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Pubertät: Privatsphäre der Kinder achten

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Pubertät  

Der elterlichen Neugier Grenzen setzen

21.07.2010, 16:40 Uhr | dpa-tmn

Pubertät: Privatsphäre der Kinder achten. Mädchen schreibt eine SMS, während die Mutter über die Schulter sieht.

SMS, Tagebuch, Mails & Co.: Wie viel Kontrolle ist erlaubt? (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Eltern können es mit ihrer Fürsorge auch übertreiben: Spätestens wenn sie in der Schublade schnüffeln oder Tagebuch lesen, ist für viele Jugendliche Schluss. Dagegen hilft nur, klar seine Grenzen abzustecken und mit den Eltern Regeln festzulegen.

Eltern sind neugierig

Papa durchforstet heimlich den SMS-Eingang auf dem Handy, und vor Mama ist keine Schreibtischschublade sicher. Wenn Eltern die Privatsachen ihrer Kinder durchsuchen, erfahren sie alles über den neuen Schwarm der Tochter oder die Lieblingscomputerspiele des Sohnes. Aber dürfen Eltern auch Tagebücher lesen, sich unter falscher Identität im Online-Chat tummeln oder bei einem Rendez-vous mit dem Auto folgen? Und wie können sich Jugendliche gegen allzu große Einmischung wehren?

"Das Postgeheimnis gilt auch für Eltern."

"Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre" stellt Beate Friese von der Telefonberatung "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal klar. "Das Postgeheimnis gilt auch für Eltern." Das Öffnen und Lesen von Briefen, Tagebüchern, E-Mails und SMS-Nachrichten sei tabu. Auch Unterlagen und Zettel auf dem Schreibtisch sollten vor neugierigen Blicken sicher sein. "In einer vertrauensvollen Umgebung braucht man keine abgeschlossenen Schubladen und Geheimfächer", sagt die Jugendberaterin.

Kommunikation ist wichtig

Dass es in vielen Familien anders läuft, weiß Friese aus Erfahrung. Bei ihr melden sich manchmal Jugendliche, die sich in ihren Zimmern regelrecht verbarrikadieren, weil sie ihren Eltern nicht mehr trauen. Die Eltern wiederum reagieren auf die Heimlichtuerei mit immer größerem Misstrauen - ein Teufelskreis. "Bevor es zur Eskalation mit aufgebrochenen Schlössern kommt, muss man miteinander reden", rät Friese. "Am besten so früh und so deutlich wie möglich."

Ein ehrliches Gespräch hilft, die Fronten zu klären und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Vielleicht hat die Mutter gar nicht das Zimmer durchwühlt, sondern nur aufgeräumt. Vielleicht hat der Vater aus purer Neugier ins E-Mail-Postfach geguckt, ohne sich der Grenzüberschreitung bewusst zu sein. "Jugendliche müssen deutlich sagen, was sie stört und was sie als Einmischung empfinden", rät Marthe Kniep vom Doktor-Sommer-Team der Jugendzeitschrift "Bravo". Eine entschiedene Abgrenzung sei wichtig, um den Eltern klar zu machen: "Ich bin kein Kind mehr und möchte manche Sachen alleine machen."

Auf Regeln einigen

Wenn dies ausgesprochen ist, könne sich die Familie gemeinsam auf bestimmte Gepflogenheiten und Regeln einigen. Etwa das Einrichten passwortgeschützter Benutzerkonten für den gemeinsamen Computer, einen Schlüssel für das Jugendzimmer oder zumindest einen Bereich, in dem fremde Augen und Hände nichts zu suchen haben. Wenn Eltern trotzdem weiter spionieren, sollten Jugendliche ruhig die Vertrauensfrage stellen, rät Kniep. Es gelte gemeinsam herauszufinden, warum die Eltern kein Vertrauen haben und worum sie sich Sorgen machen.

Eltern spionieren aus Verunsicherung

Mangelndes Vertrauen ist aber nicht nur ein Problem der Eltern, es kann auch am eigenen Verhalten liegen: Wer unzuverlässig ist oder die Eltern regelmäßig anlügt, dem wird nicht mehr jedes Wort geglaubt. Manch elterliche Ängste kann man recht simpel zerstreuen: "Einfach mal die Freunde mit nach Hause bringen oder zeigen, was genau in einem Online-Chat passiert", rät Jugendberaterin Kniep. Die meisten Eltern spionieren aus Verunsicherung, glaubt auch Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Der Psychologe rät Jugendlichen zur Transparenz: "Je mehr man den Eltern erzählt, desto weniger sind sie auf Spekulationen angewiesen."

Manche Kontrollen sind gerechtfertigt

Manchmal stellen sich die Ängste der Erziehungsberechtigten als unbegründet heraus, etwa wenn sich die vermeintlich schlechte Gesellschaft als ganz normale Jungsclique erweist. In bestimmten Fällen seien heimliche Kontrollen sogar gerechtfertigt, etwa wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind selbstmordgefährdet ist oder Drogen nimmt. "Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, dürfen Eltern auch in die Privatsphäre eingreifen - aber nur dann", sagt Gerth. In allen anderen Fällen sollten Jugendliche ihre Empörung über den Vertrauensbruch in deutliche Worte fassen. Das erfordere Mut und Geschick - schließlich seien Eltern Autoritätspersonen, die ihren Kindern auch argumentativ überlegen seien. "Am besten lässt man die erste Wut verrauchen und überlegt sich in Ruhe eine Gesprächsstrategie, vielleicht zusammen mit Freunden", empfiehlt Gerth. Ob man den Eltern mit gesammelten Beweisen für das Nachspionieren entgegentritt oder an ihr Vertrauen appelliert, hänge vom Verhältnis zueinander ab.

Beratungsstellen helfen

Wenn Eltern sich gar nicht gesprächsbereit zeigen, können Jugendliche eine Beratungsstelle aufsuchen. Familienberatern gelinge es meist, Eltern zu einem offenen Gespräch zu bewegen und mit allen gemeinsam eine Lösung zu finden. "Auseinandersetzungen sind erst einmal unangenehm, aber letztlich unvermeidlich", sagt auch "Bravo"-Beraterin Marthe Kniep. Jugendliche sollten sich dabei bloß nicht unterbuttern lassen. "Nicht das Kondom in der Handtasche ist das Problem, sondern die Tatsache, dass die Mutter in der Tasche gewühlt hat."

Rechte und Pflichten

Bloß nicht klein beigeben, findet auch Beate Friese von der "Nummer gegen Kummer": "Eine Familie ist eine Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten, an die gesetzlichen Regelungen müssen sich auch Eltern halten." Und zwar nicht nur dann, wenn die 15-jährige Tochter um 22.00 Uhr zu Hause sein muss. Sondern auch dann, wenn sie in ihr Tagebuch schreibt. Und was dort steht, geht niemanden etwas an. Auch wenn es die Mutter nur zu gern wüsste.

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