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Essstörungen: Frühkindliche Anorexie lässt Eltern verzweifeln

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Frühkindliche Anorexie  

Kind, jetzt iss doch endlich! Wenn Kleinkinder die Nahrung verweigern

14.07.2014, 13:01 Uhr | Simone Blass, t-online.de

Essstörungen: Frühkindliche Anorexie lässt Eltern verzweifeln. Essstörungen: Bei frühkindlicher Anorexie sind oft Hunger- und Sättigungsgefühl nicht richtig ausgeprägt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei frühkindlicher Anorexie sind Hunger- und Sättigungsgefühl nicht richtig ausgeprägt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Vor einem gedeckten Tisch ist noch kein gesundes Kind verhungert", so lautet die landläufige Meinung. Und doch gibt es kleine Kinder, die nicht essen wollen, sich höchstens häppchenweise ernähren und sich nicht beeindrucken lassen von all dem, was ihre Eltern veranstalten, um sie zum Essen zu bewegen. Die Rede ist hier nicht von den üblichen Machtkämpfen am Esstisch, sondern von Kindern, die unter frühkindlicher Anorexie leiden, einer seltenen Form von Fütterstörungen.

Probleme mit dem Essen sind einer der häufigsten Gründe, warum Eltern mit Kleinkindern den Kinderarzt aufsuchen. Manche sind wählerisch oder machen gerade einen Infekt durch, aber drei bis vier Prozent aller Babys- und Kleinkinder haben tatsächlich eine Essstörung. Weil Kinder in diesem Alter noch nicht selbstständig essen können, spricht man von einer Fütterstörung.

Nicht zu verwechseln mit Magersucht

Oft werden Säuglinge nach Packungsanweisung gefüttert und nicht nach Bedarf. Das ist ein möglicher Grund für eine Fütterstörung. Negativ kann sich auch ein gestörtes Essverhalten der Eltern auswirken, zum Beispiel, wenn das Kind die Mutter so gut wie nie beim Essen beobachten kann.

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Verweigert ein Kind schon früh in seiner Entwicklung fast komplett die Nahrungsaufnahme, dann handelt es sich um die sogenannte infantile Anorexie. Das hat allerdings nichts mit der Magersucht zu tun, in der Fachsprache Anorexia nervosa. Im Gegensatz zu dieser Essstörung bekämpfen die von frühkindlicher Anorexie betroffenen Kinder ihren Hunger nicht. Sie nehmen ihn gar nicht wahr. Ein ganz entscheidender Unterschied.

Die Nahrungsverweigerung ist in der Regel weder auf eine körperliche Erkrankung noch auf eine negative Erfahrung zurückzuführen. "Vernachlässigte Kinder zum Beispiel horten das Essen eher, stürzen sich regelrecht darauf", sagt der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fegeler. "Kinder, die gar nicht essen wollen, sind die absolute Ausnahme." Er rät Eltern, den Kinderarzt aufzusuchen, wenn ihnen etwas komisch vorkommt.

Verhungert unser Kind?

Das Desinteresse am Essen scheint von Anfang an zu bestehen. Diese Babys lassen sich beim Stillen oder Fläschchengeben leicht ablenken und sind schnell satt. Die geringe Nahrungsaufnahme bedingt eine chronische Mangelernährung, die Kinder sind kleiner als es für ihr Alter normal wäre.

Das bewährte Prinzip "die Eltern entscheiden, was die Kinder essen und sie entscheiden, wie viel davon" funktioniert in diesen Fällen nicht. Das bringt die Eltern in eine sehr schwierigen Situation, denn eigentlich ist Füttern und Essen ein ganz natürlicher Vorgang, genau wie Atmen und Fortbewegen. Doch die Angst, das Kind könnte Mangelerscheinungen davontragen oder verhungern, führt leicht zu falscher Ernährungsweise: Betroffene Eltern bieten beispielsweis zu jeder Mahlzeit verschiedene Gänge an, ganz egal, was, Hauptsache, ein paar hochkalorische Bissen wandern in den Mund des Kindes.

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Ernährung per Sonde belastet die Bindung

Manche Kinder steigern sich so in die Nahrungsverweigerung hinein, dass Kinderärzte sich gezwungen fühlen, auf Sondenernährung umzustellen. "Es folgen intensive Kämpfe, wenn die Sonden von den Eltern wieder eingeführt werden müssen", schreibt die Professorin Irene Chatoor in ihrem Buch "Fütterstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern". Die Inhaberin des Lehrstuhls für Psychiatrie und Pädiatrie an der George Washington University hat das Phänomen der Infantilen Anorexie in den 80er Jahren erstmals beschrieben und früh davor gewarnt, dass durch die Sondenernährung das natürliche Hungergefühl des Kindes total gestört und die Bindungsbeziehung stark belastet wird.

Eltern sind Schuldzuweisungen ausgesetzt

Eltern geraten zusätzlich durch Kritik und gutgemeinte Ratschläge unter Druck. Da ist von Machtspielchen der Kinder die Rede, gegen die man sich durchsetzen müsse. Den Eltern die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist zu einfach. "Wir wissen aus Erfahrung, dass weder die Eltern noch das Kind etwas falsch machen, sondern das Kind bereits etwas mitbringt", erklärt Margret Ziegler, ärztliche Leiterin des Bereichs Frühe Entwicklung und Kommunikation am Kinderzentrum München. "Diese Kinder sind einfach sehr schnell satt, haben wenig Interesse am Essen und scheinen Hunger und Sättigung kaum zu spüren."

Therapie für gesundes Körpergefühl und Essverhalten

Um schlimme Folgen zu vermeiden, ist eine frühzeitige Therapie wichtig, die sowohl die Eltern als auch die Kinder einbezieht. Man beobachtet die Interaktion rund ums Essen und die Gefühle, die durch die Nahrungsverweigerung entstehen. Manche Kliniken nutzen moderne Kommunikationsmöglichkeiten, um das Geschehen zuhause am Esstisch genau analysieren zu können. So bekommen sie deutlich mehr Information als im Klinikrahmen.

Die Eltern werden angeleitet, das Kind immer im Abstand von etwa vier Stunden zu füttern und auf alle Zwischenmahlzeiten wie Snacks, Milch und Saft zu verzichten. Gemeinsam werden Essenspläne und Verhaltensweisen durchgesprochen. Angeboten werden nur kleine Essensmengen, damit sich das Kind nicht überfordert fühlt. Auf Lob oder Kritik wird genauso verzichtet wie auf Hilfsmittel. Nach spätestens 30 Minuten sollte die gemeinsam eingenommene Mahlzeit beendet sein. "Das Ziel ist", so Ziegler im Gespräch mit t-online.de, "dass diese Kinder lernen, wann nicht nur der Kopf oder die Augen satt sind, sondern wann das auch für den Bauch gilt."

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