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Kindergynäkologie: Weibliche Entwicklung - "bin ich eigentlich normal?"

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Kindergynäkologie  

Weibliche Entwicklung: "Bin ich eigentlich normal?"

08.07.2011, 14:47 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Kindergynäkologie: Weibliche Entwicklung - "bin ich eigentlich normal?". "Bin ich eigentlich normal?" Die körperlichen Veränderungen in der Pubertät werfen viele Fragen auf. (Foto: Archiv)

"Bin ich eigentlich normal?" Die körperlichen Veränderungen in der Pubertät werfen viele Fragen auf. (Foto: Archiv)

Mädchen sind alles andere als kleine Frauen. Aber sie können trotzdem "Frauenkrankheiten" bekommen. In einem solchen Fall ist der Besuch beim Kindergynäkologen angesagt. Doch Eltern müssen hinsichtlich der Untersuchung nicht beunruhigt sein. Frauen- oder auch Kinderärzte mit einer entsprechenden Zusatzausbildung wissen, wie sie mit der natürlichen Scham und der Angst der Mädchen umgehen müssen. Und sie wissen, dass die Eltern sich oft große Sorgen machen - um die Gesundheit des Kindes, aber auch um die Frage, ob die Tochter später eine normale Sexualität leben beziehungsweise einmal selbst Kinder bekommen kann.

Unterleibsschmerzen, für die andere Ärzte keine Ursache finden, Verdacht auf eine Fehlbildung der weiblichen Geschlechtsorgane oder einen Tumor, eingeführte Fremdkörper wie zum Beispiel Haarspangen, eine viel zu frühe Blutung, bakterielle Infektionen, ein Verkleben der Schamlippen, Hormonstörungen und Störungen der Sexualentwicklung, aber auch der Verdacht auf einen sexuellen Missbrauch: Die Liste der möglichen Befunde, die Eltern mit ihren Töchtern zum Kindergynäkologen führt, ist lang. Wobei hier ganz andere Themen zur Sprache kommen: Die bange Frage "Bin ich normal - ja oder nein?" steht ganz besonders im Vordergrund, aber auch Zyklusunregelmäßigkeiten, Menstruationsbeschwerden, Hygiene sowie Sexualität und Verhütung beschäftigen die jungen Frauen.

Menstruationsvorboten

Kommt ein Mädchen so langsam aber sicher in die Pubertät, dann merkt man das nicht nur am Verhalten oder am Körpergeruch, man merkt es vor allem auch daran, dass es sich physisch verändert. Ziemliche Wachstumsschübe sind in diesem Alter ebenso normal wie unreine Haut sowie das Auftreten von Brustentwicklung und die ersten vereinzelten Schamhaare. "Die Brustentwicklung tritt zwischen dem neunten und 16. Lebensjahr auf, die ersten Schamhaare zwischen dem achten und dem 13. Lebensjahr. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die erste Menarche, also die erste Monatsblutung, etwa eineinhalb bis zwei Jahre nach Beginn des Brustwachstums beziehungsweise der Schambehaarung einsetzen sollte“, so die Erlanger Frauenärztin Dr. Patricia Oppelt.

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Mütter sind häufig verunsichert

Manche Mädchen sind, zum Beispiel durch ihre größeren Schwestern, auf die Entwicklung vorbereitet. Andere werden davon völlig überrascht. Und selbstverständlich hat auch nicht jede Mutter noch ganz genau alle Anzeichen der eigenen Pubertät im Kopf. So manche ist erst einmal erstaunt und oft auch besorgt, wenn sie die Veränderungen an ihrem Kind bemerkt und zum Beispiel beim Waschen weißliche Flecken in der Unterwäsche findet. "Circa ein bis eineinhalb Jahre vor der ersten Regelblutung bemerken Mädchen diesen sogenannten 'Weißfluss' mehr oder weniger ausgeprägt. Unter dem Einfluss der Östrogene kommt es zu einer generellen Durchfeuchtung des Gewebes der Scheide und zu einer verstärkten Absonderung eines wässrigen oder weißlich-gelben Fluors vom Muttermund“, erklärt Dr. Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF). "Der Weißfluss hat einen leicht joghurtähnlichen Körpergeruch, riecht also nicht unangenehm.“

Die erste Regel ist kein Fall für den Arzt

Ein normaler Weißfluss ist also genauso wenig ein Grund, den Arzt aufzusuchen wie die erste Regel. Es ist lediglich wichtig, dem Mädchen zu erklären, dass es sich um ganz normale Entwicklungszeichen handelt. Ausfluss ist nämlich nur dann wirklich auch im krankhaften Sinn "Ausfluss", wenn es gleichzeitig zu einem Jucken oder Brennen in oder an der Scheide kommt, wenn sich Zeichen von Entzündungen zeigen oder der Geruch als unangenehm empfunden wird. In einem solchen Fall könnten zum Beispiel Pilze dahinterstecken und das müsste dann durch einen Arzt abgeklärt werden.

Wo finde ich einen Kinder- und Jugendgynäkologen?

Bei jedem neugeborenen Mädchen wird auch die Scheide untersucht. Und im Laufe der ersten Lebensjahre wirft der Kinderarzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen immer wieder einen Blick auf die äußeren Genitalien. Allerdings nur bis das Mädchen vier, vielleicht fünf Jahre alt ist, da dann das natürliche Schamgefühl ausgeprägter wird. Eine Untersuchung ist auch nur notwendig, wenn sich bestimmte Symptome zeigen. In diesen Fällen allerdings wird der Kinderarzt auf den Kindergynäkologen verweisen.

Es gibt zwar keine spezielle Zusatzausbildung für Fachärzte der Gynäkologie und Geburtshilfe. Aber die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendgynäkologie zum Beispiel bietet Intensivkurse und Sprechstunden für interessierte Frauen- und Jugendärzte an. Bei schweren Störungen hat ein solcher Arzt vor allem die Aufgabe, frühzeitig die richtige Verdachtsdiagnose zu stellen und das Kind an eine Spezialklinik weiterzuleiten.

Kein Kind muss gleich auf den berühmten Stuhl

Patricia Oppelt arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei der Spezialsprechstunde für Kinder- und Jugendgynäkologie der Universität Erlangen und leitet diese seit 2003. Ihre Erfahrung zeigt, dass es das Beste ist, so normal und natürlich wie möglich mit der Angst und der Scham der Mädchen umzugehen. "Jedes Mädchen ist für sich individuell und empfindet den Besuch beim Frauenarzt sehr unterschiedlich. Man muss ihnen Raum lassen, ihre Befürchtungen oder Ängste zu äußern und ihnen diese ein Stück weit nehmen.“ Ein guter Arzt zeigt seiner kleinen Patientin die Geräte und fragt, ob er sie untersuchen darf. Eine Untersuchung auf dem gefürchteten Stuhl ist übrigens nur dann notwendig, wenn tatsächlich der Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt und diese nicht auf anderem Weg ausgeschlossen werden kann.

Angst und Scham müssen respektiert werden

Bei kleinen Mädchen, die bereits gynäkologisch untersucht werden müssen, kann diese Untersuchung oft auch auf dem Schoß der Mutter durchgeführt werden. In den meisten Fällen kann sich der Frauenarzt von außen über die Bauchdecke per Ultraschall ein gutes Bild verschaffen und kann das gleichzeitig zur Aufklärung der jungen Patientin nutzen. "Wenn eine gynäkologische Untersuchung auf dem Stuhl nicht zwingend notwendig ist und ich das Gefühl habe, dass das Mädchen dazu noch nicht bereit ist, dann beginne ich mit einem Ultraschall vom Bauch, zeige ihm Gebärmutter und Eierstöcke und erkläre die Zusammenhänge. Die Mädchen legen hierbei häufig ihre Scham bereits ein Stück weit ab und sind bei einem weiteren Termin dann bereit für eine gynäkologische Untersuchung.“ Sie fassen Vertrauen.

Das Mädchen darf sich nicht ausgeliefert fühlen

Eine Ärztin ist den meisten Mädchen lieber als ein Arzt - aus nachvollziehbaren Gründen. Doch egal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt: Der Gynäkologe sollte gerade in diesen Situationen besonders einfühlsam und vorsichtig sein. Denn allein schon im Hinblick auf die in Zukunft notwendigen Vorsorgemaßnahmen und natürlich auch mit Blick auf das sexuelle Selbstbewusstsein ist es wichtig, das Kind beziehungsweise die Jugendliche vor einer traumatisierenden Situation zu bewahren. Das Mädchen darf nicht das Gefühl haben, dass etwas mit ihm geschieht, auf das es keinen Einfluss hat. "Falsche Worte und eine etwas zu grobe Untersuchung können zu langfristigen sexuellen Störungen führen“, so Professor Eiko E. Petersen aus Freiburg, Facharzt für Frauenheilkunde.

Der eigene Frauenarzt ist nicht unbedingt der Beste für die Tochter

Gute Ärzte bereiten das Kind oder die Jugendliche auf die Untersuchung vor, nehmen Rücksicht auf das natürliche Schamgefühl und erklären jede ihrer Handlungen. "Nie drängen, auch wenn die Diagnostik es erfordert. Lieber einen Folgetermin vereinbaren!“, fasst Dr. Patricia  Oppelt die Situation zusammen.

Erwachsene Frauen legen ihren Schwerpunkt bei der Wahl ihres Frauenarztes meist ganz speziell. Der eigene Arzt muss also nicht unbedingt auch der Geeignete für die Tochter sein. Diese bekommt oft einen guten Tipp von Freundinnen. Am besten ist, man hört sich einmal um unter den anderen Müttern, testet den empfohlenen Arzt vielleicht auch einmal hinsichtlich der bevorstehenden Untersuchung für das Kind und informiert sich vor allem über Praxen mit entsprechenden Sprechstunden für junge Mädchen.

Spezielle Mädchen-Sprechstunden

Weil sie im Rahmen ihrer Tätigkeit für die ÄGGF ständig mit den Sorgen von Frauen und Mädchen konfrontiert wurde, hat Gisela Gille 2004 die Initiative Mädchen-Sprechstunde gegründet. "Die Mädchen-Sprechstunde ist als ein präventives Angebot gedacht. Das bedeutet, Mädchen können nur zur Beratung kommen. Mit ihren Fragen oder auch ihren Sorgen, ob das, was sie an sich beobachten, normal verläuft, die frauenärztliche Praxis aufsuchen.“ Kompetenz, Respekt, Einfühlungsvermögen, Offenheit und nicht zuletzt Zeit für die Patientin sind hier die Schlagwörter. Und auch das Team sollte entsprechend geschult sein. Ob die Mutter des Mädchens dabei ist oder nicht, kann die Jugendliche selbst entscheiden.

Immer mehr Praxen bieten neben der normalen Terminvergabe übrigens auch offene Sprechstunden für Schülerinnen an, die diese ganz spontan, zum Beispiel auch mit Freundinnen nutzen können.

Das Recht auf Verhütung

Fragen zur Verhütung gehören zu den meistgestellten. Denn vielen Mädchen ist es peinlich, mit den Eltern darüber zu sprechen. "Grundsätzlich ist ein Frauenarzt auch einer minderjährigen Patientin gegenüber schweigepflichtig, allerdings muss er sich der sogenannten Einwilligungsfähigkeit der jugendlichen Patientin versichern“, erklärt Dr. Gille. "Wobei die geistige und die sittliche Reife nicht immer zwangsläufig mit einem Alter verbunden sind.“ In der Regel geht man davon aus, dass Mädchen über 16 in der Lage sind, selbst zu entscheiden, was sie mit wem machen möchten. Zwischen 14 und 16 Jahren wird der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Mädchen führen und dieses auch dokumentieren. Ist er sich sicher, dass es bereits in der Lage ist, entsprechende Entscheidungen zu treffen, dann darf er ihm auch die Pille verschreiben. Bei jüngeren Kindern, so Dr. Gisela Gille, werden normalerweise schon die Eltern hinzugezogen. "Wenn man als Frauenarzt aber merkt, dass es nicht um 'Sex, ja oder nein', sondern um 'Sex mit oder ohne sichere Verhütung' geht, dann geht es ja in erster Linie darum, eine ungewollte Schwangerschaft mit all ihren Konsequenzen zu verhindern!“

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