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Masern-Impfpflicht bei "Stern TV": Michas Tod wird zum Plädoyer

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"Stern TV"  

"Leute, impft, impft!" Michas Tod wird zum Plädoyer für die Impfpflicht

19.09.2013, 12:41 Uhr | rev, t-online.de

Masern-Impfpflicht bei "Stern TV": Michas Tod wird zum Plädoyer. Impflücken bei Masern können tödliche Folgen haben. Ist eine Impfpflicht der richtige Weg? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Impflücken bei Masern können tödliche Folgen haben. Ist eine Impfpflicht der richtige Weg? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Aktuellen Studien zufolge sind in Deutschland nur 37 Prozent aller Kleinkinder ausreichend gegen Masern geimpft. "Eine Vernachlässigung, die nicht nur den qualvollen Tod der eigenen Kinder bedeuten kann", beklagt "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka und leitet damit einen Beitrag seiner Sendung ein: Es ist der Fall von Micha, der mit nur 14 Jahren an einer Gehirnentzündung stirbt - ausgelöst durch Masernviren. Ein trauriges Schicksal, das in der Sendung vor allem als Hauptargument für die Impfpflicht dient.

"Man musste sich damit abfinden, dass er irgendwann mal geht", sagt Bruder Felix in der Reportage von "Stern TV". Es ist bemerkenswert, dass Familie Giesbrecht zwar um den verstorbenen Sohn trauert, doch nicht in Zorn zurückblickt, sich tatsächlich damit "abfindet", dass ihr Kind zur falschen Zeit am falschen Ort war. Denn der Tod von Micha hätte verhindert werden können. Er starb, weil ein anderes Kind nicht geimpft war.

Im Wartezimmer mit Masern angesteckt

Menschen, die nicht gegen Masern geimpft sind, können andere Menschen mit dem gefährlichen Virus anstecken. Für Oxana und Peter Giesbrecht wird genau das zur Tragödie ihres Lebens: Als sie ihren kleinen Sohn Micha selbst impfen lassen wollen, befindet sich ebenfalls ein älteres Kind mit Grippe im Wartezimmer des Kinderarztes. Was zu dieser Zeit noch keiner wusste: Dieses Kind ist bereits mit Masern infiziert. Die Krankheit ist längst ansteckend - und Micha wird angesteckt. Masernimpfungen können nicht direkt nach der Geburt durchgeführt werden, weshalb der damals fünf Monate alte Micha zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht geimpft war.

Impfungen retten Leben

Der kleine Micha stirbt nach Jahren an den Folgen einer Masern-Erkrankung.

Der kleine Micha stirbt nach Jahren an den Folgen einer Masern-Erkrankung.


Diagnose SSPE: Micha wird sterben

Zunächst sieht es so aus, als hätte Micha die Masern ohne Komplikationen überstanden. Fünf Jahre später bemerken seine Eltern eine Veränderung im Verhalten des Jungen, in seiner Entwicklung. Micha benimmt sich ungewöhnlich aggressiv, dann wird er zunehmend apathisch. Es folgen Krampfanfälle, der Verlust der Motorik und schließlich die schreckliche Diagnose: Micha ist an einer Gehirnentzündung erkrankt, die durch Masernviren ausgelöst wird: SSPE, subakute sklerosierende Panenzephalitis. Neue Untersuchungen haben herausgefunden, dass das Risiko an SSPE zu erkranken bei eins zu 3300 bei Maserninfektion in den ersten fünf Lebensjahren liegt.

Das chronische Leiden, bei dem Gehirnzellen zerstört werden, endet immer tödlich. Michas Eltern sind machtlos. Genauso Felix, der mit Micha immer unzertrennlich war und sich fortan rührend um seinen schwerbehinderten Bruder kümmert.

Mutter appelliert: "Leute, impft, impft!"

Im Juni 2013 ist Micha neun Jahre nach der SSPE-Diagnose im Alter von 14 Jahren gestorben. Im Laufe seines kurzen Lebens hatte Micha immer weiter abgebaut, konnte nicht mehr laufen oder sprechen und fiel schließlich für Monate in eine Art Wachkoma, bevor er friedlich in den Armen seines Vaters verstarb.

Trotz Ruhe und Halt, den Familie Giesbrecht in einer kirchlichen Gemeinde gefunden hat, beschäftigt es sie weiterhin, wie leicht ihr Leben hätte anders verlaufen können: "Wenn ich mir vorstelle, dass eine Impfung Michas Tod hätte verhindern können, dann denke ich nur: Leute, impft, impft!", appelliert Oxana Giesbrecht.

Schulleiter: Jeder muss die Impfentscheidung für sich treffen

Das Schicksal von Micha sowie 1600 Masernfälle hierzulande allein in diesem Jahr - zehn Mal mehr als 2012 - warfen in den letzten Monaten die naheliegende Frage auf: Braucht Deutschland die Impfpflicht für Masern? Matthias Nantke, Schulleiter der Waldorfschule Erftstadt, wo zuletzt vermehrt Masernfälle auftraten, verneint das: "Wir als Schule sind der Meinung, dass Impfen eine individuelle Entscheidung ist." Nantkes Ansicht nach sollten Eltern sich zunächst gut von einem Arzt beraten lassen, abwägen und sich dann bewusst für eine Impfung oder - entgegen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission - dagegen entscheiden.

Masernimpfung: persönliche Sache oder gesellschaftliche Verpflichtung?

Aber ist die Masernimpfung wirklich eine individuelle Angelegenheit oder ist sie nicht eine gesellschaftliche Verpflichtung? Der Fall Micha legt das nahe. "Natürlich ist das Impfen sehr persönlich, aber es ist auch die Übernahme von Verantwortung für andere, gerade bei Masern", erwidert Michas Mutter, die sich einst für das Impfen ihres Kindes entschied, aber dann ihren Sohn verlor, weil andere Eltern anders handelten.

Unterstützung erhält sie von Gesundheitsminister Daniel Bahr und Kinder- und Jugendarzt Martin Terhardt. Weil man mit einer Impfung nicht nur sein eigenes Kind schütze, sondern auch die Kinder anderer, müsse Impfen als "soziale Aktion" betrachtet werden, erläutert Terhardt. Bahr stimmt dem zu: "Impfen ist ein Stück Eigenverantwortung und Solidarität. Eltern, die nicht impfen, gefährden die Gesundheit anderer."

Deutliche Mehrheit spricht sich für die Impfpflicht aus

Beim Thema Impfpflicht wird Bahr jedoch vorsichtig: "Aber wie reagiert man, wenn Eltern trotz Impfpflicht nicht impfen wollen? Nimmt man ihnen dann die Kinder weg?"

Dabei zeigt eine Umfrage im Elternressort von t-online.de, dass die Impfpflicht auf große Zustimmung stößt: "Halten Sie eine staatlich angeordnete Impfpflicht für angebracht?" lautete die Frage, die von 71,4 Prozent der 3337 Abstimmungsteilnehmer bejaht wurde. Für nur 27,4 Prozent ginge die Impfpflicht zu weit, 1,2 Prozent hat dazu keine Meinung.

Minister Bahr setzt bei Masern auf gesundheitliche Aufklärung

Doch statt die Impfpflicht zu fordern, setzt der Gesundheitsminister zunächst auf gesellschaftliche Aufklärung, die auch ältere Menschen betreffen muss. "Wir wollen, dass alle Leute mal in ihren Impfpass schauen", sagt Bahr und betont, dass sich 80 Prozent der Menschen in Deutschland inzwischen bewusst sind, wie gefährlich Masern sind. Laut Bahr entstehe gerade ein Gefahrenbewusstsein in der Gesellschaft.

Einseitige Darstellung: Impfkritiker werden ignoriert

Auch Steffen Hallaschka ist zuversichtlich: "Ich bin mir sicher, dass Michas Tod einiges bewegen wird." Damit schließt der Moderator eine Sendung, die wenig Verständnis für Menschen übrig lässt, die sich gegen das Impfen entscheiden. Impfgegner kamen hier nicht zu Wort, Impfrisiken oder Impfschäden wurden nicht thematisiert.

Viel scheint auf den ersten Blick für ein lückenloses Impfen gegen Masern zu sprechen. Doch verdient eine so hartnäckig geführte Debatte, die seit Jahrzehnten die Lager spaltet, nicht, dass verschiedene Standpunkte angehört werden, neben dem Pro auch das Contra beleuchtet wird? Die Chance in der Sendung Argumente von Impfgegnern zu betrachten und gegebenenfalls auch medizinisch zu widerlegen, blieb ungenutzt. Stattdessen muss vor allem das tragische Schicksal von Micha und seiner Familie als Impfplädoyer herhalten.

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