, dass die Nachbarn ihre Kinder schlagen, helfen Vorwürfe niemandem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Brüllen, Poltern, Kindergeschrei: Dringen diese Geräusche öfter aus der Wohnung nebenan, könnte häusliche Gewalt die Ursache sein. Also direkt das Jugendamt anrufen? Oder erst mal die Eltern ansprechen? Aber wie? Am besten mutig, verständnisvoll und frustrationsbereit.

Flippen Eltern immer mal wieder aus und schlagen ihre Kinder, reagieren sie möglicherweise auch in anderen Situationen aggressiv. Wer Nachbarn oder Freunde verdächtigt, dass sie bei ihrem Sohn oder ihrer Tochter handgreiflich werden, muss handeln, sollte aber auf jede Reaktion vorbereitet sein. Das sagt Andrea Buskotte, Fachreferentin für Gewaltprävention in der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen.

Warum Eltern zuschlagen

Eltern schlagen nicht aus Bosheit zu, sondern aus Überforderung, so die Expertin. Fühlen sie sich diskriminiert oder in die Enge getrieben, reagieren sie möglicherweise auch aggressiv oder vollkommen uneinsichtig, wenn ein Nachbar oder Freund sie auf ihr Problem anspricht. Besser als Laien sind Ärzte in der Lage, auf den Verdacht einer Kindesmisshandlung zu reagieren. Den bundesweit ersten digitalen Leitfaden für Mediziner zu diesem Thema stellte unter anderem die Ärztekammer Niedersachsen vor. Der soll Ärzte beim Erkennen von Kindesmissbrauch unterstützen.

"Hören Sie auf, Ihre Kinder zu schlagen!" Die richtige Ansprache finden

Vorbereitet sein, bedeutet laut Buskotte unter anderem, nicht fest mit Erfolg zu rechnen. Viele Eltern sind nicht sofort einsichtig. Außerdem sollte die Ansprache verständnisvoll, vorurteilsfrei und hilfsbereit sein. "Ich höre manchmal was bei Ihnen, haben Sie vielleicht ein paar Schwierigkeiten mit den Kindern?", ist besser als: "Hören Sie gefälligst auf, Ihre Kinder zu schlagen!" Der Angesprochene sollte merken, dass man weiß, wie schwierig es mit Kindern manchmal sein kann. Die Ansprache sollte außerdem signalisieren: "Da gibt es Profis, die dir helfen können." Gut sei es daher, die Nummer einer Fachinstitution parat zu haben.

Ist das Verhältnis zu der betroffenen Familie ohnehin schon angespannt oder eine Ansprache aus anderen Gründen von vornherein aussichtslos, sollte man dort auch gar nicht erst klingeln. Dann sei ein Anruf beim Jugendamt, dem Kinderschutzbund vor Ort oder einer Familienberatungsstelle die bessere Alternative, sagt Buskotte. "Das ist ja nicht so was wie eine Anzeige bei der Polizei." Besorgte Nachbarn oder Freunde müssten nicht einmal sofort den Namen der verdächtigten Familie nennen. Sie könnten zunächst auch nur den Fall schildern und anschließend fragen: "Was würden Sie jetzt tun, wenn ich Ihnen den Namen sage?"

Hinter dem Geschrei kann auch normaler Kinderlärm stecken

Nicht immer bedeutet Geschrei nebenan, dass der Nachbar seine Kinder misshandelt. Manche Mädchen und Jungs seien auch einfach lauter. Wer unsicher ist, sollte sich die Kinder aber nicht hinter dem Rücken der Eltern im Treppenhaus schnappen und nachhorchen, ob sie zu Hause manchmal Prügel kassieren, warnt die Expertin. "Man sollte dem Kind signalisieren, dass man es kennt und ihm freundlich gesinnt ist." Kinder merken sich Personen, denen sie im Notfall vertrauen können und wenden sich möglicherweise irgendwann an sie.

Leitfaden für Kinderärzte

Wenn Jungen und Mädchen mit Verletzungen in einer Praxis oder Klinik vorgestellt werden, ist häufig kein eindeutiges Zeichen von Gewaltanwendung zu sehen. Die behandelnden Mediziner sind in dem Dilemma, den kleinen Patienten schützen zu wollen, ohne die Eltern vorzuverurteilen. Der "Ärztliche Leitfaden Kinderschutz" enthält praktische Tipps für das Erkennen von Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellen Missbrauch.

Bei einem Verdacht können niedergelassene Kinderärzte sowie Kliniken die niedersächsische Kinderschutzambulanz um Rat fragen. Sie ist am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover angesiedelt. "Unser Ziel ist die Abklärung von Verdachtsfällen, noch bevor eine Strafanzeige gestellt wurde", sagt die Leiterin, Professor Anette Debertin.

Jeder fünfte Verdacht bestätigt sich

Schon mehr als 300 Kinder- und Klinikärzte ließen sich von den Spezialisten beraten. Befunde, Fotos oder Röntgenbilder können anonymisiert übermittelt werden. Knapp 130 Kinder im Alter von einem Monaten bis 18 Jahren wurden bisher von den Rechtsmedizinern untersucht. "In rund 20 Prozent der Fälle bestätigte sich der Verdacht, dann wurden fast immer Ermittlungen eingeleitet", berichtete die Wissenschaftlerin.

Rund ein Viertel der Tatverdächtigen - oft die Väter oder Stiefväter - wurden dagegen durch die Untersuchung vom Verdacht des Missbrauchs entlastet. "Rötungen und sogar Blutungen im Genitalbereich können zum Beispiel auch durch Hautkrankheiten verursacht sein."

Ärzte sollen Gespräch mit den Eltern suchen

Gisbert Voigt von der Ärztekammer Niedersachsen ist selbst Kinderarzt in Melle bei Osnabrück und rät Kollegen bei einem Misshandlungsverdacht, zunächst das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Erste Ansprechpartner seien in der Regel Beratungsstellen und das örtliche Jugendamt, nicht die Polizei. "Die direkte Strafverfolgung ist nur dann zu rechtfertigen, wenn akute Gefahr für das Leben des Kindes besteht", so Voigt.

Bei Gewalt gegen Kinder ist die Dunkelziffer hoch, auch weil die Täter meist in der Familie zu finden sind. Der geliebte Vater oder der neue Freund der Mutter kann auch der Peiniger sein. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik werden in Deutschland täglich elf Jungen und Mädchen misshandelt sowie 39 sexuell missbraucht. Drei Kinder sterben jede Woche an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung. Dabei sind nur die angezeigten Fälle berücksichtigt.

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