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Kleinwüchsigkeit: Klein aber stark

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Kleinwüchsigkeit  

Diese Kinder sind klein, aber stark

31.08.2016, 14:56 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Kleinwüchsigkeit: Klein aber stark. Noch immer werden Kleinwüchsige unterschätzt.  (Quelle: dpa)

Noch immer werden Kleinwüchsige unterschätzt. (Quelle: dpa)

Müssen Eltern sich Sorgen machen, wenn ein Kind um einiges kleiner ist als Gleichaltrige? Dafür kann es viele Gründe geben. Viele sind harmlos, doch bei einigen Kindern ist Kleinwuchs die Ursache. Früh genug erkannt, kann oft gegengesteuert und geholfen werden.

Ursachen für Kleinwüchsigkeit

"Rund 80 bis 100.000 Menschen in Deutschland sind kleinwüchsig", erklärt die Pressesprecherin des Bundesselbsthilfeverbands Kleinwüchsiger Menschen (VKM) Sabine Popp. "Bei uns gilt als Grenze für Männer wie Frauen eine Größe von 1,50 Metern. Um eine Schwerbehinderung anerkannt zu bekommen, darf man allerdings höchstens 1,40 Meter groß sein." Die Gründe, warum ein Mensch kleinwüchsig ist, sind vielfältig: Hormonstörungen, Mangel- oder Fehlernährungen während der Schwangerschaft, ein Hirntumor, Stoffwechselerkrankungen, Erbanlagen. Forscher der Universität Leipzig haben sogar bereits einen genetischen Auslöser für den Kleinwuchs entdeckt. Kleinwüchsigkeit kann versteckt vererbt werden. Es kommt durchaus vor, dass normalgroße Eltern neben normalgroßen Kindern ein kleinwüchsiges haben.

Kleinwüchsigkeit oder nur Spätentwickler

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung kontrolliert der Kinderarzt auch die Größe und das Gewicht eines Kindes. Die Entwicklung von Kindern verläuft nicht linear, oft werden sie - im wahrsten Sinne des Wortes - über Nacht größer. Aber man kann der sogenannten Perzentilenkurve im gelben Untersuchungsheft eine allgemeine Tendenz entnehmen. Liegt die Größe unterhalb der dritten Wachstumsperzentile ist das ein Hinweis auf eine Wachstumsstörung. Jungs und Mädchen haben hier übrigens unterschiedliche Vorgaben, da ihr Wachstum sehr unterschiedlich verläuft, und ein deutsches Kind, das bei uns schon als kleinwüchsig gilt, würde sich in Japan noch innerhalb des Normbereiches bewegen. Es gibt also neben klinischen auch soziologische Parameter zu beachten. Und manchmal handelt es sich auch einfach nur um einen Spätentwickler, der als Erwachsener eine durchschnittliche Größe erreicht.

Kleinwuchs erkennen und richtig handeln

Befürchtet man allerdings einen Kleinwuchs bei einem Kind, so kann eine Überweisung zu einem Spezialisten, einem Kinder-Endokrinologen, sinnvoll sein. Er wird das Kind zunächst eingehend körperlich untersuchen, durch eine Röntgenaufnahme der linken Hand sein sogenanntes Knochenalter bestimmen, Erkrankungen des Gehirns ausschließen, nach erblich bedingten, angeborenen und chronischen Erkrankungen suchen und Tests machen, um einen eventuellen Wachstumshormonmangel festzustellen. Bei Mädchen wird zusätzlich noch eine Chromosomenanalyse gemacht, um das so genannte Ullrich-Turner-Syndrom auszuschließen, das etwa bei einer von 2500 Geburten auftritt, und das nicht nur durch Kleinwuchs, sondern auch durch das spätere Ausbleiben der Pubertät also zukünftiger Unfruchtbarkeit gekennzeichnet ist.

Je früher die Ursache für eine Wachstumsstörung gefunden wird, desto besser. Denn handelt es sich zum Beispiel um einen Wachstumshormonmangel, dann kann dem Kind geholfen werden, indem der fehlende Stoff mittels spezieller Medikamente ersetzt wird. Allerdings muss mit der Therapie so früh wie möglich begonnen werden. Denn im Verlauf der Pubertät schließen sich die Wachstumsfugen. "Man darf nicht vergessen: Bis eine Diagnose gestellt wird, kann schon einige Zeit vergehen", erklärt Jérôme Ries. "Immerhin gibt es 450 verschiedene Ursachen für Kleinwuchs und alle gehören zu den seltenen Erkrankungen, für die es zu wenig Experten gibt," beklagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF).

Noch immer häufig unterschätzt

Extrem kleine Menschen waren über Jahrhunderte bestaunte Attraktionen auf Jahrmärkten und im Zirkus. Sie hatten häufig die Rolle des Hofnarrs inne, gelegentlich auch die des weisen Beraters und inspirierten so manchen Geschichtenerzähler. Zwerge, Gnome und Liliputaner bevölkern die Märchenbücher. Doch in den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich, so Ries, in Sachen Toleranz und Akzeptanz viel getan. "Das ist unter anderem ein großer Verdienst der Verbände. Auf der einen Seite herrscht dadurch eine größere Sensibilität, auf der anderen Seite gehen die Betroffenen aber auch mit Blicken anders um", freut sich Ries über die Erfolge der Verbandsaktivitäten. Auch Sabine Popp bestätigt, dass der Umgang mit Kleinwüchsigen sich verändert habe. "Ich bin 1964 geboren. Wenn ich heute durch die Straßen laufe, werde ich viel weniger beachtet als früher", zeigt auch sie sich im Großen und Ganzen mit den gemachten Fortschritten zufrieden. Probleme gäbe es aber noch immer. "Was sich nicht wirklich geändert hat, ist die Tatsache, dass man uns Kleinwüchsigen nicht allzu viel zutraut."

Kleinwüchsige Menschen stoßen in ihrem Alltag immer wieder auf massive Probleme - angefangen bei Kleidung und Alltagsgegenständen über Fahrkartenautomaten bis hin zur psychischen Komponente. Obwohl sie über eine völlig normale Intelligenz verfügen, wird immer wieder an ihrer Kompetenz gezweifelt. Viel zu oft hören kleinwüchsige Kinder Sätze wie: "Das kannst du nicht", oder "Das ist zu schwer für dich". Letztendlich führt das dazu, dass sie sich tatsächlich nichts mehr zutrauen. Um sich in einer solchen Situation behaupten zu können, ist eine Menge Selbstvertrauen nötig, auch wenn Diskriminierung und Ausgrenzung seltener werden.

Eltern und Kinder stärken

Hier ist das Umfeld, sind vor allem die Eltern gefragt. "Ich war nie mit meinen Freundinnen in einer Diskothek, schließlich wäre ich da immer völlig in der Menge untergegangen. Wenn am Montag in der Schule dann alle von ihrem tollen Wochenende erzählt haben, dann war das für mich schon blöd. Doch meine Eltern haben mich unterstützt, haben meine Stärken fokussiert und mir gezeigt, was ich kann." Jérôme Ries betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig hier eine kompetente Beratung schon in der Schwangerschaft beziehungsweise ab dem Erkennen der Kleinwüchsigkeit ist: "Denn dass die Eltern gestärkt werden und dann in der Lage sind, diese Stärke an ihre Kinder weiterzugeben, das ist ein grundlegender Faktor."

Partnerschaft und Sexualität noch immer häufig ein Problem

Soziale Probleme sind nicht selten. Die körperliche Reife wird vor allem während der Pubertät häufig auch über die Körpergröße bestimmt. Vor allem Jungs leiden dann sehr unter einer als zu gering empfundenen Körpergröße. Kommt der Jugendliche in ein Alter, in dem Sexualität beginnt, eine Rolle zu spielen, dann wird es für kleinwüchsige Menschen besonders schwierig. Die Gesellschaft spricht ihnen ein Sexualleben immer wieder mehr oder weniger ab.

Aber auch hier setzt die Aufklärungsarbeit der Verbände an. Der Austausch, der stattfindet, und der geschützte Rahmen, in dem der Kontakt zu anderen Kleinwüchsigen hergestellt werden kann, verbessern die Lebensqualität. "Die meisten wünschen sich einen kleinwüchsigen Partner, der über die gleichen Erfahrungen verfügt. Da ist einfach vieles schon klar und viel einfacher", so Sabine Popp. Es gibt aber auch kleinwüchsige Menschen, die nicht dauernd mit ihrem eigenen Kleinwuchs konfrontiert werden wollen und sich einen normalwüchsigen Partner wünschen. Diesen zu finden ist allerdings für Männer meist schwerer als für Frauen.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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