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Wie wichtig sind geregelte Einschlafzeiten bei Kindern?

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Schlaf  

Wie wichtig sind geregelte Einschlafzeiten bei Kindern?

20.11.2014, 07:00 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Wie wichtig sind geregelte Einschlafzeiten bei Kindern?. Ständiges Elternthema: Feste Einschlafzeiten oder Spielen bis zum Umfallen?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Feste Einschlafzeiten oder Spielen bis zum Umfallen? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schlafende Kinder sind einfach ein wunderbarer Anblick. Doch bevor die erholsame Nachtruhe eintreten kann, wird in vielen Familien allabendlich ein aufreibender Kampf um das Schlafen ausgefochten: Das Zubettgehen der Sprösslinge und die damit verbundenen "angemessenen" Uhrzeiten entwickeln sich allzu oft zu einer unendlichen Kraft- und Geduldsprobe zwischen Eltern und ihrem Nachwuchs. Doch wie wichtig sind auf dem Weg ins Bett Pünktlichkeit und feste Strukturen? Sind geregelte Einschlafzeiten überhaupt sinnvoll?

Wer nach eindeutigen, kompetenten Orientierungshilfen sucht, wird enttäuscht werden. Geht es nämlich um den kindlichen Schlaf und um "den Weg dorthin", scheiden sich hierzulande die Geister. Denn es gibt wohl kaum ein Erziehungsthema, über das so viel debattiert wird und über das so viel Uneinigkeit besteht, wie über das Schlafen. Schon allein die Flut unterschiedlichster pädagogischer, teils sehr umstrittener Ratgeber, gibt einen Eindruck davon.

Schlafprobleme werden in vielen Ratgebern diskutiert

Befragt man Eltern zu den Einschlafzeiten ihres Nachwuchses, so scheinen viele - insbesondere die Mütter und Väter von jüngeren Kindern - um Regelmäßigkeit bemüht zu sein und versuchen, dass ihre Sprösslinge bis etwa 20 Uhr im Bett einschlafen.

So erzählt Peter, dass sein fünfjähriger Sohn Max am besten abends zur Ruhe komme, wenn klare sich stets wiederholende Aktionen stattfänden: "Unser Kleiner weiß mittlerweile, was passiert und hat sich darauf eingestellt. Nach dem Abendessen und Zähneputzen kommt nämlich immer eine Runde ausgiebiges Kuscheln im Bett, dann ein Lieblingslied, das wir zusammen singen, und danach eine Wunschgeschichte, die entweder vorgelesen oder erzählt wird. Mit diesen Ritualen und dem festen Rhythmus wird unser Sohn, der eigentlich nur selten etwas stressige Verzögerungsmanöver unternimmt, meist automatisch müde und entspannt sich. Außerdem ist er am nächsten Morgen meist ausgeschlafen und nicht quengelig. Das ist für alle Beteiligten sehr angenehm."

Rituale und feste Einschlafabläufe vermitteln Sicherheit und Orientierung

Auf solche einstimmenden Rahmenprogramme schwören auch die Eltern von Ella und Jonas. Bis vor kurzem waren beide Kinder noch "Kita-Kollegen" von Max, doch nun geht Ella, die ältere der beiden Geschwister seit dem Sommer in die Schule: "Jetzt versuchen wir umso mehr abends unsere festen Zeiten einzuhalten, weil die Schule ja noch früher als der Kindergarten beginnt und weil mein Mann und ich es außerdem sehr wichtig finden, regelmäßig Muse-Stunden nur zu zweit zu verbringen", erklärt Mama Vera.

"Das Timing funktioniert eigentlich ganz gut, denn solche zuverlässigen, routinierten Einschlaf-Abläufe, die bei uns so ab 19.30 Uhr beginnen, geben den Kindern Sicherheit und Geborgenheit und leiten perfekt zum Ruhemodus über." Und weil Ella nun das große Schulkind sei, ergänzt Vera, dürfe sie meist ein bisschen länger als ihr Bruder aufbleiben und in ihrem Zimmer noch eine Viertelstunde Bücher anschauen oder eine Gute-Nacht-CD hören.

Schlaf für die Kinder - Zweisamkeit für die Eltern

Den familiären Alltagsstrukturen und dem guten Schlaf der Kinder scheinen feste Zubettgehzeiten jedenfalls gut zu tun. Das bestätigen auch unzählige Mütter und Väter, die in einschlägigen Chats und Foren von ähnlichen Erfahrungen mit zuverlässigen "Gute-Nacht-Terminen" berichten, wie die Eltern von Max, Ella und Jonas.

Studien: Unregelmäßige Zubettgehzeiten schlecht fürs Gehirn

Rechtszeitiges Einschlafen innerhalb beständiger und festgesetzter Zeitstrukturen wirkt sich offenbar auch positiv auf die "grauen Zellen" von Kindern aus. Diesen Schluss zogen Wissenschaftler aus zwei Langzeitstudien, die in den USA und in Großbritannien durchgeführt wurden. So untersuchte 2010 das amerikanische Schlafforschungsinstitut "SRI International" die Schlafgewohnheiten von 8000 Kindern jeweils im neunten Lebensmonat sowie im Alter von vier Jahren und fand dabei heraus: Kinder, die immer zur gleichen Zeit und am besten noch vor 21 Uhr ins Bett gehen sowie einer Mindestschlafdauer von zehn Stunden haben, sind Kindern mit unregelmäßigen Zubettgehzeiten in ihrer kognitiven Entwicklung insbesondere bei der Auffassungsgabe und beim Sprachvermögen überlegen.

Zu ähnlichen Resultaten kamen britische Forscher von der Universität London: Laut ihrer aktuellen Studie, die im Sommer 2013 im "Journal of Epidemiology and Community Health" veröffentlicht wurde und an der 11.000 Kinder teilnahmen, beeinträchtigen unregelmäßige, unkontrollierte und späte Zubettgehzeiten die Schulleistungen von Grundschülern. Insgesamt schienen die Kinder, die nie feste Einschlafzeiten hatten, im Vergleich zu ihren Altersgenossen besonders im Nachteil zu sein.

Expertin: Eltern sollen mehr auf ihre Intuition hören

Für die Diplompsychologin Aylin Lenbet, die sich in ihrem Buch "Lotta schläft - endlich", ebenfalls mit den Einschlafproblemen von Babys und Kleinkindern befasst, sind solche wissenschaftlichen Untersuchungen zwar aufschlussreich, doch warnt sie vor voreiligen Schlüssen: Kinder die immer spät einschlafen, seien deshalb nicht automatisch dümmer, als diejenigen, die rechtzeitiger ins Bett gingen, zumal das Schlafbedürfnis von Kindern sehr altersabhängig und individuell sei. Auf der Webseite des Arendt-Verlages schreibt sie: "Das scheint mir eine allzu technische Sichtweise auf das Kind zu sein. 'Drücke Knopf A, dann passiert B‘... In meinen Augen birgt die Studie die große Gefahr, dass Eltern sich mal wieder verunsichern lassen. Anstatt auf ihre Intuition zu hören, werden viele Eltern sich veranlasst fühlen, ihr Kind mit Nachdruck auf bestimmte Bettzeiten zu trimmen."

Strenge Zubettgehzeiten sind kein Garant für gesundes Schlafverhalten

Solche pädagogischen Dogmen, die ja auch in vielen Ratgebern propagiert würden, seien vor allem in den USA sowie in mittel- und nordeuropäischen Ländern typisch, kommentiert die Psychologin weiter. In anderen Kulturkreisen gäbe es eine solche Problematisierung des kindlichen Schlafes und allem, was damit zu tun habe, nicht. Dort wäre wahrscheinlich auch niemand auf die Idee gekommen, wissenschaftlich zu untersuchen, wie sich Einschlafzeiten auf die Leistungsfähigkeit des kindlichen Gehirns auswirken könnten.

Wissen Kinder selbst, wann sie müde sind?

Auch der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist eher skeptisch, wenn es heißt, dass nur konsequent eingehaltene Einschlafstrukturen und -zeiten ein automatischer Garant für gesundes kindliches Schlafverhalten seien. Für den Experten sind der sklavische Blick auf die Uhr und das ehrgeizige Streben nach starren Regeln nämlich eher kontraproduktiv. Er befürwortet sogar, dass Kinder eigenverantwortlich entscheiden können, wann sie müde sind und ausreichend Ruhezeiten einlegen. So pendelten sich die Schlafgewohnheiten und Schlafrhythmen mit der Zeit von alleine ein.

Kein Sklave des starren Zeitkorsetts werden!

Die Einschlafzeiten bei Kindern eher flexibel zu handhaben, empfiehlt auch Psychologin Lenbet. Väter und Mütter sollten unbedingt widerstehen, den Nachwuchs einem "Schlaf-Effizienz-Programm zu unterziehen." Sie sollten ihre Kinder vielmehr immer liebevoll bei der natürlichen Schafentwicklung begleiten und deren individuellen Bedürfnisse kennenlernen. Dazu gehöre natürlich auch eine liebevolle Zuwendung mit liebgewonnenen Ritualen und Streicheleinheiten.

Ohne feste Regeln: Einschlafen mit mediterraner Gelassenheit

Wie Zubettgehzeiten jenseits unbeweglicher Zeitrahmen in der Praxis funktionieren können, weiß die Spanierin Antonia. Sie lebt zwar selbst seit ihrer Kindheit in Deutschland, hat aber bei ihren beiden Söhnen, die heute im Teenager-Alter sind, stets die eher mediterrane Einschlafkultur gepflegt. "Unsere beiden Jungs haben eigentlich immer, auch als sie noch klein waren, selbst bestimmt, wann sie müde sind und wann sie schlafen gehen wollen. Spätes Abendessen, spätes Zubettgehen: Da kann es schon mal vorkommen, dass es nach 23 Uhr wird", erzählt Antonia. "Wir finden das nicht schlimm. Das ist nicht nur in Spanien sondern auch in den anderen südeuropäischen Ländern üblich, dass die ganze Familie samt Anhang lange zusammensitzt. Und wenn dann mal ein bisschen Schlaf fehlt, können die Kinder ja nachmittags eine kleine Siesta halten. Die holen sich schon, was sie brauchen. Wir sehen das deshalb eher locker!"

Lieber kürzer, dafür entspannter

Antonias Söhnen haben diese Schlafgepflogenheiten jedenfalls bisher nicht geschadet. Auch in der Schule seien sie "hellwach" und kämen ganz gut mit, so Mama Antonia: "Ich finde unsere Art an die Dinge heranzugehen, im Gegensatz zu den manchmal eher krampfigen Einschlafmethoden in Deutschland, sehr entspannt. Auf diese Weise gab und gibt es bei uns in puncto Schlaf nur selten Stress. Auch das trägt zur guten Nachtruhe bei - auch wenn die manchmal ein bisschen kürzer ausfallen sollte."

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