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Heike Drechsler: Eltern sollten Kinder draußen spielen lassen

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Heike Drechsler im Gespräch  

"Eltern sollten den Mut haben, die Kinder draußen spielen zu lassen"

15.09.2016, 12:26 Uhr | Claudia Staub, t-online.de

Heike Drechsler: Eltern sollten Kinder draußen spielen lassen. Heike Drechsler will Menschen in Bewegung bringen. (Quelle: dpa)

Heike Drechsler will Menschen in Bewegung bringen. (Quelle: dpa)

Heike Drechsler ist eine der bekanntesten deutschen Sportlerinnen. Zweimal gewann sie Gold bei Olympia, war Weltmeisterin und Sportlerin des Jahres. Im Gespräch mit t-online.de verrät sie, wie man es schafft, Kinder für Sport zu motivieren und welche Sportler sie in Rio besonders beeindruckt haben.

t-online.de: Verfolgen Sie noch das aktuelle Sportgeschehen? Gerade waren Olympische Spiele ...

Heike Drechsler: Ich war da! Ich liebe Olympische Spiele, diese besondere Atmosphäre. Es ist wie in einer Großfamilie, man trifft viele ehemalige Athleten.

Hat jemand Sie besonders beeindruckt?

Ja, die 3000-Meter-Hindernis-Läuferin Gesa Felicitas Krause. Die finde ich toll. Sehr sympathisch, mit zwei Füßen auf dem Boden. Sie ist deutschen Rekord gelaufen und hat trotzdem keine Medaille gewonnen. Diese Leistung ist unwahrscheinlich hoch einzuschätzen.

Auch der Lauf von Wayde van Niekerk über 400 Meter war stark. Eine tolle Lauftechnik und er hat auch noch den Weltrekord von Michael Johnson geknackt.

Von den deutschen Leichtathleten gefiel mir auch noch Malaika Mihambo, die mit einer Weite von 6,95 Metern eine Medaille knapp verpasst hat. Bei einem so großen Event wie Olympischen Spielen die persönliche Bestleistung abzuliefern ist eine tolle Leistung.

Sind Sie denn auch noch sportlich aktiv?

Sehr! Ich laufe viel. Zum Beispiel habe ich letztes Wochenende am Alsterlauf teilgenommen ...

... mit einer guten Zeit?

Ich laufe nur noch aus Genuss. Bei mir geht es nicht mehr um Zeiten. Habe ich lange genug gehabt, 25 Jahre wurde immer gemessen, das brauche ich nicht mehr.

Beruflich haben Sie aber noch mit dem Sport zu tun?

Ich arbeite im Gesundheitsmanagement der Krankenkasse Barmer GEK, vor allem bei der Kampagne "Deutschland bewegt sich", die Menschen zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung motivieren soll.

Sie sind Mutter, treffen viele Menschen. Was sagen Sie angesichts von zwei Millionen übergewichtigen Kindern? Haben Familien verlernt, einen Ausgleich zwischen Bewegung, gesunder Ernährung und Sitzen zu schaffen?

Unsere Gesellschaft und die Art, wie wir leben, hat sich drastisch verändert. Die Bequemlichkeit ist größer geworden, dazu kommt die Ablenkung durch technische Geräte, virtuelle Welten, mit denen man umgehen muss. Dennoch darf die Bewegung nicht zu kurz kommen. Was wir über Ernährung wissen, hat viel mit Bildung zu tun.

Es  fängt beim Schulbrot an und ob man als Familie noch zusammen isst. Beides ist nicht mehr selbstverständlich. Eltern haben hier eine ganz starke Vorbildfunktion. Nur wer gesundes Essen und Freude an der Bewegung vorlebt, kann es an seine Kinder weitergeben. Meinen Sohn zum Beispiel musste ich nicht extra motivieren. Alle seine Freunde haben Sport gemacht, und er war auch oft mit mir auf dem Sportplatz, konnte da seine Erfahrungen machen.

Es gibt Eltern, die sehr bewusst mit dem Thema umgehen. Aber eben auch viele, denen völlig egal ist, was die Kinder essen.

Wenn es eine Frage der Erziehung und des Aufwachsens ist, wie erreicht man die "anderen", die nicht aktiven Eltern? 

Nicht so leicht. In Deutschland gibt es das Präventionsgesetz, das vorbeugende Maßnahmen gegen Krankheiten vorsieht. Viele Krankenkassen und Firmen bieten Projekte an. Zudem gibt es bewegungsfreundliche Kindergärten und Schulen.

Gerade über die Firmen erreicht man Menschen, die in einer Gruppe merken, hier habe ich jetzt ein Angebot, hier kann ich mich informieren, eventuell sogar während der Arbeitszeit. Die entscheidende Frage ist, wie wird es im Elternhaus gelebt? Schafft man es, dass die Kinder auch nach draußen gehen? Schulen bieten ebenfalls viele Möglichkeiten, aber sie können nicht alles abdecken. Auch das soziale Umfeld entscheidet mit.

Man kann also in vielerlei Hinsicht Signale setzen. Wie die Menschen im einzelnen das annehmen, ist eine andere Frage.

Ihr Eindruck ist aber schon, dass die Kampagnen bei den Leuten ankommen und angenommen werden?

Ja, das kann man sagen. Die Nachhaltigkeit wurde auch durch Studien überprüft. Meist ist es so: Wer eine Gruppe zum Bewegen gefunden hat, bleibt dabei. Ich mache zum Beispiel viele Laufworkshops und sehe, dass der Einstieg am schwierigsten ist.

Gut wäre es, sich täglich 30 bis 40 Minuten zu bewegen. Auch Alltagsbewegungen zählt dazu! Da kann man sich einiges einfallen lassen. In Stockholm gab es beispielsweise in einer U-Bahn-Station eine Rolltreppe und daneben eine normale Treppe. Auf dieser wurden die Stufen mit einem Ton unterlegt, so dass beim Gang nach oben eine Melodie erklang. Die "Verpackung" ist wichtig! Es muss auch nicht immer eine Belohnung sein.

Es kommt darauf an, wie man den Leuten Informationen vermittelt. Erwachsene haben eine Eigenverantwortung. Bei Kindern ist das anders. Da muss man vorleben, erziehen, Angebote machen, gemeinsam kochen.

Neben den Eltern ist die Schule der andere große Einflussfaktor auf Kinder. Stichwort Schulsport - ist der gut genug?

Es gibt Schulen, die sind vorbildlich, die erkennen den Stellenwert des Sports. Es hängt natürlich vom Lehrer ab, welche Prioritäten er setzt. Besonders Grundschüler brauchen jeden Tag Bewegung. Das ist wichtig für die Entwicklung, weil die Kinder noch wachsen. Einige Schulen arbeiten bereits mit Vereinen zusammen, damit die Schüler nachmittags Sportangebote erhalten.

Die Wichtigkeit des Sports wird aber noch nicht überall gesehen. Schul- und Gesundheitsministerien müssten enger zusammen arbeiten. Hier hat man die Chance, den Jugendlichen zu zeigen, dass Sport Spaß macht und gut tut.

Die Erkenntnis, dass Sport genauso wichtig ist, wie eine Mathestunde ist noch nicht überall angekommen. Sport nützt ja auch den anderen Fächern, fördert nicht nur die Motorik, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit und die Kreativität - kommt also der Mathestunde ebenso zu Gute.

Ältere Kinder lassen sich ja nicht mehr so leicht motivieren ...

Eigentlich müsste man das vorher machen. In der Pubertät kommen viele neue Interessen. Freunde werden wichtiger, das andere Geschlecht. In diesem Alter gehen dem Sport die meisten Kinder verloren. Ganz wichtig: von den Lehrern und den Schulen müssen altersgerechte, kreative Angebote kommen, mit spezieller Ansprache. Jugendliche sind mit dem Körper schon erwachsen, der Kopf und das Bewusstsein hinken aber noch hinterher

Wie viel sollten sich Kinder bewegen? Was wäre ein gutes Maß?

Am besten natürlich täglich. Alltagsbewegungen zählen mit, finden aber immer weniger statt. Eltern sollten den Mut haben, die Kinder draußen spielen zu lassen. Viele übervorsichtige Eltern fahren ihre Kinder in die Schule - bis in die Pubertät hinein - die haben gar keine Chance, sich zu bewegen.

Für viele Eltern muss alles sicher sein, das mündet in Überbetreuung. Kinder müssen sich aber austoben, sich bewegen. Mindestens dreimal die Woche. Am besten in einem Verein. Auch Kinder haben für ihre Gesundheit eine Verantwortung, man muss ihnen ja nicht das Gehirn abnehmen. Fördern und Fordern - diese Formel bringt es gut auf den Punkt.

Müsste die Politik mehr unterstützen?

Sport hat noch zu wenig Lobby. Ich finde, auch die Kultusministerien müssten sich inhaltlich mit dem Thema Sport beschäftigen, nicht nur die Gesundheitsministerien. Es gibt bereits tolle Projekte, aber noch nicht genug.

Wenn man es richtig machen will, müsste man auch über Ernährung sprechen. Wenn man einkaufen geht, hat man inzwischen kaum Chancen, dem Zucker zu entkommen. Gerade die Ernährungsindustrie hat aber eine starke Lobby. Da ist die Politik schon gefordert. Ein schwieriges, komplexes Thema!

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