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Blinddarmentzündung bei Kindern: Anzeichen, Diagnose, Operation

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Blinddarmentzündung bei Kindern  

Diagnose der Blinddarmentzündung birgt Tücken

31.08.2016, 15:08 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Blinddarmentzündung bei Kindern: Anzeichen, Diagnose, Operation. Mögliche Blinddarmentzündung: Bei heftigen Bauchschmerzen sollten Kinder unbedingt ärztlich untersucht werden.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei heftigen Bauchschmerzen sollten Kinder unbedingt ärztlich untersucht werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinder haben oft Bauchschmerzen. Meistens sind sie auf harmlose Beschwerden wie Blähungen zurückzuführen oder haben psychosomatische Gründe. Hat ein Kind aber plötzliche, stärker werdende oder anhaltende Schmerzen, sollte es umgehend zum Kinderarzt oder in die Notfallambulanz. Dahinter könnte eine Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms stecken.

Solche Entzündungen kommen vor allem im Kindes- und Jugendalter vor. Etwa 28.000 Kinder bis 15 Jahren müssen in Deutschland jährlich wegen einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus.

Wenn der Wurmfortsatz des Blinddarms entzündet ist, dann ist umgangssprachlich die Rede von einer Blinddarmentzündung. Medizinisch korrekt ist aber nur die Bezeichnung "Appendizitis", auf deutsch: Wurmfortsatzentzündung. "Nicht der Blinddarm selbst, der zum Dickdarm gehört, ist entzündet, sondern nur der kleine Wurmfortsatz des Blinddarms, der sogenannte Appendix", erklärt Phillip Szavay, Leitender Oberarzt in der Abteilung für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Tübingen. Das Anhängsel ist ungefähr zehn Zentimeter lang und schlauchförmig.

Wie es zu der Entzündung des Wurmfortsatzes kommt

Meistens bleibt die genaue Ursache für eine Entzündung unbekannt. Oft stecken Kotreste im Appendix fest, in denen sich Bakterien vermehren. Auch Darmparasiten oder eine Verengung des Blinddarms können zu einer Entzündung führen. Lebensmittel spielen keine Rolle: "Obstkerne von Melonen, Kirschen oder Weintrauben führen nicht, wie weitläufig angenommen, zu einer Appendizitis", entwarnt Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Köln.

Symptome für ein Blinddarmentzündung

Eine Blinddarmentzündung kann sich von eher unspezifischen Symptomen bis hin zum klassischen Schmerz im rechten Unterbauch in vielen Variationen bemerkbar machen. "Die Beschwerden beginnen meist in der Mitte des Bauchs und wandern dann zur rechten unteren Seite. Sie können aber auch in der oberen Bauchhälfte überwiegen", erläutert der Pressesprecher des Berufsverbands, Ulrich Fegeler. "Ist der Bauch zusätzlich hart oder wirkt gebläht, können dies auch Zeichen für eine Blinddarmentzündung sein." Die Kinder sind dann am Unterbauch extrem berührungsempfindlich und klagen über einen Druckschmerz. Wenn sie sich nicht mehr trauen, das rechte Bein anzuwinkeln oder dabei über Schmerzen klagen, ist das ein recht sicherer Hinweis auf eine Blinddarmentzündung.

Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, aber auch Durchfall mit kleinen schleimigen Stuhlmengen, nicht abgehende Blähungen sowie Appetitlosigkeit sind weitere Anzeichen.

Blinddarm-Diagnose bei kleinen Kindern ist oft kompliziert

Eine Blinddarmentzündung kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten ist aber die Altersgruppe der elf- bis 20-Jährigen betroffen. Bei Kleinkindern entzündet sich der Blinddarm-Wurmfortsatz (Appendix) selten. Hier liegt das Problem vor allem in der Diagnose, denn je kleiner die Kinder, desto unspezifischer sind die Krankheitszeichen. Außerdem "ist die Diagnose bei Kindern klinisch nicht einfach zu stellen, weil sie ihre Beschwerden nicht genau beschreiben können. Auch sind die Symptome sehr unterschiedlich", erläutert Professor Jörg Fuchs, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) und Chefarzt der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Tübingen. Dies kann dazu führen, dass entweder der Blinddarm unnötigerweise entfernt wird, oder es zu einem Durchbruch kommt.

Wie aktuelle Veröffentlichungen nun zeigen, entscheiden Ärzte richtig, wenn sie den Patienten nicht nur klinisch, sondern auch mittels Ultraschall untersuchen. "Mit hochauflösenden Ultraschallgeräten können sogar leichte Schwellungen des zwei bis sechs Millimeter dünnen Wurmfortsatzes gesehen werden", so Kinderchirurg Philipp Szavay, Sprecher der DGKCH. "Mit diesem schmerzfreien und schnellen Verfahren erreichen erfahrene Ärzte bei normalgewichtigen Kindern eine hohe Treffsicherheit", sagt der Experte.

"Im Zweifel gilt immer: raus damit!"

Ist nach der Sonografie jedoch nach wie vor nicht sicher, ob der Blinddarm entzündet ist, sollte der Kinderchirurg eher operieren. "Abwarten ist bei Heranwachsenden nicht besser, auch wenn das in der Erwachsenenmedizin nun immer häufiger praktiziert wird", erläutert Szavay. Dafür gebe es nach heutigem Stand keine ausreichende wissenschaftliche Beweislage, denn der Blinddarm könne durchbrechen. Dann drohten Komplikationen wie eine Bauchhöhlenvereiterung. Dagegen sei das Risiko des Routineeingriffs wesentlich geringer. "Im Zweifel gilt immer: raus damit!" sagt Szavay.

Ulrich Fegeler vom Kinderärzteverband führt aus: "Unbehandelt kann der Wurmfortsatz nach etwa zwei bis drei Tagen platzen, so dass Bakterien und Kotreste in den Bauchraum gelangen und dann meist abgekapselt als Abszess weiter schwelen. Es kann sich aber auch eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung entwickeln."

Die Angst vor der Blinddarm-Operation

Der Gedanke, dass das eigene Kind auf den OP-Tisch muss, löst bei den meisten Eltern Ängste aus. Hartmann beruhigt: "Die meisten Kinder stecken das gut weg und sind sehr schnell wieder fit." Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und dauert 20 bis 45 Minuten. In vielen kleinen Krankenhäusern wird noch ganz klassisch ein Bauchschnitt von etwa drei bis vier Zentimetern gemacht. "In größeren Häusern oder in Kinderkliniken wird der Wurmfortsatz auch minimalinvasiv, mittels einer operativen Bauchspiegelung durchgeführt", erklärt Szavay. Diese Methode ist etwas schonender und kosmetisch schöner als der Bauchschnitt und wird inzwischen in über 70 Prozent der Fälle angewandt. "Wissenschaftlich betrachtet sind aber beide Verfahren gleich sicher."

Natürlich birgt die Operation Risiken, über die sich Eltern genau informieren sollten. "Allerdings werden diese Operationen so oft vorgenommen, dass sie mittlerweile relativ komplikationsarm sind", beruhigt Professor Tim Niehues, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld. Nach drei, maximal sieben Tagen könnten die kleinen Patienten in der Regel wieder nach Hause.

Präventives Entfernen des Wurmfortsatzes ist umstritten

Wenn Kinder aus anderen Gründen am Bauch oder Darm operiert werden, besteht die Möglichkeit, den Wurmfortsatz vorbeugend zu entfernen. Doch unter Medizinern ist die Entfernung ohne klinischen Grund umstritten. Wurde früher angenommen, der Wurmfortsatz sei ein unnützes Überbleibsel der Evolution, weiß man heute, dass er Teil des Immunsystems ist. Zudem können nach der Entfernung Verwachsungen oder Vernarbungen entstehen.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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