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Essverhalten: Eltern sollten einseitiges Essen tolerieren

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Nur Pommes und Nudeln: Eltern sollten einseitiges Essen tolerieren

02.11.2011, 11:52 Uhr | Nicola Menke, dpa-tmn, dpa-tmn

Essverhalten: Eltern sollten einseitiges Essen tolerieren. Essverhalten: Am liebsten jeden Tag Pommes und Würstchen. (Quelle: imago)

Viele Kinder würden am liebsten jeden Tag Pommes und Würstchen essen (Quelle: imago)

Wenn es nach den meisten Kindern geht, kann man sich prima nur von Pommes oder Nudeln ernähren. Von Eltern als gesund gepriesene Lebensmittel wie Obst und Gemüse rufen die ganze Brandbreite von Abwehrreaktionen aus. Gerade in der frühkindlichen Trotzphase gibt es mäkelige Esser, die an jeder Mahlzeit etwas auszusetzen haben. Verrückt machen müssen sich Eltern wegen dieses selektiven Essverhaltens aber nicht.

Kinder holen sich die Nährstoffe, die sie brauchen

Eine Langzeitstudie der Universität Stanford hat bewiesen, dass selbst Kindern, die stark selektiv essen, nicht das Schicksal des Suppenkaspers droht: Über kurz oder lang holten sie sich die Nährstoffe, die sie brauchen. "Nehmen wir an, man würde ihnen die Nahrungswahl überlassen und sie würden nur noch Nutella-Toast essen. Nach einer Weile hätten sie das satt und würden von alleine nach Abwechslung verlangen", erläutert Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.

Wie sich Kinder über Essverhalten Autonomie erkämpfen

Mit anzusehen, wie sich das Kind über Tage hinweg einseitig ernährt, dürfte Eltern trotz Aussicht auf Erfolg schwer fallen. Grundsätzlich ist es nicht einfach, richtig auf die Essensverweigerung zu reagieren. Wichtig zu wissen ist zunächst einmal, wodurch sie bedingt wird. "Ein Stück weit ist es eine Frage des Typs: Das eine Kind isst gerne, viel und alles - das andere ist wählerisch und isst wie ein Spatz", erklärt Gerth. Neben der Typfrage spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle. "Oft geht es beispielsweise um Autonomie", sagt Gerth. Die Nahrungsaufnahme sei etwas Persönliches, und indem sie sie verweigerten, zögen Kinder eine Grenze zwischen sich und ihren Eltern. Damit wird signalisiert: "Da redest du mir nicht rein."

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Diskussionen verschlimmern den Konflikt

Der Versuch, sich über ihren Willen hinwegzusetzen, sei besonders in der Trotzphase wenig erfolgreich, vielmehr sogar kontraproduktiv, weil er ihre Ablehnung noch verstärkt. "In vielen Fällen ist es so, dass Kinder durch Herummäkeln am Essen im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen", erklärt Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie in Göttingen. Dementsprechend verschlimmerten Eltern, die sich Tag für Tag auf Diskussionen einließen, die Situation: Denn dadurch wird das Mäkeln noch zementiert.

Schoko statt Obst: Viele Eltern sind schlechte Vorbilder

"Natürlich spielen auch die Essensgewohnheiten der Eltern eine Rolle. Schließlich haben sie Vorbildfunktion für die Kleinen", nennt Ute Alexy vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund einen weiteren Aspekt. Wer etwa als Zwischenmahlzeit selbst nie Obst und Gemüse, sondern stets Schokolade und Chips isst, brauche sich nicht zu wundern, wenn sein Kind es ihm nachtut. In umgekehrter Weise könne man sein Essverhalten aber auch positiv beeinflussen: "Zum Beispiel indem man vor ihm oder ihr die gewünschten Lebensmittel einfach mit Genuss isst."

Warum es Sinn macht, dass Kinder Unbekanntes ablehnen

"Gemüsefahrrad" (Quelle: Deutsches Obst und Gemüse)Gesundes mal kreativ als "Gemüsefahrrad" (Quelle: Deutsches Obst und Gemüse) Wichtig ist zudem die Art und Weise, in der man Kinder an Essen heranführt. "Wenn sie etwas nicht kennen, sind Kinder oft sehr skeptisch. Das ist eine ganz normale Reaktion, die evolutionsbiologisch veranlagt ist", erklärt Alexy. Klappt es beim ersten Mal nicht, sollte man daher nicht gleich aufgeben, sondern es unbedingt mehrfach versuchen. "Leider gibt es Kinder, die für die Gewöhnung an neue Lebensmittel etwas länger brauchen." Tatsächlich greift manch kindlicher Teilnehmer ernährungswissenschaftlicher Studien erst beim 18. Mal zu. Beschleunigen kann man den Prozess teils, indem man variiert - etwa Karottenbrei anbietet, wenn Karottensalat verschmäht wurde. Oder indem man das betreffende Lebensmittel fantasievoll anrichtet: Kinder tendieren nicht selten dazu, Gemüse und Obst in Tieroptik oder als lachendes Gesicht eher zu probieren als in normaler Form.

Der Killersatz: "Aber das ist gesund"

Schaffen Eltern es nicht, sie auf diese Weise zu überlisten, gibt es weitere Tricks: zum Beispiel die Kombination der ungeliebten mit geliebten Lebensmitteln - wie Gemüse mit einem Klecks Ketchup, gemeinsames Kochen oder regelmäßige Essenseinladungen an den allesessenden besten Freund. Mehr als kontraproduktiv sind hingegen Aussagen wie "Jetzt iss' schon, das ist gesund". "Auf diese Weise verknüpfen Kinder 'gesund' mit der Erfahrung 'schmeckt sowieso nicht'", erläutert Ellrott.

Zwang kann Essstörungen auslösen

Woher die ablehnende Haltung auch rührt: Bleibt ein Kind bei vielen Lebensmitteln stur, kostet das die Eltern oft Nerven. Zu etwas zwingen sollten sie es dennoch nie. "Es ist wichtig, die Freude am Essen immer zu fördern und keinen Druck auszuüben", erklärt Alexy. So sei es an den Eltern, ihren Kindern eine ausgewogene Ernährung zu bieten - was und wie viel sie essen, sollten sie aber selbst entscheiden dürfen. Denn schlimmstenfalls hat ein Essenszwang ein gestörtes Essverhalten zur Folge.

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