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Epilepsie erkennen behandeln und mit ihr umgehen

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Gewitter im Kopf  

Epilepsie erkennen, behandeln und mit ihr leben

31.08.2016, 14:58 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Epilepsie erkennen behandeln und mit ihr umgehen. Mit moderner Therapie ist Epilepsie meist gut zu kontrollieren. (Quelle: imago)

Mit moderner Therapie ist Epilepsie meist gut zu kontrollieren. (Quelle: imago)

"Ihr Kind hat Epilepsie!" Eine Diagnose, die Eltern erst einmal verdauen müssen. Epileptische Anfälle können, wenn sie nicht erkannt und behandelt werden, zu schweren Problemen in Schule und Ausbildung führen.

Wenn man an einen epileptischen Anfall denkt, so kommt einem das Bild eines am Boden zuckenden Menschen mit Schaum vor dem Mund in den Sinn. Aber es gibt auch ganz andere Formen von Epilepsie: Fieberkrämpfe als Beispiel für so genannte Gelegenheitsanfälle, aber auch Absencen, bei denen die Betroffenen lediglich ziemlich verträumt wirken.  

Epilepsie tritt meist in der Kindheit auf

Fünf bis zehn Prozent aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens einen einmaligen epileptischen Anfall. Zum Beispiel in Form eines Fieberkrampfes im Kleinkindalter, unter dem Einfluss von Alkohol oder bei Vergiftungen anderer Art. Eine wirkliche Epilepsie entwickelt nur ein Prozent der Bevölkerung. Das klingt wenig, aber immerhin handelt es sich um die häufigste neurologische Erkrankung im Kindesalter. Bei drei Viertel aller Epileptiker treten die ersten Anfälle in jungen Jahren auf.

Funktionsstörung im Gehirn

Die Epilepsie beruht auf einer Funktionsstörung des Gehirns. Bei Kindern liegen am häufigsten genetisch bedingte Epilepsiesyndrome vor: Biochemische Veränderungen an der Zellmembran führen zu einer erhöhten Erregbarkeit der Nervenzellen mit normalerweise nicht vorkommender gleichzeitiger Entladung. Aber auch Fehlbildungen oder erbliche Strukturveränderungen im Gehirn, Stoffwechselerkrankungen, Tumore sowie Hirnschädigungen, die zum Beispiel während der Schwangerschaft oder der Geburt auftreten, können Ursache einer Epilepsie sein.

Moderne Techniken wie hochauflösende Kernspintomografen, das Langzeit-Video-EEG und spezielle nuklearmedizinische Untersuchungen helfen bei der Diagnose. 70 Prozent der Patienten können ohne große Neben- und Wechselwirkungen medikamentös von ihren Anfällen befreit werden. Bei etwa jedem zehnten betroffenen Kind kann der Epilepsieherd auch herausoperiert werden.

Eine erhöhte Anfallsbereitschaft, das heißt die entsprechende Reaktion auf bestimmte Auslöser, scheint angeboren zu sein. Schlafentzug, Fieber, Flackerlicht oder unzureichender Bildschirmabstand beim Fernsehen oder bei der Arbeit am Computer wirken sich oft ungünstig aus.

Unbehandelte Epilepsie bereitet Probleme

Die Epilepsie hat viele Gesichter. Einige erregen ziemliches Aufsehen, andere äußern sich in Veränderungen, die zunächst gar nicht wahrgenommen werden. Zum Beispiel sind die sogenannten Absencen für Außenstehende kaum zu erkennen. Dabei handelt es sich um kleine Filmrisse. Die betroffenen Kinder sind immer wieder kurze Zeit wie weggetreten, wirken auf Außenstehende eher verträumt. Irgendwann allerdings fällt Eltern oder Erziehern in der Regel auf, dass etwas nicht stimmt.

"Bei den Absencen sieht man im EEG wesentlich mehr als nach außen hin. Spezielle Wellen treten sehr viel häufiger auf als man Anfälle beobachten kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass dabei im Gehirn auch der Denkfluss gestört wird, was zeigt, dass man behandeln muss. Auch ist die Wahrscheinlichkeit des Ausheilens dann möglicherweise höher", erklärt Michael Fingerhut, Oberarzt am Klinikum Nürnberg Süd. Wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, muss man damit rechnen, dass es zu schulischen Schwierigkeiten kommt.

Anfälle schädigen das Gehirn in der Regel nicht

Epilepsien treten in unterschiedlichem Alter auf, können auch zu verschiedenen Zeitpunkten wieder ausheilen. Nur bei wenigen bleiben sie ein Leben lang. Zusätzlich sind epileptische Anfälle im Kindesalter sehr gut behandelbar und hinterlassen entgegen der landläufigen Meinung keine Folgeschäden.

"Allerdings", so schränkt Fingerhut ein, "gibt es seltene, schwer verlaufende Epilepsien, bei denen die Anfälle mehrfach täglich auftreten oder sehr lange dauern und bei denen es dann schon zu Schäden kommen kann." Diese aber sind die Ausnahme, nicht die Regel.

Epileptiker sind nicht geistig behindert

Doch gerade die Kinder, die unter starken Anfällen mit Zuckungen leiden, werden vom Umfeld schnell als geistig behindert abgestempelt. Dabei gibt es dafür nicht den geringsten Grund. Fingerhut erklärt, dass zwischen dem Intelligenzquotienten und einer Epilepsie keinerlei Beziehung besteht. Allerdings weist er auf andere Zusammenhänge hin: "Rein statistisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass auch andere leichte Funktionsstörungen wie zum Beispiel Konzentrationsstörungen oder Teilleistungsstörungen vorhanden sind."

Die meisten der von Epilepsie betroffenen Kinder zeigen aber keine weiteren Beeinträchtigungen und besuchen problemlos eine Regelschule. "Kinder mit Epilepsien erreichen in den Grund-, Haupt-, und weiterführenden Schulen überwiegend die gleichen Erfolge, haben aber teilweise einen höheren Betreuungs- und Therapiebedarf als ihre Altersgenossen.

Epilepsie für sich genommen darf niemals allein das Kriterium für den Besuch einer Förderschule sein", informiert die Deutsche Gesellschaft für Epilepsie (DGfE). Nicht generell festgelegt ist ein Nachteilsausgleich, das wäre auch aufgrund der sich sehr unterscheidenden Krankheitsbilder gar nicht möglich. Hier haben die einzelnen Schulleitungen aber relativ großen Spielraum. 

Passive Hilfe leisten

Wenn ein Kind zum ersten Mal einen epileptischen Anfall hat, ist es am besten, den Notarzt zu rufen, denn es sollte nach dem Anfall unbedingt gründlich untersucht werden. Bei Kindern, bei denen die Epilepsie bereits bekannt ist, ist es nur dann notwendig, die Notrufnummer zu wählen, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle nacheinander auftreten.

Man hat das Bedürfnis, das Kind während eines Krampfanfalls festzuhalten, seine verkrampften Glieder zu lockern oder ihm etwas in den Mund zu schieben, damit es sich nicht auf die Zunge beißt. All das sollte man unterlassen. Stattdessen ist es besser, alle Gegenstände aus der direkten Umgebung zu entfernen, an denen sich das Kind verletzen könnte und ihm ein Kissen unter den Kopf zu schieben. 

Wenn bereits krampflösende Medikamente verschrieben wurden, sollten Eltern sich vom Arzt erklären lassen, wie und wann es einzusetzen ist. Nach dem Anfall ist es wichtig, dem Kind zu erklären, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Es hat nämlich keine Erinnerung an den Vorfall. Wenn es möglich ist, so sollte man ein Protokoll über die Anfälle führen und dabei auch gezielt die Geschehnisse davor dokumentieren. Das hilft dem Betroffenen, weil er dann Vorboten wie Kopfschmerzen, Reizbarkeit oder bestimmte Sinneswahrnehmungen erkennen kann. Das hilft aber auch dem behandelnden Arzt, die individuelle Epilepsie festzustellen und die richtige Therapie zu finden. 

Epilepsie kann ausheilen

Sind über einen längeren Zeitraum keine Anfälle mehr aufgetreten und zeigt das EEG keine Auffälligkeiten, dann liegt es im Ermessen des behandelnden Arztes, die Medikamente zu reduzieren oder gar die Therapie zu beenden. Erfreulich ist: Bei mehr als einem Viertel der Kinder heilt die Epilepsie aufgrund der weiteren Hirnentwicklung irgendwann aus. Nicht selten verschwindet die Anfallsneigung auch nach der Pubertät von selbst.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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