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Großelternkurse für die richtige Enkel-Betreuung

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Großelternkurse  

Müssen Oma und Opa den Umgang mit ihren Enkeln erst lernen?

22.06.2015, 17:26 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Großelternkurse für die richtige Enkel-Betreuung. Bei der Betreuung ihrer Enkel verlassen sich die meisten Großeltern auf ihre jahrelange Erfahrung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei der Betreuung ihrer Enkel verlassen sich die meisten Großeltern auf ihre jahrelange Erfahrung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Früher war es normal, dass Großeltern andere Vorstellungen davon hatten, wie Kinder am besten großgezogen werden sollen. Kaum jemand hinterfragte, ob ihre pädagogische Kompetenz noch zeitgemäß ist. Heute werden dagegen Kurse für frisch gebackene Großeltern angeboten. Dabei sollen die Senioren den richtigen Umgang mit ihren Enkeln lernen, ihre Großelternrolle trainieren und altes Wissen auffrischen. Sind Großelternkurse eine praktische Hilfe oder überflüssiger Unsinn?

Hebammen, Kliniken, Geburtshäuser und Familienzentren bieten mehrstündige Gruppenseminare an, in denen die ältere Generation vermeintliche Defizite bei Hege und Pflege der Enkel abbauen soll. So ein Großelternkurs kostet zwischen 40 und 50 Euro pro Person. Manchmal bekommen die Absolventen sogar ein Diplom überreicht.

Bloß kein Kompetenzgerangel um die Versorgung der Kinder

Die meisten Anbieter teilen die Kurse in zwei Einheiten: Punkt eins der Agenda ist Zwischenmenschliches. Dabei geht es weniger um die Enkel, vielmehr sollen die Senioren ihr Verhältnis zu den eigenen Kindern beziehungsweise Schwiegerkindern hinterfragen. So sollen Großeltern sensibilisiert werden, wann und inwieweit sie sich in die Betreuung und Erziehung der Enkel einmischen, ohne mit den Kindern Streit zu bekommen.

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Großeltern üben Wickeln und Füttern an Babypuppen

Beim zweiten Schwerpunkt der Kurse geht es um die Praxis: Oma und Opa werden mit Babypuppen fit gemacht für die Disziplinen Baden, Wickeln, Anziehen, Füttern und Einschlafen. Dabei müssen manche Großeltern umlernen und sich von überholten Weisheiten verabschieden, wie zum Beispiel "lass das Baby ruhig mal schreien" oder " es gibt nur alle vier Stunden eine Mahlzeit".

Auf der Homepage der Elternschule "Neue Kölner" heißt es dazu: "Viele Ansichten rund ums Kinderkriegen haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Es gibt viele neue Erkenntnisse zur gesunden Entwicklung des Babys. In diesem Seminar bringen wir Sie auf den neuesten Stand [...]. Ziel ist es, dass Sie sich als kompetente Großeltern fühlen und die neue Familie in partnerschaftlicher Beziehung zu unterstützen wissen."

Fazit nach dem Kurs: Überflüssig und langweilig

Über Erfahrungen mit so einem Kurs berichtete das Großelternpaar Gabriele und Wilfried kürzlich in der WDR-Reportage "Großelternglück". Die beiden wurden von ihrer schwangeren Tochter dazu angemeldet, mit der Absicht, den werdenden Großeltern das nötige Rüstzeug für ihre neue Rolle zu verschaffen. Brav besuchten Oma und Opa in spe den Großelternkurs. Doch bahnbrechende Erkenntnisse hätten sie nicht mitgenommen, erklärten sie in der TV-Sendung. Ihr kritisches Fazit: Überflüssig und langweilig.

"Bei Babys macht man doch sowieso alles aus dem Gefühl heraus - und das ist meist das Richtige", kommentierte Gabriele. Deshalb beabsichtigen die beiden, die selbst zwei Kinder großgezogen haben, sich auf ihr Bauchgefühl und ihre Erfahrung zu verlassen. Den dicken Ordner mit unzähligen Tipps, den sie nach dem Seminar mitbekommen haben, wollten sie ignorieren.

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Haben wir alles falsch gemacht?

Doch nicht alle Großeltern sind so souverän. Manche lassen sich verunsichern, gerade wenn sie von ihren Kinder zu einem Großelternkurs verdonnert worden sind - oft in Form von Geschenkgutscheinen. "Ich habe es meiner Tochter zuliebe gemacht", erzählt Hannelore aus Hamburg in einem Forum. "Das war zwar alles interessant, aber irgendwie bekommt man bei so viel Infos das Gefühl vermittelt, selbst von nichts eine Ahnung zu haben. Als hätten wir früher, als wir kleine Kinder hatten, alles falsch gemacht."

Bevormundung und Geldmacherei?

Zu den Kritikern der Großelternkurse gehören auch junge Mütter und Väter. "Meine Mutter hätte mir den Marsch geblasen, wenn ich ihr mit so was gekommen wäre", heißt es in einem Forum. "Die Weisheiten von heute unterscheiden sich doch gar nicht so sehr von denen unserer Eltern. Da braucht man keinen Anfängerkurs mehr. Das ist einfach bevormundend. Falls es wirklich Neues zu lernen gibt, kann man das direkt innerhalb der Familie besprechen. Für mich ist das deshalb pure Geldmacherei."

Ein junger Mann schreibt. "Ich stelle mir gerade vor, eines meiner Kinder will mich in dreißig Jahren zu so einem Kurs schicken. 'Hast du den Eindruck, wir hätten deine Windeln nicht ordentlich gewechselt?', würde ich dann vielleicht verwundert fragen."

Großeltern sind heute mehr denn je eine wichtige Betreuungsinstanz

Trotz aller Skepsis: Es gibt bundesweit offenbar genug Nachfrage für Großelternkurse. Doch warum wächst ausgerechnet jetzt der Bedarf?

Noch nie waren Omas und Opas fitter, informierter, moderner und jugendlicher als heute, und noch nie hatten sie eine engere Beziehung zu ihren Enkeln. Sie sind nicht mehr nur verwöhnende Wochenend-Großeltern, die für ein paar Stunden zu Besuch kommen. Wenn Großeltern in der Nähe ihrer Kinder wohnen, werden sie häufiger eingespannt und springen auch bei Babys regelmäßig zur Betreuung ein, weil zumeist beide Elternteile arbeiten müssen. Eine Umfrage des Deutschen Jugendinstituts ergab, dass jedes dritte Kind, das noch wenigstens einen Großelternteil hat, mindestens einmal pro Woche von Oma oder Opa betreut wird.

Experten wie der Schweizer Familiensoziologe Francois Höpflinger vermuten, dass gerade das Mehr an Verantwortung und Nähe auch das Bedürfnis bei Großeltern verstärkt, alles besonders gut zu machen. Die Großelternkurse vermittelten Ihnen Sicherheit, um nicht mit der mittleren Generation - den Eltern der Enkel - wegen Erziehungsfragen in Konflikt zu geraten. So ist großelterliches Engagement zwar auf ganzer Linie gefragt, Einmischung dagegen nicht.

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