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Buchtipp "Make Love": das umstrittene Aufklärungsbuch für Jugendliche

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Buchtipp  

"Make Love" - das umstrittene Aufklärungsbuch

19.07.2012, 13:06 Uhr | mmh, t-online.de

Buchtipp "Make Love": das umstrittene Aufklärungsbuch für Jugendliche . Viel Aufregung um Aufklärung: "Make Love", das etwas andere Aufklärungsbuch.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Verlag Rogner & Bernhard)

Viel Aufregung um Aufklärung: "Make Love", das etwas andere Aufklärungsbuch. (Quelle: Verlag Rogner & Bernhard/Thinkstock by Getty-Images)

"Hoffentlich hat mich keiner gesehen!" Mit hochrotem Kopf klappe ich das Buch mit den Nacktfotos schnell wieder zu und stelle es ins Regal zurück. Ein Porno ist ja nichts dagegen. Und das soll das beste Aufklärungsbuch aller Zeiten sein? Wollen Kids das überhaupt sehen und lesen? Ich will es wissen: "Make Love" im Familientest.

"Make Love" - Porno oder bestes Aufklärungsbuch?

Ratlosigkeit, das ist meine erste Reaktion, die auch lange Zeit bleibt. Es ist anders, ja, so könnte ich mein Fazit formulieren. Aber das ist kein Wunder, denn das letzte Aufklärungsbuch, das ich gekauft habe, war "Peter, Ida und Minimum", sozusagen die Einsteiger-Version in dieses Buch-Segment. Dieses neue Buch ist ein Aufreger, von "Weltbild" sogar aus dem Sortiment verbannt. Von den einen als verkappter Porno gehandelt, von den anderen als das beste Aufklärungsbuch aller Zeiten - im Buchhandel längst ein Bestseller. Das Buch gibt sicherlich zukünftigen Aufklärungsbüchern für Jugendliche eine neue Richtung.

Das Buch spricht Klartext

"Make Love" richtet sich an Jugendliche und ist sicherlich nicht das Buch, das sich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern ansehen wollen, wenn sie mal “miteinander reden wollen”. Offen, ungeschönt, freizügig, realistisch, unromantisch - Klartext! Wer Bescheid weiß, hat mehr Spaß, das ist eine der Grundüberzeugungen der Autorinnen. Wer Bescheid weiß, ist entspannter. Die Autorinnen wissen, wovon sie schreiben: Ann-Marlene Henning ist Psychotherapeutin und bietet in ihrer Praxis in Hamburg-Eppendorf Paar- und Sexualtherapien an. Tina Bremer-Olszewski ist Journalistin und sammelte Erfahrungen in der ehrenamtlichen Jugendarbeit.

“Make Love” ist für relativ reife Jugendliche gemacht, das trägt wohl auch dem Rechnung, dass Jugendliche immer älter sind bei ihrem ersten Mal, etwa 17 Jahre. Es zeigt viel und es spricht vieles an rund um Sexualität. In der Buchmitte wird der Geschlechtsverkehr in zahlreichen Fotos gezeigt, nicht von Models, sondern von "echten" Jugendlichen. Gerade deshalb wirkt es nicht pornografisch, sondern realistisch. Es biedert sich nicht an, es spricht eine angenehme Sprache, zwischen sachlich und einfühlsam.

Was sagen Eltern und Jugendliche dazu?

Und wie sehen das Jugendliche? "Die Bilder habe ich übersprungen", sagt meine 15-jährige Tochter, so deutlich will sie das gar nicht sehen. Aber sie wird mal wieder in das Buch reinblättern. Kaufen würde sie es sich nicht. Ich selbst war doch ziemlich schockiert, als ich die Bilder sah. Aber ja, das müssen die Kids wissen und auch sehen, denn auch wenn wir in der Familie mit unseren jugendlichen Kindern offen über vieles sprechen - so offen dann doch wieder nicht. Ich zeige meinem Kind ja keine Liebesstellungen.

Aber dem Kind kann es helfen, zu wissen, wie Sex abläuft, wie Sex eigentlich aussieht, wie man sich bewegt und anfasst, um sich Peinlichkeiten zu ersparen. Und zwar ohne Porno-Lügen, mit denen räumt das Buch nämlich auf. Denn statistisch gesehen hat fast jeder Jugendliche schon mal Pornos im Netz gesehen.

Ein Leitfaden für junge Paare

Es ist ein Buch, das den richtigen Moment braucht. Die Adressaten sollten schon eine gewisse Neugierde mitbringen, sie sollten es kurz vor dem ersten Mal lesen. Am besten sollten es junge Paare gemeinsam lesen.

Das Buch macht die Versprechen des Klappentexts wahr, es erklärt Jugendlichen alles Wichtige zum Thema von "Selbstbefriedigung und Küssen bis zu Blowjob und Verhütung". Es spricht dabei wesentlich stärker die Mädchen an, ermuntert "Nein" zu sagen, sich zu wehren, sich zu schützen. Es könnte noch mehr die Jungs ansprechen, vergisst sie aber auch nicht in ihrer Sorge, alles richtig machen zu wollen. Es nimmt den Druck heraus. Es weckt Neugierde, aber keinen Leichtsinn, es kann ein Leitfaden für verantwortungsvolle Sexualität und junge Partnerschaften sein - wenn es richtig verstanden wird.

Romantik, Zärtlichkeit und Porno-Lügen

"Make Love" steckt voller Möglichkeiten: Es könnte romantische Vorstellungen zerstören, es könnte Ängste nehmen, es könnte die Realität zeigen, es könnte - wie vom Verlag versprochen, den Weg zum ersten Sex ohne Scham, aber mit viel Zärtlichkeit erkunden helfen. Wie immer bei Büchern, kommt es auf den jeweiligen Geschmack an und auf die Situation.

Doch wie kommen Buch und Kind zusammen? Kein Teenager wird in die örtliche Buchhandlung gehen und die nette Buchhändlerin fragen: “Haben Sie Make Love vorrätig?” Das ist fast so peinlich wie in der einzigen Drogerie einer Kleinstadt Kondome zu kaufen. Vielleicht das Buch doch lieber als Mutter im Internet bestellen und verschämt in das Jugendzimmer legen, so wie ich das gemacht habe? Oder vom Patenonkel schenken lassen?

Dringende Empfehlung: Schulbuch für die Mittelstufe

Ich würde mir wünschen, dass das Buch Einzug in den Biologie-Unterricht hält, dass Bio-Lehrer im Aufklärungs-Unterricht der Mittelstufe den Schülern dieses Buch an die Hand geben und sie einfach mal blättern lassen, schließlich sind ja auch viele Fakten enthalten, nicht nur als Alibi für die vielen Nacktfotos. Bücher wie dieses sollten Jugendlichen zur Verfügung stehen, ihnen zugänglich sein, ob im Unterricht, Zuhause oder in Bibliotheken.

Buchtipp: Ann-Marlene Henning, Tina Bremer-Olszewski: Make Love. Verlag Rogner & Bernhard, mit Fotografien von Heji Shin.

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