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Fördervereine: Was sie für Schulen leisten

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Das leisten Fördervereine für unsere Schulen

27.04.2012, 14:28 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Fördervereine: Was sie für Schulen leisten. Ohne Fördervereine ginge es an vielen deutschen Schulen deutlich karger zu. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ohne Fördervereine ginge es an vielen deutschen Schulen deutlich karger zu. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Mensa muss neu gestrichen werden, der Schulhof braucht einen neuen Basketballkorb, die Theater-AG soll ausgestattet werden und die geplante Klassenfahrt bekommt Zuschüsse, weil nicht alle Eltern die Finanzierung stemmen können. Gilt es solche Projekte umzusetzen, ist meist der Förderverein der Schule gefragt. Ohne diese Institution, die sich hauptsächlich um Spenden und Sponsoren im Dienst der Pädagogik kümmert, ginge es an deutschen Schulen wohl wesentlich karger zu. Bildung ist eben teuer und das Budget der öffentlichen Hand ist hierzulande bekanntermaßen überschaubar bemessen. Da sind die Arbeit und das Engagement von Fördervereinen besonders wichtig und unentbehrlich geworden.

Kaum eine Schule in Deutschland besitzt keinen Förderverein. Denn nur über solche Körperschaften kommt durch Beiträge und Spenden zusätzlich Geld in die Kassen. Vor allem die staatlichen Bildungsschmieden begrüßen die Finanzspritzen, die über die Vereine fließen, denn sie selber dürfen keine Spenden annehmen. Schätzungen zufolge existieren derzeit bundesweit etwa 22.000 dieser ehrenamtlichen Gremien - Tendenz steigend. Diesen Trend belegt exemplarisch eine Studie des Thüringer Landesverbandes der Schulfördervereine. Danach haben durchschnittlich dreiviertel aller Schulen in diesem Bundesland eine solche Initiative. Das ist seit 2008 eine Steigerung von acht Prozent. Mit einem Anteil von 95 Prozent stehen die Gymnasien an der Spitze der Statistik. Hier engagieren sich hauptsächlich Eltern, während in Sonderschulen, Mittelschulen oder Berufsschulen auch große Teile der Lehrerschaft aktiv sind.

Das soziale Umfeld und der Schultyp spielen beim "Förderbedarf" keine Rolle

Die Aufgaben der Fördervereine sind jedoch bei jedem Schultyp ähnlich. Vor allem dann, wenn in die Jahre gekommene marode Schulbauten zusätzlich private Finanzhilfen für ein architektonisches Lifting brauchen. Auch die soziale Struktur des schulischen Einzugsgebietes spiele bei dieser Art der baulichen Veränderungen oder bei Anschaffungen für die Ausstattung der Räume oder des Schulhofes keine große Rolle, so die Erfahrung der Vorsitzenden des Landverbandes schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg (lsfb) Katja Hintze. Von den Vereinen unterstützte Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten seien immer fällig, gleichgültig in welchem Viertel die Schule angesiedelt sei.

Finanzielle Unterstützung bei Klassenfahrten

Neben solchen Investitionen ist ein Förderverein unter anderem auch dazu da, bedürftige Schüler finanziell zu unterstützen, deren Eltern beispielsweise eine Klassenfahrt nicht bezahlen können. Hier sei in letzter Zeit eine größere Nachfrage festzustellen, erläutert Katja Hintze: "Bedarf besteht zunehmend bei Familien, deren Einkünfte knapp über der Hartz IV-Bemessung liegen und die deshalb keine Leistungen vom Staat bekommen. Diese Gruppe im unteren gesellschaftlichen Mittelbau - darunter viele Alleinerziehende - wird leider immer größer und hier sind Fördervereine bei schulischen Mehrkosten verstärkt gefragt. Diese Kinder, die unsere Unterstützung brauchen, gibt es übrigens genauso an Gymnasien."

Teamarbeit kann viel bewegen

Eine, die sich jahrelang als Förderverein-Vorstandsmitglied in einer Frankfurter Grundschule engagiert hat, ist Bettina Körner. Die Mutter von zwei Söhnen weiß, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit ist, kennt aber auch den Aufwand, der dahinter steckt. Bei ihr waren es manchmal bis zu 15 Stunden wöchentlich, wenn gemeinsam mit den anderen Aktiven des Fördervereins - übrigens meist Frauen - etwas organisiert wurde, Besprechungen und Sitzungen stattfanden oder unzählige Briefe an die Elternschaft geschrieben werden sollten. "Da mussten wir gut strukturiert sein und ausgesprochen kreativ zu Werke gehen. Das war echtes Management", erinnert sich Bettina Körner. "Das Faszinierende daran war, dass durch das bunt zusammengewürfelte Team sehr dynamische Synergien entstanden. Da war etwa die Betriebswirtin, die sich mit Buchhaltung und Finanzen gut auskannte, die Journalistin, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war oder eine andere aktive Mutter, die durch ihre Kontakte eine Firma als Sponsor gewinnen konnte."

Das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt und Barrieren werden abgebaut

Doch es geht nicht nur ums Materielle: Fördervereine bringen auch Eltern, Kinder und Lehrer zusammen und schaffen ein Gemeinschaftsgefühl an der Schule. Alle ziehen an einem Strang und keiner hat das Gefühl alles alleine schultern zu müssen. "Hier haben Bürger die Möglichkeit", erläutert Katja Hintze, "sich direkt und unmittelbar einzubringen und etwas zu verändern. Das belebt die Schulen und macht Lernen wesentlich attraktiver. Ein Schulleiter sagte kürzlich stolz zu mir, dass sich seit Gründung des Fördervereins an seiner Schule die Stimmung insgesamt zum Positiven verändert habe."

Solche Erfahrungen hat auch Bettina Körner während ihrer aktiven Zeit als Vorstandsmitglied gemacht: "In einem Schuljahr haben wir beispielsweise in Eigeninitiative einmal über 30 verschiedene von Eltern geleitete AGs auf die Beine gestellt. Das war nicht nur eine enorme logistische und organisatorische Herausforderung, sondern auch ein echtes Miteinander. Wir haben sogar geschafft türkische Mütter, die sonst eher zurückhaltend bei solchen Initiativen waren, als 'Lehrkräfte' für landestypischen Tanz oder für Koch-AGs zu gewinnen." Auf diese Weise bekamen Kinder nicht nur spannende Einblicke jenseits des lexikalischen Schulwissens, sondern lernten sich auch über den Klassenverband hinaus in anderen Konstellationen kennen. "Alle Beteiligten rückten bei solchen Projekten näher zusammen und Barrieren wurden abgebaut, was dem Schulklima ausgesprochen gut tut. Die Schule wurde auf diese Weise in ihrer Außenwirkung zusätzlich aufgewertet", so das Fazit von Bettina Körner. 

Konkrete Projekte machen es leichter zu spenden

Um überhaupt Helfer oder Spender zu mobilisieren, gehört für die Vereinsaktiven mühsame Vorarbeit zum täglichen Geschäft, bei dem es vor allem auf Beharrlichkeit ankommt: "Das klappt am besten über die persönliche Ansprache", erzählt Bettina Körner. "Man muss immer präsent sein, dauernd mit den Leuten reden und permanent begeistert für die Sache werben, sonst hat es keinen Sinn." Außerdem sei die Bereitschaft den Geldbeutel zu öffnen immer dann am größten, so die Erfahrungen der engagierten Mutter, wenn man für konkrete Projekte wie etwa eine neue Tischtennisplatte für den Schulhof sammelte. Denn dann wüssten die Sponsoren genau, wo sie ihre Spenden anlegten und seien umso motivierter.

Benachbarte Unternehmen spenden meist gerne

Besonders spendierfreudig sind neben der Elternschaft vor allem Gewerbetreibende, die einen Bezug zur Schule haben und im selben Stadtviertel ansässig sind: "Unternehmen sind meist interessiert daran, etwas für das Leben in ihrem Kiez zu tun", erläutert Katja Hintze vom "lsfb". "Und dazu gehört auch die benachbarte Schule, denn die Mütter und Väter der Schüler sind wahrscheinlich ihre Kunden und die Kinder werden die Kunden der Zukunft sein."

Bei der Kooperation mit potenten Sponsoren aus der Wirtschaft müsse aber darauf geachtet werden, so die Forderung von Hintze, dass die wohltätigen Unternehmen an dem Lernort Schule nicht ihre marktwirtschaftlichen Interessen etablieren können: "Wir müssen hier den Spagat schaffen einerseits Bildungssponsoring zu fördern, aber andererseits keine Werbung und Marketingeffekte zuzulassen, wie es häufig in Amerika geschieht. Es sollten keine Schüler mit T-Shirts herumlaufen, auf denen der Name eines großzügigen Schulsponsors aus der Wirtschaft steht."

"Stiftung Bildung" als bundesweiter Pool

Auch um dieses Risiko zu mindern und externe Spendengelder im größeren Umfang in schulische Projekte zu investieren, wird im kommenden Herbst die "Stiftung Bildung" ins Leben gerufen. Sie soll bundesweit und landesübergreifend mit dem Ziel arbeiten, einerseits zahlungskräftige Investoren zu finden, die in einen großen Pool einzahlen, aus dem dann gezielt Gelder an Schulfördervereine weiter geleitet werden können und andererseits die Struktur der Vereine zu unterstützen und auszubauen. Diese Initiative, die auch mit anderen Stiftungen zusammenarbeiten will, ist eine lohnende und wichtige Investition in die Zukunft, davon ist die Vorsitzende des Landesverbandes Berlin- Brandenburg überzeugt: "Wir sind in einer Schulzeit angelangt, in der die Schulleitung nicht nur gute Lehre und Pädagogik, sondern auch hervorragendes Management betreiben muss, um einen guten Lehr- und Lernraum für alle Beteiligten zu öffnen. Fördervereine bieten dabei schnelle Hilfe, Inspiration und gebündeltes Know How." Außerdem, so Katja Hintze, verändere sich gerade das Lernen in unserer Bildungslandschaft und orientiere sich immer individueller am einzelnen Kind. "Diese Vielfalt muss bezahlt werden. Da können Fördervereine mehr denn je gute Unterstützung leisten."

Umfassende Studie zu Fördervereinen in Arbeit

Was sie heute schon leisten und wie groß ihre Wirtschaftskraft ist, wurde bislang noch nicht genau dokumentiert. Ende des Jahres wird jedoch eine umfassende Studie der Berliner Humboldt-Universität vorgestellt, wo zum ersten Mal flächendeckend untersucht wurde, wie hoch die eingebrachten finanziellen Mittel samt der erbrachten Arbeitsstunden aller beteiligten Freiwilligen in den Fördervereinen zu bemessen sind . Katja Hintze prognostiziert:  "Ich denke dabei werden erstaunliche Zahlen herauskommen, die belegen, dass unser staatliches Bildungssystem ohne die Hilfe der Fördervereine in jeder Beziehung um vieles ärmer wäre!"

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