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Bettnässen mit sieben: Ein nasses Bett ist kein Grund zur Scham

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Bettnässen mit sieben  

Ein nasses Bett ist kein Grund zur Scham

22.04.2015, 16:57 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Bettnässen mit sieben: Ein nasses Bett ist kein Grund zur Scham. Vor allem Jungs sind vom nächtlichen Einnässen betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vor allem Jungs sind vom nächtlichen Einnässen betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Fünf bis zehn Prozent der Siebenjährigen machen nachts noch ins Bett. Das ist kein Grund sich zu schämen, weder für das Kind, noch für die Eltern. Doch über das Bettnässen wird lieber nicht gesprochen. Eltern schwindeln sogar den Arzt an, weil sie fürchten, dass er bei ihrem Kind seelische Probleme vermuten könnte. Angesichts der Tatsache, dass in allen Drogeriemärkten selbstklebende Betteinlagen und Windeln auch für große Kinder angeboten werden, wird klar, dass es nicht sich um Einzelfälle handeln kann.

Jonas hätte so viel Lust, mal bei seinem Freund zu übernachten. Alle machen das jetzt. Sein Freund Leon hat ihn auch schon mehrmals eingeladen. Aber Jonas geniert sich. Denn dann würde Leon ja merken, dass er nachts noch eine Windel braucht. Und das, obwohl sie beide doch schon sechs sind, die Wackelzähne ausfallen und der erste Schultag vor der Tür steht. Was, wenn sein Freund das weitererzählt? Ein Problem nicht nur für Jonas, sondern auch für seine Mutter.

Ein bettnässendes Kind macht nichts falsch

"Am Anfang habe ich mir noch keinen Kopf gemacht, mir gedacht, bei Jungs dauert es doch öfter länger. Aber langsam merke ich, dass es für ihn schwer wird. Dass er sich jeden Morgen ärgert, wenn die Windel wieder voll ist. Ich weiß bloß nicht, wie ich ihm helfen kann." Ohne es zu merken, ist Jonas Mutter bereits den ersten großen Schritt gegangen, der notwendig ist, um einem Bettnässer zu helfen: Sie schimpft ihn nicht, macht ihm keine Vorwürfe, gibt ihm nicht die Schuld und hält ihn auch nicht für zu faul, um aufzustehen. Denn er kann tatsächlich nichts dafür. Ein bettnässendes Kind macht nichts falsch. Bestrafungen, Schimpfen oder Trinkverbote machen alles nur viel schlimmer.

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Nur selten ist die Seele der Grund für Bettnässen

"Das weiß man doch, dass Bettnässer seelische Probleme haben", grummelt Jonas' Großvater bei jeder Gelegenheit. Das glaubte man zwar jahrzehntelang, aber es stimmt so nicht. Nur in seltenen Fällen, wenn ein Kind zum Beispiel über Monate oder gar Jahre hinweg Tag und Nacht sauber war und plötzlich wieder einnässt, sollte man nicht nur organische Komponenten wie einen Harnwegsinfekt, sondern auch seelische Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Einnässen seit der Geburt

Bei der sogenannten primären Enuresis, die rund 80 Prozent der bettnässenden Kinder betrifft, besteht das Einnässen aber seit der Geburt. "Ein Problem besteht erst dann, wenn die Situation durch den kleinen Patienten, die Eltern oder das Umfeld zum Problem gemacht wird", erklärt Tobias Luithle, Oberarzt an der Kinderurologie der Universitätsklinik Tübingen. Aber natürlich hat das verzögerte Trockenwerden einen Grund, beziehungsweise mehrere.

Mehr Jungs sind betroffen

Bekannt ist, dass die Vererbung eine Rolle spielt. Wenn beide Eltern Bettnässer waren, liegt die Wahrscheinlichkeit, selbst betroffen zu sein, bei 75 Prozent. Außerdem spielt ein Hormon namens ADH eine Rolle, das normalerweise ab dem sechsten Lebensjahr vom Gehirn gebildet wird und das den Wasserhaushalt im Körper steuert. Liegt ein Mangel vor, wird sozusagen mehr Urin hergestellt als die Blase halten kann. Auch kann es sein, dass die Nervenstrukturen, die die Blase kontrollieren, noch nicht ausgereift sind, dass die Blase noch zu klein ist oder es dem Kind nicht gelingt, sie vollständig zu entleeren.

Bettnässer schlafen sehr tief

Vielleicht schläft das betroffene Kind nachts zu tief. Bei Untersuchungen hat man herausgefunden, dass nur rund zehn Prozent der Bettnässer bei einem Lärm von 120 Dezibel - so laut ist beispielsweise ein startendes Düsenflugzeug - aufgewacht sind. Bei der Vergleichsgruppe waren es immerhin 40 Prozent. Auch ADHS kann eine Rolle spielen, glaubt man an der Universität von Kalifornien. Vor allem bei älteren Kindern bestehe hier häufig ein Zusammenhang.

Wann Eltern handeln sollten

Sobald man merkt, dass das Bettnässen zum Problem für das Kind wird oder extrem lange andauert, sollte man etwas unternehmen. Zunächst sollten organische Ursachen ausgeschlossen werden. Die Enuresis an sich ist gut therapierbar. Dafür allerdings muss man seine persönliche Schamgrenze verlassen und mit dem Kinderarzt reden. Bereits mit einer Urinprobe und einer völlig schmerzfreien Ultraschalluntersuchung kann sich dieser ein gutes Bild machen, ob organisch alles in Ordnung ist.

"Klingelhose" kann helfen

In den meisten Fällen wird er zunächst zur sogenannten Urotherapie raten, bei der durch strukturierte Anleitung die Eigenverantwortung des Kindes für die Ausscheidungsfunktionen gestärkt werden soll. Das beginnt bei einem Trinkplan, bei dem vor 17 Uhr die für den kindlichen Körper notwendige Flüssigkeit zugeführt wird, nutzt das Belohnungsprinzip und oft auch eine sogenannte "Klingelhose".

Das Gerät, das auf Feuchtigkeit reagiert, ist mit einer Alarmfunktion verbunden. Schon beim ersten Tropfen wird das Kind geweckt, nach spätestens zwölf Wochen soll es gelernt haben, von selbst aufzuwachen. Die Erfolgsrate ist mit bis zu 85 Prozent relativ hoch, die nächtlichen Störungen sind allerdings nicht optimal.

Wecken oder nicht?

Gleiches gilt für regelmäßiges Wecken, damit das Kind zur Toilette geht. Das kann wegen der Störung des Schlafs die ganze Familie erheblich belasten. Hier gilt es dem Facharzt zufolge abzuwägen. Manche Kinder profitieren von nächtlichem Wecken, weil dadurch das Bett nachts trocken bleibt. Aber nicht bei allen ist es sinnvoll und erfolgreich.

Wann Medikamente gegen Bettnässen ratsam sind

Manche Eltern haben auch mit Homöopathie Erfolge verzeichnet. Eine medikamentöse Therapie, bei der man das Hormon ADH künstlich zuführt, sollte die letzte Lösung sein. Schon allein deswegen, weil nach dem Absetzen mit einem Rückfall zu rechnen ist. Als kurzfristige Überbrückung von kritischen Situationen wie Klassenfahrten sind die Medikamente aber gut geeignet.

Verunsicherten Eltern rät Luithles: "Wenn kein Leidensdruck besteht, kann beim reinen nächtlichen Einnässen problemlos abgewartet werden."

Fakten zum Bettnässen: Deutschland sind 640.000 Kindern zwischen fünf und zehn Jahren von Bettnässen betroffen. Hinzu kommt die Dunkelziffer. Woran es liegt, dass doppelt so viele Jungs wie Mädchen vom nächtlichen Einnässen betroffen sind, weiß man nach heutigem Stand der Wissenschaft noch nicht. Normalerweise regelt sich die sogenannte Enuresis nocturna irgendwann von selbst. Ein Problem besteht nur dann, wenn das Kind darunter leidet.

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