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Lungenentzündung: Hirnabszesse kosten Jungen fast das Leben

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Rätselhafter Patient  

Nach Lungenentzündung kosten Hirnabszesse einem Jungen (4) fast das Leben

26.03.2013, 11:45 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Lungenentzündung: Hirnabszesse kosten Jungen fast das Leben. Etwa jeder zehnte Hirnabszess entsteht nach einer Lungenentzündung. (Quelle: JAMA Neurology)

Etwa jeder zehnte Hirnabszess entsteht nach einer Lungenentzündung. (Quelle: JAMA Neurology)

Ein Vierjähriger leidet an einer hartnäckigen Lungenentzündung. Im Krankenhaus bekommt er Antibiotika-Infusionen. Nach seiner Entlassung eskaliert die Situation: Der Junge spricht nicht mehr, verdreht die Augen, hat einen epileptischen Anfall. Sein Zustand wird lebensbedrohlich.

Es begann mit einer Routinebehandlung

Als der kleine Junge plötzlich krank wird, sieht alles nach einer Routinebehandlung aus: Der Vierjährige hat eine Lungenentzündung, stellt der Kinderarzt fest, deswegen verschreibt er ihm ein Antibiotikum. Doch das Fieber sinkt nicht, das Kind hustet weiter, es geht ihm schlecht. Der Kinderarzt weist es ins Nationwide Children's Hospital in Columbus (US-Bundesstaat Ohio) ein.

Die Mediziner dort machen Computertomografie-Aufnahmen von den Lungen des Kindes und stellen fest, dass sich Eiter in einem der linken Lungenlappen angesammelt hat. Die Ärzte müssen dieses sogenannte Empyem entleeren und legen von außen einen Schlauch durch den Brustkorb in die Lunge des Vierjährigen. Außerdem bekommt er die Antibiotika nun als Infusionen über die Vene.

Hirnabszesse lösen epileptische Anfälle aus

Eine Woche später glauben die Ärzte, das Kind sei wieder gesund. Sie ziehen den Drainageschlauch aus dem Brustkorb und entlassen es nach Hause. Dort geht es dem Jungen aber plötzlich schlechter als zuvor. Er reagiert nicht richtig, wenn seine Eltern ihn ansprechen, seine Augen verdrehen sich, und er spricht nicht mehr. Notfallmäßig wird er wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Als die Radiologen dort eine Computertomografie (CT) vom Kopf machen wollen, bekommt er plötzlich einen generalisierten epileptischen Anfall.

Als der Krampfanfall vorbei ist, können die Ärzte die Schädel-CT-Bilder machen. Die Aufnahmen sind erschreckend. Im vorderen linken Teil des Gehirns liegen drei ringförmige Strukturen, die dort nicht hingehören - es handelt sich vermutlich um verkapselten Eiter. Kernspin-Bilder (MRT) mit und ohne Kontrastmittel bestätigen die Befürchtung: Das Kind hat Hirnabszesse, die das umliegende Hirngewebe verdrängen und anschwellen lassen. Auch der Schädelknochen ist bereits an mehreren Stellen betroffen.

Die Ursache für die Abszesse ist aller Wahrscheinlichkeit nach die schwere Lungenentzündung des Kindes. Seth DeVries, der über seinen besonderen Patienten jetzt in der Fachzeitschrift "Jama Neurology" berichtet, schreibt, dass bis zu jeder zehnte Hirnabszess nach einer Lungenentzündung entsteht.

Lebensbedrohliche Situation: Operation ist unumgänglich

Das Kind ist nun ein absoluter Notfall, sein Zustand ist lebensbedrohlich: Weil die Abszesse Raum fordern, kann der Hirndruck schnell so stark steigen, dass lebenswichtige Abschnitte des Gehirns - wie etwa der Hirnstamm - einklemmen könnten. Die Ärzte haben keine andere Wahl: Sie müssen den Jungen sofort operieren.

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Die Neurochirurgen öffnen seine Schädeldecke und entfernen den Eiter. Auch die Abszesswände müssen entfernt werden. Die Operation ist erfolgreich, es gibt keine Komplikationen. Auch bei einer Kontrolluntersuchung sechs Monate später geht es dem Jungen gut, neurologische Probleme hat er nicht. Ob das so bleibt, ist allerdings nicht garantiert. Nach einer neurochirurgischen Operation drohen aufgrund der Narbenbildung vor allem epileptische Anfälle - und die können auch noch Jahre später auftreten.

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