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Zum Muttertag 2016: Wieso "Hotel Mama" so beliebt ist

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"Hotel Mama"  

Warum viele mit Mitte 20 noch bei Muttern wohnen

06.05.2016, 13:44 Uhr | dpa

Zum Muttertag 2016: Wieso "Hotel Mama" so beliebt ist. Mit 25 noch bei den Eltern im Kinderzimmer wohnen. Nicht immer ist die Bequemlichkeit von "Hotel Mama" der Grund. (Quelle: imago)

Mit 25 noch bei den Eltern im Kinderzimmer wohnen. Nicht immer ist die Bequemlichkeit von "Hotel Mama" der Grund. (Quelle: imago)

Viele junge Erwachsene leben mit Mitte 20 noch im "Hotel Mama". Das liegt nicht unbedingt daran, dass es so bequem ist. Oft finden junge Menschen keine bezahlbare Wohnungen. Auch andere Gründe spielen eine Rolle.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander: Zwei von drei Deutschen finden, dass junge Leute bis zu ihrem 25. Geburtstag aus dem elterlichen Haus ausgezogen sein sollten. Das eergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten meinen ganz allgemein: Erwachsene Kinder sollten so schnell wie möglich von zu Hause ausziehen.

Aber nach Daten des Statistischen Bundesamts wohnt jeder zweite junge Mann und jede dritte Frau mit 23 noch bei den Eltern.

"Ich kann es mir einfach nicht leisten"

Moritz Kleinhenz hat die Suche nach einer eigenen Bleibe erst einmal aufgegeben. "Ich kann es mir einfach nicht leisten, 400 bis 500 Euro für ein Zimmer auszugeben", sagt der 23 Jahre alte Architekturstudent, der in Frankfurt noch bei seinen Eltern wohnt.

Sandra Zimmermann (25) ist nach der Trennung von ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung im schleswig-holsteinischen Rendsburg aus- und wieder bei ihren Eltern eingezogen. Zumindest vorübergehend.

Vier von zehn Mittzwanzigern leben noch bei den Eltern

1972 wohnten in der Bundesrepublik und West-Berlin nur zwei von zehn jungen Menschen mit 23 Jahren noch bei den Eltern. .

Längere Ausbildungszeiten und Wohnungsmangel haben Fachleute als Gründe für das Nesthocken ausgemacht. Junge Leute, die den Absprung von zu Hause noch nicht geschafft haben, sind meist wirtschaftlich unselbstständig, unverheiratet, kinderlos und ohne Anstellung, wie Familiensoziologin Corinna Onnen von der Universität Vechta sagt.

Europas Nesthocker und Nestflüchter

Nach Angaben des Europäischen Statistikamtes Eurostat lebten 2013 in den 28 EU-Ländern 60 Prozent der 20 bis 24 Jahre alten Frauen noch bei den Eltern. Bei den gleichaltrigen Männern waren es sogar 72 Prozent. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen nutzten 28 Prozent der Töchter und 43 Prozent der Söhne das Rundum-sorglos-Paket daheim.
Beim Verlassen des Elternhauses waren Kinder im Schnitt 26 Jahre alt.

Die treuesten Gäste im "Hotel Mama" lebten in Ost- und Südeuropa. Am längsten verließen sich mit einem durchschnittlichen Auszugsalter von 32 Jahren die Nesthocker in Kroatien auf Herd, Kühlschrank und Waschmaschine der Eltern. Es folgten die Slowakei (31), Malta (30) und Italien (30). Experten nennen Arbeitslosigkeit und Geldmangel als häufigste Ursache für den aufgeschobenen Auszug aus dem Elternhaus.

Am frühesten flügge werden Skandinavier: Schweden ziehen im Schnitt schon mit knapp 20, Dänen mit 21 und Finnen mit knapp 22 Jahren aus. Für alle EU-Staaten gilt: Junge Frauen (im EU-Schnitt 25 Jahre) ziehen früher aus als junge Männer (27 Jahre). Besonders deutlich wird das durch zwei Extremwerte: Während Schwedinnen schon mit 19 Jahren ausziehen, sind Männer in Kroatien im Schnitt 34 Jahre, wenn sie das Nest verlassen.

Unbezahlbare Studentenbuden in den Uni-Städten

"Sollten die Mieten in vielen Hochschulstädten und Ballungszentren wie gerade im Rhein-Main-Gebiet weiter so explodieren, dürfte sich der Anteil der Studierenden erhöhen, die bei ihren Eltern wohnen bleiben", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Die Zahl der Hochschüler sei in den vergangenen Jahren um 36 Prozent gestiegen, die der staatlich geförderten Wohnheimplätze aber nur um 5,5 Prozent.

Dies hat auch Student Moritz Kleinhenz zu spüren bekommen: "Es gibt viel zu wenig Studentenwohnheime und lange Wartelisten", sagt er. "Ich könnte vielleicht in Hanau ein preiswerteres Zimmer finden, aber dann hätte ich eine lange Anfahrt." Von der Wohnung seiner Eltern bis zur Fachhochschule braucht er dagegen nur fünf Minuten mit dem Rad. Zum Jobben lässt sein Stundenplan wenig Zeit.

Riese Nachfrage trifft auf winziges Angebot

Florian Fischer sucht in Regensburg seit rund einem halben Jahr eigene vier Wände. "Die Wohnungslage ist miserabel", sagt der Geschichtsstudent, der gerade auf dem Weg zu einer Maklerin ist. Der 24-Jährige hat sich mit zwei Kommilitonen zusammengetan, um eine WG zu gründen.

"Wir sind jeden Tag auf der Suche." 80 Prozent der Anbieter antworteten gar nicht erst, "und wenn man mal eine Wohnung besichtigen darf, sind mindestens noch zehn andere Parteien da." So wohnt Fischer weiter bei seinem Vater im rund 35 Kilometer entfernten Mallerdorf-Pfaffenburg.

Beziehung zwischen Eltern und Kindern haben sich verändert

Eltern und Kinder tickten aber auch anders als früher, gibt die Familiensoziologin Onnen zu bedenken. "Man muss sich nicht mehr wie James Dean gegen die Eltern auflehnen", erklärt sie. "Es herrscht weitgehend Konsens zwischen den Eltern und jungen Erwachsenen."

Zukunftsforscher Andreas Steinle formuliert es so: "Die Kinder sind zufrieden mit der Erziehung ihrer Eltern und haben ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen."

"Selbständigkeit wird durch Elternliebe zunicht gemacht"

Zudem sprächen Experten von einer überforderten Generation, die vor lauter Möglichkeiten keine Entscheidung für das eigene Leben zu fällen vermöge, sagt Onnen.

Steinle sieht auch die Eltern in der Pflicht: Viele stellten einfach weiter das Essen auf den Tisch und machten nach wie vor die Wäsche. "Selbstständigkeit, diese Qualifikation, die heute jeder Mensch für die Zukunftsbewältigung braucht, wird oftmals durch übertriebene Elternliebe zunichte gemacht."

"Der Kühlschrank ist immer voll"

Kleinhenz, Fischer und Zimmermann fühlen sich im Großen und Ganzen wohl zu Hause. "Die beiden sind sehr tolerant und völlig in Ordnung", beschreibt Sandra Zimmermann ihre Eltern. "Aber dann kommt doch die Frage: Kommst du heute Abend zum Essen?"

Auch Moritz Kleinhenz ist recht zufrieden: "Ich komme gut mit meinen Eltern aus", sagt er. "Ich hab ein großes Zimmer, die Wohnung ist schön und ich bin nicht den ganzen Tag allein." Schmunzelnd nennt der 23-Jährige weitere Vorteile: "Ich darf das Auto mitbenutzen und der Kühlschrank ist immer voll."

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