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Teenie-Idole: Warum werden die Teenie-Stars so verehrt?

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"Justin, ich liebe dich!" Wenn Teenies für einen Star schwärmen

10.11.2011, 11:41 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Teenie-Idole: Warum werden die Teenie-Stars so verehrt?. Kreischalarm und Ekstase: Teenie-Idole gehören zur Pubertät dazu. (Foto: imago)

Kreischalarm und Ekstase: Teenie-Idole gehören zur Pubertät dazu. (Foto: imago)

Viele Erwachsene erinnern sich schmunzelnd an die Zeiten während der eigenen Pubertät, als sie für einen Star von damals schwärmten und sogar in ihn verliebt waren. Rückblickend erscheint ihnen diese Lebensphase eher als befremdend – solange bis man sie bei seinen eigenen pubertierenden Kindern wieder erlebt. Denn obwohl sich die angehimmelten Idole und der Kult um ihre Verehrung im Laufe der Jahrzehnte gewandelt haben, ist das Phänomen "Stars anzubeten" als zeitlose Erscheinung für jede Teenager-Generation typisch. Doch nehmen wir es jetzt intensiver wahr, denn noch nie haben die Medien Promis so ausgiebig zelebriert wie heute. Doch woran liegt es, dass vor allem Jugendliche die Verehrung auf die Spitze treiben und vernarrt sind in "ihre" Idole?

Abnabelung von der Kinderwelt

Kreischende Mädchen, die stundenlang vor einer Konzerthalle ausharren, um die besten Plätze vor der Bühne zu ergattern, Zimmer, die zur Wallfahrtsstätte werden - von oben bis unten mit Postern tapeziert sind und schließlich ganze Mappen voll mit Zeitungsartikeln, Fotos und jede Menge Fanartikel. So sieht oft der "ganz normale Wahnsinn“ bei Teenies aus. Doch dieser "Wahnsinn“ ist wichtig für die Entwicklung der Kids in dieser Lebensphase, denn Jugendliche befinden sich in einem Prozess des Umbruchs. Nicht nur die körperliche, auch die seelische Entwicklung spielt im Alter zwischen zwölf und zwanzig Jahren eine bedeutende Rolle. Jetzt verändert sich vieles. Die Teenager genießen mehr Freiheiten, dürfen zum Beispiel länger ausgehen, verdienen ihr erstes eigenes Geld und beginnen sich für das andere Geschlecht zu interessieren.

Idole helfen bei der Persönlichkeitsentwicklung

In dieser Zeit, in der sich die individuelle Persönlichkeit langsam ausprägt, muss die Welt neu sortiert werden, weg von der Familie, hin zu Freunden. Eine Abgrenzung vom kindlichen Leben wird nun immer wichtiger. Während bisher meist die Eltern als Hauptbezugspersonen galten, suchen sich Jugendliche nun neue Vorbilder und finden sie immer häufiger in Stars, wie Sportlern, Musikern oder Schauspielern. Diese werden zu Idolen und bieten den Teenies die Möglichkeit, sich mit jemanden außerhalb der Familie zu identifizieren, der ganz weit weg und doch ganz nah zu sein scheint.

"Solche Projektionsfiguren sind wichtig in dieser Altersgruppe, sie geben Energie für die eigene Entwicklung. Gerade mit Idolen, die eine ganz andere Lebenshaltung haben, wollen sich Jugendliche bewusst gegen die Eltern abgrenzen“, so der Schweizer Kinder- und Jugendtherapeut Allan Guggenbühl in einem Interview mit der Aargauer Zeitung. Auch der Kinder- und Jugendpsychiater Gunter Klosinski kennt die Bedeutung solcher Teenie-Träumereien: "Das ist gut und hilft den Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer verwundbaren neuen Persönlichkeit, die sich gerade erst herausschält. Das Idol ist nur ein kleines Zerrbild des inneren Selbst, das gerade heranreift. Sie entwerfen ein Bild von sich selbst und projezieren es auf ihr Idol. Unter diesem Schutzmantel kann sich die eigene, weiche Persönlichkeit, die noch in einer Metamorphose ist, wie ein Kokon formen“, so sagt er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Dominanz der Mädchen

Vor allem Mädchen bevölkern zahlreich die Welt der umschwärmten Stars. Ihre Objekte der Begierde können geheimnisvolle Vampir-Jünglinge, verführerische Werwölfe, clevere Zauberlehrlinge oder singende Highschool-Boys sein. Alle haben eines gemeinsam: Sie entfachen die ersten Träumereien bei dem Heer der Zahnspangenträgerinnen. Oftmals sind solche Stars oder die Figuren, die sie verkörpern, der erste bewusst ausgelebte "Kontakt“ zum anderen Geschlecht. Die Berliner Pädagogin Bettina Fritzsch, die ihre Dissertation über das Thema verfasst hat, beschreibt solch leidenschaftliche Verehrung als ersten "gefahrlosen“ Testlauf für Liebesgefühle: "Sie erleben die intensiven Emotionen der ersten Liebe ohne die Risiken einer echten Beziehung.“ Eveline von Arx, die zwischen 2003 und 2008 das Dr.- Sommer-Team der "Bravo“ leitete, sieht dies genauso: “Besonders Mädchen erleben nicht selten ihre erste Schwärmerei, die ein Idol in ihnen auslöst.“ Das könne auch eine Vorbereitung in der Fantasie für eine spätere, "richtige“ Beziehung sein.

Brav und keusch – aber trotzdem sexy

Auffällig bei dieser Massenverliebtheit ist heute, dass viele angebetete Stars wie zum Beispiel "Twilight-Vampir“ Robert Patterson -  zumindest für die Öffentlichkeit- ein sehr braves Image pflegen. Auch "Hanna Montana“ alias Miley Cyrus als weibliches Vorbild hat sich lange als Unschuldsengel gegeben. Dieser Trend ist auch bei den Teenagern zu beobachten und wurde im Herbst von einer Studie bestätigt. Danach haben Jugendliche heute später Sex als noch vor einigen Jahren und ein Drittel der befragten 17-Jährigen hatte nach eigenen Angaben noch nie Geschlechtsverkehr.

Umso größer ist oft die schwärmerische Verliebtheit mit all den dazu gehörigen Phantasien, die in keinem Widerspruch zur sexuellen Unerfahrenheit der Teenies steht, weiß Jugendpsychiater Gunther Konsinski: "Jetzt probieren die Jugendlichen sich aus. Sie fantasieren, aber in Wirklichkeit passiert noch gar nichts. Sie leben im Geiste Dinge aus, die sie sich noch nicht trauen würden.“ Dass die Angehimmelten nicht nur Vorbilder, sondern auch potentielle Flirtpartner und begehrte Sex-Objekte sind, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Jungendzeitschrift "Popcorn“, die die Wunschvorstellungen der Kids widerspiegelt. Hier gaben 74 Prozent der Mädchen an, den Star, für den sie schwärmten, gerne küssen zu wollen und knapp die Hälfte konnte sich vorstellen mit ihrem Idol Sex zu haben.

Geschäftsidee "Boygroup“

Diese weibliche Gefühlswelt wurde in den letzten Jahren reichlich von cleveren Musikmanagern ausgenutzt, die diverse Casting-Boybands zum Verkaufsschlager machten - gleichgültig ob sie "Take That“, „Back Street Boys“, „N`Sync“, „Westlife“ oder „Boyzone“ hießen. Dabei war das profitable Geschäftskonzept immer dasselbe: Gezielt wurden junge, gut aussehende Sänger ausgesucht, wobei jeder einzelne einen anderen Typ darstellte. Den Fans gab dies die Möglichkeit aus einer Gruppe von üblicherweise fünf Jungen genau denjenigen auszuwählen, der ihren Idealvorstellungen von einem Partner am ehesten entsprach. In manchen Fällen nahm die leidenschaftliche Verehrung jedoch extreme Maße an. Als Robbie Williams 1995 seinen Ausstieg bei "Take That“ verkündete, mussten Sorgentelefone eingerichtet werden, da einige Fans mit Selbstmord drohten.

Girl-Bands für Jungs?

Auch die Girl-Bands spielten bisher eine wichtige Rolle im Teenie-Kosmos und waren ein rentables Geschäftsmodell. Dies wurde beim Casting-Format "Popstars" deutlich, denn dort wurden in den letzten Jahren fast nur Mädchengruppen zusammengestellt. Doch diese "Popkreationen“ sollten genauso wie beispielsweise Miley Cyrus nicht die Jungs ins Schwärmen bringen, sondern hatten die weibliche Zielgruppe im Fokus. Die jungen Sängerinnen repräsentierten stets kraftvolle und selbstbewusste Persönlichkeiten, mit denen sich auch schüchterne Mädchen identifizierten. Sie konnten so ihrem Idol nacheifern und etwa die entsprechenden Bühnenchoreographien vor dem Spiegel einüben oder sich an dem angesagten "Style" orientieren.

Jungs dagegen ticken anders als Mädchen bei der Verehrung ihrer Stars. Sie sind selten auf Schwärmereien aus und die erotische Komponente fällt bei ihnen meist unter den Tisch. Das belegt ebenfalls die Umfrage von „Popcorn“. Danach wollte keiner der Befragten seinen Lieblingsstar küssen oder war gar in ihn verliebt. Kein Wunder: Die von Jungs favorisierten Promis sind meist Männer. Auf der Suche nach starken, maskulinen Vorbildern versuchen sie häufig ihren Idolen in konkreten Tätigkeiten nachzueifern, zum Beispiel perfekt Fußball zu spielen oder ein Solo eines genialen Gitarristen nachzuahmen. Auch das betont aggressive Machogehabe von Gangsterrappern wie Eminem oder Bushido findet vor allem unter männlichen Teenagern viele Anhänger.

Fankultur fördert Zusammengehörigkeit

Doch gleichgültig für wen man schwärmt, nie ist man alleine mit seiner Leidenschaft. Fans treten immer in Gruppen auf. Auch das ist wichtig für die pubertäre Entwicklung. Denn das gemeinsame Erlebnis bei der Musik oder einem Film des bewunderten Künstlers schafft ein intensives Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Psychologe Martin Huppert, der sich in seinem Buch „Die Star-Fan Beziehung in der Popmusik: Forever Young?“ mit diesem Phänomen auseinandersetzt, erklärt: „ Der Jugendliche kann in einer Fan-Szene Geborgenheit, Orientierung und Stabilisierung finden. Außerdem wird durch die Übernahme von Modetrends und Interessen ein neues Lebensgefühl entwickelt, das er mit Gleichaltrigen teilen kann.“ In einer Fangruppe, deren Mitglieder eine gemeinsame Leidenschaft haben, komme es demnach weit seltener zu internen Konflikten, da die gesamte Energie der Gruppe auf die Idole gerichtet sei.

Karriere-Sprungbrett YouTube & Co.

Für eine neue Art "Stars zu machen“ sind in jüngster Zeit digitale Medien wie YouTube & Co. verantwortlich. Hier vermarkten nicht mehr clevere Produzenten ein Kunstprodukt, sondern die jungen User selbst "erschaffen“ ihr Idol: Die Personifizierung dieses Phänomens ist zurzeit Justin Bieber. Wo er auftaucht, herrschen bei Millionen Mädchen weltweit Kreisch-Alarm und Ekstase, und sogar Jungs kopieren den "Bieber-Style“. Und dabei fing alles mit einem eigenen YouTube Musikvideo an, dass der junge Kanadier, der sich das Singen, Gitarre-, Klavier- und Schlagzeug spielen selbst beibrachte, ins Netz stellte. Die User mochten es und die Erfolgsgeschichte begann: Heute ist das Video bei YouTube das meist angeklickte aller Zeiten. Und es dauerte kürzlich nur 22 Minuten bis das New Yorker Konzert im Madison Square Garden ausverkauft war.  

Für die jugendlichen Fans besteht die „Bieber-Magie“ darin, dass der Jungstar ein Idol zum Anfassen ist. Er ist der Junge von nebenan, ein Gleichaltriger auf Augenhöhe, der genauso wie Millionen anderer Teenager in sozialen Netzwerken unterwegs ist und auf diese Weise – ganz alltäglich – auch Kontakt zu seinen Fans hält. Justin Bieber hat siebeneinhalb Millionen Follower bei Twitter und mehr als 22 Millionen Freunde bei Facebook. Für die Kids ist er die Identifikationsfigur schlechthin und beim wahrsten Sinne des Wortes ein Vorbild. Der Junge aus einer kleinen kanadischen Gemeinde hat vorgemacht, dass aus jedem ein Star werden kann und dass man es alleine schaffen kann. Solche Geschichten bilden die Brücke zwischen Teenie-Träumen und Realität und machen die Faszination „Justin Bieber“ aus. Doch durch den Riesen-Erfolg kommt nun langsam eine professionalisierte Star-Maschinerie in Gang und auch der „nette Nachbarsjunge“ beginnt als anbetungswürdiger Mega-Star dem Teenie-Alltag zu entrücken - wird mehr und mehr auf einen Sockel gestellt. Justins Haare sind ein Sinnbild dafür: Ende Februar, als er seine typische Frisur stutzen ließ, wurden seine Locken bei ebay für eine guten Zweck versteigert. Sie brachten umgerechnet fast 30.000 Euro ein!

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