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Schule: Schwänzen beginnt schleichend - Eltern sollten sich Hilfe holen

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Schwänzen beginnt schleichend: Eltern sollten sich Hilfe holen

28.06.2011, 11:49 Uhr | dpa-tmn

Schule: Schwänzen beginnt schleichend - Eltern sollten sich Hilfe holen. Schwänzen Kinder die Schule, sollten Eltern versuchen, den Gründen nachzugehen. (Foto: dpa-tmn)

Schwänzen Kinder die Schule, sollten Eltern versuchen, den Gründen nachzugehen. (Foto: dpa-tmn)

Mobbing, Ängste, Überforderung: Die Gründe fürs Schule schwänzen sind vielfältig. Ein Patentrezept für den Umgang mit Schwänzern gibt es deshalb nicht. Eltern sollten das Problem ernst nehmen, sobald sie davon erfahren.

Teufelskreis Schule schwänzen

Das Schwänzen beginnt oft schleichend. Zunächst werden "nur" die Unterrichtsstunden ungeliebter Fächer nicht besucht. Dort werden die Noten natürlich immer schlechter. Das Kind oder der Jugendliche bekommt so mehr Druck, der Widerstand gegen die Schule wächst.

Irgendwann schwänzt der Schüler auch die Schulstunden in anderen Fächern. Dadurch isoliert er sich von seinen Klassenkameraden und wird immer einsamer. Je länger dieser Teufelskreis anhält, desto schwieriger ist der Weg zurück zu einem normalen Schulbesuch.

Kein Kavaliersdelikt

Schule schwänzen ist kein Kavaliersdelikt. Wenn Schüler regelmäßig im Unterricht fehlen, vielleicht sogar Wochen oder Monate lang gar nicht in die Schule gehen, können sie sich ihre eigene Zukunft verbauen. Denn im schlimmsten Fall steht sogar der Schulabschluss auf dem Spiel. Und die Chancen, ohne Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zu ergattern, sind ebenfalls gering.

Vor allem Haupt- und Sonderschulen betroffen

Genaue Zahlen, wie viele Schüler regelmäßig schwänzen, gibt es nicht. Studien zufolge bleiben deutschlandweit bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen mehr als zweimal pro Monat dem Unterricht unentschuldigt fern. Ein bis zwei Prozent - das sind 100.000 bis 200.000 Schüler - gehören zum "harten Kern": Sie gehen gar nicht mehr oder nur noch sporadisch in die Schule. Geschwänzt wird vor allem an Haupt- und Sonderschulen, Jugendliche ab dem Alter von zwölf Jahren schwänzen häufiger als Kinder.

Vielfältige Ursachen

"Die Gründe für das regelmäßige Schule schwänzen sind vielfältig", sagt Professor Johannes Hebebrand, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an den Rheinischen Kliniken in Essen. Das können Probleme zu Hause sein, eine Überforderung im Unterricht, Mobbing oder auch psychische Störungen wie Angstzustände und Depressionen. Seiner Meinung nach sollte das Schwänzen von Anfang an ernst genommen und thematisiert werden. Denn je länger die Probleme bestehen, desto schwieriger sind sie zu lösen.

Eltern und Schule müssen reagieren

Das meint auch Rainer Schütz, Geschäftsführer des Vereins Nummer gegen Kummer in Wuppertal. "Wenn mal geschwänzt wird, kann man das tolerieren. Aber wenn das regelmäßig passiert, muss von Seiten der Eltern und der Schule reagiert werden", sagt Schütz. Oft passiere es allerdings, dass die Eltern gar nichts von dem Problem erführen.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Es sind nicht die Schulschwänzer, die bei der Nummer gegen Kummer anrufen, sondern deren Eltern. Ihnen wird dort geraten, mit ihren Kindern zu sprechen, den Ursachen gemeinsam auf den Grund zu gehen und eine Lösung zu suchen. Hilfreich kann es auch sein, wenn ein Lehrer an dem Gespräch teilnimmt. In vielen Städten gibt es Beratungsstellen, an die sich die Eltern wenden können. So bieten zum Beispiel in Essen Schulamt, Jugendhilfe und die Rheinischen Kliniken eine gemeinsame Beratungsstelle an. "Es wäre viel erreicht, wenn sich solche Beratungsstellen in Deutschland etablieren würden", sagt Hebebrand.

Er tut sich ebenso wie Schütz schwer damit, pauschal geeignete Maßnahmen gegen das Schule schwänzen zu nennen. Denn nach der Erfahrung der beiden sind die Gründe hierfür sehr unterschiedlich. "Es ist eben etwas ganz anderes, ob ein Kind nicht gerne zur Schule geht, weil es Mobbing fürchtet oder vielleicht an ADHS leidet", erklärt Schütz. Bei den jungen Anrufern in den Beratungsstellen des Vereins ist das Schwänzen zwar kein Thema, aber dafür häufig die Angst vor der Schule. Die Anrufer berichten zum Beispiel über Frust in der Schule, Angst vor schlechten Noten, Gewalterfahrungen, Mobbing und über ein Leben als Außenseiter.

Störung des Sozialverhaltens

Nach Ansicht des Bochumer Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Maik Herberhold, gibt es noch einen anderen Grund für permanentes Schwänzen. "Es handelt sich um eine Störung des Sozialverhaltens", sagt der Vorsitzende des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen würden mit ihrem Verhalten sehr deutlich ausdrücken, dass ihnen ein emotionaler Halt fehlt oder nicht genügend vorhanden ist. Gerade für diese Kinder wäre ein geregelter Tagesablauf wichtig und sie dürften nicht allein gelassen werden.

Eltern müssen Vorbildfunktion ernst nehmen

In den Familien dieser notorischen Schulschwänzer gibt es oft schwere Probleme oder Konflikte, zum Beispiel Geldnöte oder Krankheit. Einige Eltern würden ihre Vorbildfunktion nicht ernst genug nehmen. Oft übernehmen Kinder dann diese Gewohnheiten. Wenn Eltern sich zum Beispiel ohne triftigen Grund bei der Arbeit krankmelden, sei es kein Wunder, wenn die Kinder in der Schule es genauso machen.

Studie für geeignete Maßnahmen startet

Welche Hilfen bei Schulschwänzern greifen, will die Universität Heidelberg herausfinden: "Bislang haben wir nur wenige Daten dazu, wie viele Schüler wie häufig und aus welchen Gründen in der Schule fehlen", erklärt Studienleiter Professor Romuald Brunner, Leitender Oberarzt an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei der Studie, die im Oktober startet, werden 1600 Schüler im Rhein-Neckar-Kreis unter anderem nach ihren Fehlzeiten sowie nach Themen wie Angst, Depressivität, Sozialverhalten, Selbstverletzung und Suizidgefährdung befragt. Die Wissenschaftler wollen so erfahren, welche Maßnahmen am besten gegen das Schule schwänzen helfen.

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