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Pubertät: Warum Teenager durchdrehen

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Pubertät  

Gehirn wegen Umbau geschlossen

28.09.2015, 10:32 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Pubertät: Warum Teenager durchdrehen. Pubertät: Was passiert im Gehirn der Jugendlichen? (Quelle: imago/Peter Widmann)

Pubertät: Was passiert im Gehirn der Jugendlichen? (Quelle: Peter Widmann/imago)

Bei Jugendlichen in der Pubertät treten Verhaltensweisen an den Tag, die Eltern bei ihrem Kind nie vermutet hätten. Fragt man ein wenig später nach, was los gewesen ist, lautet die Antwort in der Regel: Nichts! Das große "Nichts" in den Köpfen der Jugendlichen hat sogar einen Namen: präfrontaler Cortex. Das hat es damit auf sich.

Der präfrontale Cortex ist ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, an der Stirnseite des Gehirns. Neurologen wissen, dass bei einer Verletzung des Stirnhirns zwar die Intelligenz bestehen bleibt, sich aber das Verhalten beziehungsweise die Persönlichkeit in Richtung Ungehemmtheit, Aggression und Taktlosigkeit verändert. Die planende Vorausschau ist komplett ausgeschaltet. Das Gehirn von Jugendlichen ist zwar glücklicherweise nicht verletzt, aber es befindet sich im Umbau. Von vorne nach hinten wird sozusagen aufgeräumt. Und wie das so ist, wenn man mal richtig Ordnung macht: Erst einmal entsteht ein Chaos.

Es gibt einen Unterschied zwischen Pubertät und Adoleszenz

In den letzten Jahren sind Wissenschaftler aus dem neurobiologischen Bereich auf spektakuläre Erkenntnisse gestoßen und zwar dank moderner, vor allem bildgebender Untersuchungsmethoden. Doch nicht nur der Umbau des Gehirns, der bis über das zwanzigste Lebensjahr hinausgehen kann, sondern auch der Einfluss der Hormone spielt natürlich eine Rolle.

Wobei die Gründerin des "Brain and Development Laboratory", Professor Eveline Crone, in ihrem Buch "Das pubertierende Gehirn" deutlich darauf hinweist, dass man hier zwischen der Pubertät und der Adoleszenz unterscheiden muss. Denn die Pubertät ist lediglich ein Teil des Erwachsenwerdens, etwa stattfindend zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensjahr und eng zusammenhängend mit den Hormonen, deren Wirken man an äußerlichen Merkmalen festmachen kann. Nicht umsonst ist die Pubertät vom lateinischen "pubes", übersetzt Schamhaar, abzuleiten. "Das Verb 'pubertieren' wird sogar häufig als Synonym für aufmüpfiges Verhalten gebraucht. Dessen ungeachtet ist die Pubertät eine völlig normale Entwicklungsphase, ebenso wie die Kleinkind- und Kinderzeit.“

Mit Haien zu schwimmen könnte doch ganz interessant sein

Genauso normal im Rahmen dieser Entwicklungen ist es, dass Emotionen und Impulse in den Jahren zwischen zehn und zwanzig eine ziemlich große Rolle spielen. Teenager müssen sich von der Kindheit verabschieden, sich mit einem sich verändernden Körper auseinandersetzen und sich eine Rolle in der Gesellschaft suchen. Kein leichtes Unterfangen.

Pubertierende lieben riskante Situationen, versprechen diese doch einen gewissen Kick, eine Belohnung also. Und obwohl Jugendliche - theoretisch zumindest - genau wissen, was richtig und was falsch ist, behält die Aussicht auf den Kick oft die Oberhand. "Forscher kamen zu dem bemerkenswerten Schluss, dass Jugendliche, denen man riskante Szenarien präsentierte, nicht nicht darüber nachdenken. Ganz im Gegenteil, sie denken manchmal mehr als nötig darüber nach. Wobei dieses Denken allerdings nicht immer zu besseren Einsicht führt“, so die Entwicklungspsychologin.

Für die Pubertät gilt: Beziehung statt Erziehung

Wenn Kinder ganz klein sind, dann geht es in erster Linie um die Beziehung zwischen ihnen und ihrem direkten Umfeld, in den Jahren danach spielt zusätzlich die Erziehung eine Rolle. Kommt das Kind allerdings in die Teenager-Phase, dann sollte die Pflege der Beziehung wieder ganz weit in den Vordergrund rücken. Mit Strafen und Befehlen kommt man hier nicht weiter.

Stattdessen raten Fachleute dazu, verlässlich da zu sein, auch wenn es drastisch wird. Vernünftige Grenzen immer wieder neu auszuhandeln und auf ihre Einhaltung zu achten und vor allem geduldig zu sein. Sehr geduldig. Denn interessiert man sich ernsthaft für den jungen Menschen, versteht und akzeptiert man, dass das Dazugehören in diesem Alter ganz besonders wichtig ist. Fragen Eltern um Rat und versuchen, eventuelle Probleme gemeinsam zu lösen, dann haben sie die größten Chancen, hinter die Fassade blicken zu dürfen und damit eher zu verstehen, was gerade in der Tochter oder dem Sohn vorgeht.

Die Jugend von heute ist genauso wie die Jugend von damals

Seit vielen Generationen beschweren sich Erwachsene über die Jugend. Sie sei respektlos, sei von (vermeintlichen) Freunden leicht beeinflussbar, leichtsinnig und impulsiv. Das beste Beispiel sind Romeo und Julia. Jugendliche geben nun mal Versuchungen nach, machen teilweise sehr schmerzhafte Erfahrungen im sozialen Miteinander, testen Grenzen aus, klären ihr Verhältnis zur Sexualität, zu Alkohol und manchmal auch zu Drogen. Und sie unterscheiden zwischen dem, was die Eltern erfahren und dem, was sie mit Freunden besprechen. Aber, so meint der bekannte Familientherapeut und Autor Jesper Juul, man kann darauf vertrauen, dass Jugendliche diese Dinge nicht gegen die Eltern, sondern für sich machen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

In den ersten Lebensjahren wird die Basis geschaffen

"Vertrauen hat ja nichts mit der Überzeugung zu tun, dass Kinder alles tun, was ihre Eltern für richtig halten, und das unterlassen, was diese für falsch halten. Das Vertrauen, das Kinder von ihren Eltern so sehr benötigen, ist die Zuversicht, dass die Kinder ihr Bestes geben, um zu dem Menschen zu werden, der sie gern sein möchten. Und zwar auf dem Fundament, das sie gemeinsam mit ihren Eltern, dem Kindergarten, der Schule und ihrem gesamten Netzwerk errichtet haben", so Juul.

Jugendliche wollen ernst genommen werden, sie brauchen ihre Freiheiten und sie brauchen jemanden, der sich auf sie und ihre Welt einlässt. Nicht zuletzt deswegen, weil ihre Welt nicht mehr die ist, in der ihre Eltern aufgewachsen sind.

Allein die dauernd zugänglichen Medien und das Internet mit seinen Chats, Foren und seinen sozialen Netzwerken haben das Leben verändert. Die ganze Welt ist vernetzt und vielleicht auch gerade deswegen fremd für viele junge Menschen. Denn die tatsächlichen Erlebnisräume haben sich reduziert und die virtuellen Welten werden für viele Erwachsene zu einem "Wir müssen draußen bleiben".

Reizüberflutung kann zur Unsicherheit führen

Der allzu öffentliche Umgang mit den Themen Sexualität, Pornografie und Schönheitswahn bleibt nicht ohne Folgen. Der Druck, einem Ideal zu entsprechen, wird so enorm groß. Hinzu kommt, dass wir inzwischen in einer Gesellschaft leben, in der das Wort "jugendlich" eine große Rolle spielt. Selbst von Sechzigjährigen wird erwartet, dass sie möglichst jugendlich wirken. Wenn die Eltern die gleichen Klamotten tragen wie ihre Kinder, einen ähnlichen Musikgeschmack haben und am liebsten auch noch in den gleichen Cafés und Clubs verkehren - wie soll man sich dann abgrenzen? Da bleiben ja nur noch die Extreme.

Immer mal wieder die eigene Jugend Revue passieren lassen

Verlässt Ihr Teenager also mal wieder bei fünf Grad und Regen das Haus mit offenen Schuhen oder ohne Jacke, kommt er mit einem Piercing quer durch die Zunge heim oder hört Musik, die Sie nicht im Entferntesten als solche bezeichnen würden - am besten ganz schnell an früher denken. Denn bei uns war es ja nicht anders als bei unseren Kindern. Nur weil sich das Gehirn im Umbau befand, hieß das nicht, dass man es nicht benutzen konnte. Mit der richtigen Basis trifft man auch während der Renovierung letztendlich doch die richtigen Entscheidungen. Und wenn nicht, dann lernt man eben daraus.

Zuletzt kann man sich damit trösten, dass es, wie man herausgefunden hat, im Jugendalter gar nicht mehr Kämpfe zwischen Eltern und Kind gibt als sonst auch. Sie sind bloß intensiver. Und dass die Kämpfe am schlimmsten zu sein scheinen, wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Kind besonders eng ist. Dazu der amerikanische Psychologe Michael Bradley: "Wenige von uns sind sich bewusst, wie nah wir unseren Kindern wirklich sind - bis wir sie an die Pubertät verlieren.“

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