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"Stern TV": Organspende hilft Eltern bei Trauerbewältigung

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Organspende-Special

Organspende hilft Eltern bei Trauerbewältigung  

"Amelies Seele ist sowieso in unseren Herzen"

24.04.2014, 08:46 Uhr | tze, t-online.de

"Stern TV": Organspende hilft Eltern bei Trauerbewältigung. In Deutschland fiel die Organspendebereitschaft zuletzt auf einen neuen Tiefpunkt. Dabei rettet Organspende Leben. (Quelle: dpa)

In Deutschland fiel die Organspendebereitschaft zuletzt auf einen neuen Tiefpunkt. Dabei rettet Organspende Leben. (Quelle: dpa)

Nur zweieinhalb Wochen Lebenszeit blieben der zwölfjährigen Amelie nach einer Hirntumor-Diagnose. Und nur drei Sekunden brauchten ihre Eltern, um nach ihrem Tod einer Organspende zuzustimmen. Dieser Fall aus der gestrigen Ausgabe von "Stern TV" rief in Erinnerung, was im letzten Jahr durch Skandale überlagert war: Organspende rettet Leben.

2013 erreichte die ohnehin niedrige Organspendebereitschaft der Deutschen einen Tiefpunkt: Es gab nur 876 Organtransplantationen. 2007 lag dieses Zahl schon mal bei über 1300. Manipulationen bei der Vergabe von Spenderlebern, die an einigen Universitätskliniken aufgedeckt wurden, haben zu dieser negativen Entwicklung beigetragen. Das hat viele Menschen daran zweifeln zu lassen, im Falle eines Hirntods ihre eigenen Organe zu spenden oder die Zustimmung zu erteilen, wenn ein Angehöriger betroffen ist.

Die Leidtragenden sind rund 12.000 schwer kranke Erwachsene und Kinder in Deutschland, die auf eine lebensrettende Transplantation warten.

UMFRAGE - ORGANSPENDE
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Betroffene Mutter: Entscheidung aus Bauchgefühl

Amelies Eltern Irmhild und Reinhold Langen bekennen bei "Stern TV", sich vor der Erkrankung ihrer jüngsten Tochter nie mit dem Thema Organspende befasst zu haben. Dennoch konnten sie trotz Schmerz und Trauer schnell eine klare Entscheidung treffen, als sie mit der Situation konfrontiert waren. "Das war Bauchgefühl", sagt die Mutter. "Ich wusste, dass es richtig ist und habe das noch keinen Augenblick bereut." Auch für Vater Reinhold gab es keinen Zweifel.

Schockdiagnose Hirntumor

Aus heiterem Himmel war die schreckliche Diagnose über die Familie hereingebrochen. Als das zwölfjährige Mädchen erstmals über starke Kopfschmerzen klagt und sich schlapp fühlt, hat es schon einen tennisballgroßen, aggressiven Tumor im Gehirn. Es gibt keine Chance auf Heilung. Eine unerträgliche Gewissheit für die Eltern.

Rasant verschlechtert sich Amelies Zustand. Sie muss in die Klinik, bekommt starke Schmerzmittel. Schließlich verursacht der riesige Tumor eine Hirnschwellung, die die Durchblutung abschnürt. Das Mädchen verliert das Bewusstsein. Ärzte stellen den Hirntod fest.

Hirntod ist für Angehörige schwer begreifbar

In dem TV-Beitrag beschreibt Irmhild Langen den Zustand, der es für alle Betroffenen so schwierig macht, den Hirntod eines Menschen zu begreifen: "Sie wirkte für mich so lebendig." Der Körper sieht vertraut aus, atmet und fühlt sich warm an - aber nur weil Maschinen das Herz-Kreislauf-System aufrecht erhalten. Doch das Gehirn ist tot, sendet keine Impulse mehr, das Sterben ist unumkehrbar.

Zwei Ärzte müssen den Hirntod unabhängig voneinander feststellen. "Das ist in Deutschland ganz klar geregelt, es gibt ein mehrstufiges Untersuchungsverfahren", betont Melanie Henkel von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bei "Stern TV".

In dieser Extremsituation stellt sich für Angehörige die Frage, ob sie einer Organspende zustimmen, falls der Verstorbene seinen Willen nicht dokumentiert hat. Da Kinder erst ab 14 Jahren einen Organspendeausweis ausfüllen dürfen, liegt die Entscheidung bis dahin bei den Eltern. Viele sind damit überfordert. Im neuen Transplantationsgesetz ist verankert, dass es in jeder Klinik einen Transplantationsbeauftragten der DSO geben soll, der Angehörige informiert und betreut. 

Das sollten sich betroffene Eltern überlegen

Sandy Sollan, die nach dem Unfalltod ihres kleinen Sohnes eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern gegründet hat und sich für Organspende engagiert, hat einen guten Rat für Betroffene: "Das Wichtigste ist, sorgfältig in sich hineinzuhorchen. Man sollte sich fragen, wie kann es sich anfühlen, wenn ein anderes Kind mit den Organen meines Kindes weiterlebt. Kann ich das ertragen?"

Angehörige definieren das Ausmaß der Organspende

Im Gespräch mit Moderator Steffen Hallaschka vertieft Irmhild Langen ihre Einstellung zur Organspende: Statt die Organe dem körperlichen Zerfall nach dem Tod zu überlassen, sei es besser, damit anderen Menschen das Leben zu retten. "Alles, was Amelie ausgemacht hat, ihre Seele, ist sowieso in unserem Herzen." Wer einen Organspendeausweis ausfüllt oder diese Entscheidung über ein Familienmitglied treffen muss, kann festlegen, ob die Freigabe für alle Organe und Gewebe gilt, oder bestimmte Organe ausgeschlossen sind. Zum transplantierfähigen Gewebe zählt beispielsweise die Hornhaut der Augen.

Da spürte Vater Reinhold Langen seine emotionale Grenze bei der grundsätzlichen Bereitschaft, die Organe seines Kindes zu spenden. Ein Eingriff im Gesicht seiner Tochter wäre ihm zu weit gegangen, sagt er.

Schmerzhaftes Loslassen

Amelies Eltern und Geschwistern blieb nach ihrer Entscheidung für die Organspende noch ein Tag Zeit, um am Klinikbett Abschied zu nehmen. Das geliebte Kind loszulassen, ist für alle Eltern schier unerträglich.

Irmhild Langen erzählt bei "Stern TV" von ihrem Bedürfnis, den Körper ihrer Tochter zu berühren, ihr bis zuletzt nahe zu sein. "Ich habe sie regelrecht in mich aufgenommen."

Tröstender Gedanke: Das Leben anderer Kinder gerettet

Viele Eltern, die ein Kind verloren und sich für Organspende entschieden haben, finden Trost in dem Wissen, dass andere Kinder damit weiterleben können. Im Fall von Amelie bekamen sogar vier Menschen ein lebensrettendes Organ transplantiert.

Persönlicher Kontakt zwischen dem Organempfänger und der Familie des Organspenders ist zwar aus rechtlichen Gründen nicht möglich, aber die DSO kann einen anonymisierten Austausch vermitteln. Auf diesem Weg haben Amelies Eltern erfahren, dass es dem vierjährigen Jungen, der ihr Herz bekommen hat, ein Jahr nach der Transplantation gut geht. "Er kann normal leben und herumtollen. Das freut mich einfach", sagt die Mutter, die dadurch den Tod ihrer Tochter besser verkraften kann.

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