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Wie viel Kinderlärm müssen Nachbarn sich gefallen lassen?

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Kreischen, Grölen, Heulen  

So viel Kinderlärm müssen Nachbarn erdulden

17.07.2014, 13:35 Uhr | dpa

Wie viel Kinderlärm müssen Nachbarn sich gefallen lassen?. Gesetzlich wird Kinderlärm überhaupt nicht als Lärm anerkannt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gesetzlich wird Kinderlärm überhaupt nicht als Lärm anerkannt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Keine Frage: Kinder können sehr laut sein. Sie rollen mit dem Bobbycar über das Parkett, spielen grölend im Garten, und wenn nachts mal wieder Monster unter dem Bett vermutet werden, fangen sie lauthals an zu weinen. Glücklich, wer in so einer Situation entweder dicke Wände oder geduldige Nachbarn hat.

Ein Spielverbot für Kinder in der Wohnung gibt es nicht. Vor allem kleine Kinder müssen dabei auch nicht leise sein, denn "den natürlichen Spieltrieb von Kleinkindern muss man hinnehmen", erklärt Inka-Marie Storm vom Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin.

Ältere Kinder müssen mehr Rücksicht nehmen

Auch Lachen und Geschrei seien in Ordnung. "Weinende und schreiende Babys muss man hinnehmen als Mitmieter. Da ist es auch egal, wie hellhörig das Haus ist", sagt Storm.

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Je älter die Kinder werden, umso mehr müssen sie aber auf Mitbewohner Rücksicht nehmen. "Wenn Kinder mit zehn, zwölf, 14 Jahren die Wohnung mit dem Fußballplatz verwechseln, kann man einschreiten", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Dann sind die Eltern in der Pflicht. "Die Eltern müssen darauf einwirken, dass es nicht überhandnimmt", fügt Norbert Schönleber von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein in Berlin hinzu.

Babys kennen keine allgemeinen Ruhezeiten

"Von etwa 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens gelten allgemein Ruhezeiten", sagt Schönleber. Mitmieter müssen trotzdem schreiende und weinende Babys in der Nacht ertragen. Auch hier haben die Eltern natürlich dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs sich beruhigt. Haben Nachbarn den Eindruck, dass die Eltern sich nicht um ihre Kinder kümmern und diese stundenlang schreien lassen, dürfen sie einschreiten.

Auch Mieterbundsprecher Ropertz betont: "Wenn Kleinkinder und Säuglinge nachts schreien, kann man grundsätzlich nichts machen." Anders sieht das aus bei Jugendlichen. "Wenn ein 16-Jähriger sehr laut Musik hört, kann ich die Eltern ansprechen", erklärt Storm. "Der lässt sich von uns nichts sagen", sei keine Ausrede.

Es gibt keine gesetzliche Mittagsruhe

Die Nutzung von Hof und Garten sei meist in der Hausordnung geregelt, erläutert Storm. Die sei als Anlage zum Mietvertrag verbindlich. Grundsätzlich gelte: "Wenn der Hof zum Spielen einlädt, dürfen Kinder da auch spielen." Schlecht für Kinder sehe es aus, wenn der Hof etwa mit Autos zugeparkt ist. Das sei dann ein weniger geeigneter Ort zum Spielen. Nicht immer sei der Garten mitvermietet, sagt Schönleber. Er könne auch als Zier- oder Nutzfläche ausgewiesen sein, auf der dann eben nicht Fußball gespielt werden dürfe.

Beim Spielen komme es auf gegenseitige Rücksichtnahme an, meint Storm. "Wenn ich weiß, dass zum Beispiel ältere Leute im Haus wohnen, lasse ich meine Kinder eventuell in der Mittagspause in der Wohnung spielen." Eine gesetzlich vorgeschriebene Mittagspause gebe es aber nicht, ergänzt Ropertz. "Die Zeit des Mittagsschläfchens ist zumindest im städtischen Bereich vorbei", sagt auch Schönleber.

Spielplätze hingegen sind, wie die Bezeichnung schon sagt, definitiv zum Spielen da. "Bis auf die Nachtstunden ist das Spielen dort grundsätzlich erlaubt", sagt Schönleber.

Kinderlärm ist rechtlich gar kein Lärm

Der Gesetzgeber hat inzwischen festgelegt, dass Kinderlärm im gesetzlichen Sinne kein Lärm ist. Der Krach fällt demnach nicht mehr unter das Emissionsschutzgesetz.

"Das Leitbild ist: Kinder müssen sich ausleben dürfen. Sie sind sich nicht bewusst, wie laut sie sind", sagt Storm. Es gebe keine Dezibelgrenzen, sagt auch Ropertz: "Kinderlärm ist kein Dauerlärm." Deswegen sei er auch schlecht wie andere Lärmquellen zu messen.

Wenn Eltern ihre Teenager nicht in den Griff kriegen

Verlaufen Gespräche mit den Eltern ergebnislos, können Mieter an ihren Vermieter herantreten. "Wenn der nicht einschreitet, wären deutliche Mietminderungen - bis zu 20 oder 30 Prozent bei Störungen in der Nacht - berechtigt", sagt Schönleber.

Er rät bei diesem Schritt allerdings zur Vorsicht. Nicht immer teile der Vermieter die Einschätzung des Beschwerdeführers und kündige eventuell sogar die Wohnung. Wenn sich dann noch vor Gericht herausstelle, dass der Vermieter Recht hatte, verliere der Mieter sowohl den Prozess als auch die Wohnung.

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