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"37 Grad": So leiden die Kinder depressiver Mütter

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Familienkrisen  

"37 Grad": So leiden die Kinder depressiver Mütter

04.07.2012, 10:36 Uhr | t-online.de

"37 Grad": So leiden die Kinder depressiver Mütter. Lara mit ihrem Vater und ihrer manisch-depressiven Mutter. (Quelle: ZDF)

Lara mit ihrem Vater und ihrer manisch-depressiven Mutter. (Quelle: ZDF)

Was geschieht mit einem Kind, wenn seine Mutter plötzlich ganz anders wird, stundenlang auf der Couch liegt oder unter Manien und Depressionen leidet? Wie verarbeitet es ein Kind, wenn ein Elternteil sogar Selbstmordgedanken hat? Von der Belastung von Kindern psychisch kranker Mütter, aber auch von den Möglichkeiten, ihnen zu helfen und sie zu stärken, erzählt die Dokumentation "Mein verrücktes Leben - Von starken Kindern und kranken Müttern" aus der ZDF-Reihe "37 Grad".

Eine unbegreifliche Krankheit

Im Jahr 2020 wird die Depression die zweithäufigste Erkrankung weltweit sein, nur noch übertroffen von den Herz-Kreislauf-Krankheiten. Jeder vierte Mensch erlebt im Laufe seines Lebens einmal eine schwere psychische Krise und fast drei Millionen Kinder leben zurzeit in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil.

Trotz dieser Zahlen ist das Thema noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Vielleicht ist das so, weil es schwierig ist, diese "unsichtbare" Erkrankung, die Antriebslosigkeit und die grundlose Traurigkeit, zu verstehen. Wie oft ertappen sich - trotz aller Aufklärung - Erwachsene, die mit Erkrankten konfrontiert sind, bei Gedanken wie "es kann doch nicht so schwer sein, aufzustehen und sich mal die Haare zu kämmen oder einen Tee zu kochen." Aber das ist es.

Man kann sich vorstellen, wie schwer es erst für Kinder ist, das Verhalten ihrer depressiven Eltern zu begreifen.

Wie Kinder unter den Depressionen der Eltern leiden

Caroline Haertel und Mirjana Momirovic, die Autorinnen der "37 Grad"-Doku, beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit der Krankheit Depression. Stets richteten sie dabei den Blick auf die Krankheit und die Erkrankten, bis ihnen eine befreundete Kinderärztin vorschlug, sich der Familienmitglieder der Erkrankten anzunehmen.

Die Kinderärztin berichtete von ihren kleinen Patienten, die mit Migräneattacken, Koliken, Angstzuständen, und einige sogar mit Psychosen bei ihr vorstellig wurden, während ihre Mütter zwei Stockwerke höher in der Psychiatrie behandelt wurden - Kinder, die unter der Verantwortung, die sie für die kranken Mütter, manchmal auch für die ganze Familie übernommen hatten, selbst erkrankten. Wie auf der ZDF-Homepage steht, erzählte die Ärztin, dass viele der Kinder unter dem Druck der Geheimhaltung der Krankheit leiden und damit unter der Last, sich niemanden anvertrauen zu dürfen. Viele dieser Kinder ertragen diesen Druck nicht und erkranken selbst psychisch.

Die Erkrankung der Mutter bestimmt Laras Leben

Die 13-jährige Lara ist eines der zahlreichen betroffenen Kinder. Sie war sechs Jahre alt, als ihre Mutter Ulrike manisch-depressiv wurde. Ihren Beruf als Krankenschwester musste Ulrike aufgegeben. Stattdessen bestimmen nun Medikamente und Psychiatrieaufenthalte ihren Alltag. Wirklich anwesend ist Ulrike selbst dann meistens nicht, wenn sie gerade mal nicht in stationärer Behandlung ist: "Während einer Depression bin ich einfach nicht da", erklärt Laras Mutter, die in ihren depressiven Phasen völlig antriebslos im Bett oder auf dem Sofa liegt. Angst habe Ulrike aber vor allem vor der Manie, durch die sie streitsüchtig und gemein wird - oft ist Lara das Opfer der Aggressionen.

Ulrikes Krankheit ist längst wesentlicher Teil von Laras Alltag geworden. Die Tochter bemüht sich, für ihre Mutter da zu sein, sie bei ihrer Traurigkeit zu trösten. Jetzt, wo sie selbst in der Pubertät ist, fühlt sie sich aber hin und her gerissen zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Verpflichtungen gegenüber der Mutter. Manchmal ist sie einfach wütend darüber, dass sich immer alles nur um ihre Mutter und deren Befindlichkeit dreht. Erst in der letzten Zeit hat Laras Vater erkannt, wie unglücklich seine Tochter ist, und sich überlegt, wie er sie mehr unterstützen könnte.

Vater opfert Job für seine Tochter

Seit kurzem besucht Lara eine Maltherapie, die ihr hilft. Als der Vater ein dort entstandenes Bild sieht, dass Lara mit aufgeschnittenen Pulsadern zeigt, weiß er, dass es so nicht weitergehen kann. Er hat inzwischen seinen Job als Spediteur aufgegeben und arbeitet jetzt halbtags in einem Supermarkt. So kann er sich mehr um seine Tochter kümmern und mit ihr Ausflüge und Aktivitäten durchführen, jenseits von den Sorgen um Ulrike. Die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater hilft Lara ungemein.

Frederike übernimmt die Rolle der Mutter

Ein ähnliches Schicksal teilt Frederike (14) mit Lara. Sie war neun Jahre alt, als ihre Mutter Claudia an Depression erkrankte. Für das merkwürdige, abweisende Benehmen ihrer Mutter machte sie sich zunächst selbst verantwortlich. Die Schuldgefühle und die selbstauferlegte Verantwortung für die beiden jüngeren Brüder Niklas (12) und Moritz (10) und die kranke Mutter bedrückten sie so sehr, dass sie die Schule vernachlässigte und sich immer mehr in sich zurückzog.

Durch eine Gesprächstherapie hat sie gelernt, mit der Krankheit der Mutter besser umzugehen und Schuldgefühle zu vermeiden. Nur ihre Neigung, die Verantwortung für alles und jeden zu übernehmen und dabei schon in jungen Jahren immer wieder in die Mutterrolle zu schlüpfen, hat sie noch nicht ganz ablegen können. Zudem gibt es immer noch Augenblicke, in denen sie fassungslos ist angesichts des abwesenden Verhaltens der Mutter: Obwohl sie sich der gesundheitlichen Ursachen bewusst ist, versteht sie in diesen Momenten dann einfach nicht, warum ihre Mutter auf keine Frage antwortet und nicht einmal in der Lage ist, etwas in den Mülleimer zu werfen.

Auch hier werden Familienausflüge und Urlaube vom Vater und den Kindern inzwischen ohne die Mutter geplant - umso schöner ist es jedoch, wenn Claudia mal in guter Verfassung ist und dabei sein kann.

Die Väter kämpfen für ihre Kinder

Haertel und Momirovic zeigen sich auf der ZDF-Internetseite voller Bewunderung für Christoph und Rolf, die beiden Väter der betroffenen Familie, die sich aufopferungsvoll um ihre Kinder kümmern. Sie sorgen dafür, dass die Kinder und ihre Bedürfnisse trotz der Krankheit der Mütter nicht zu kurz kommen und sie sich wenigstens an ein verlässliches Elternteil wenden können.

Lara, Frederike, Niklas und Moritz zeigen in dem Film, wie stark Kinder sein können, wenn man ihnen die richtige Unterstützung gibt. Die beiden Familien haben für ihre Kinder rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen und achten darauf, dass die Krankheit der Mutter sie nicht zu sehr belastet und sie genügend Kraft für ihren weiteren eigenen Weg haben.

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