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Heinrich-Hoffmann-Schule in Frankfurt unterrichtet schwerkranke Kinder

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Lernen am Krankenbett  

Eine Schule in Frankfurt unterrichtet schwerkranke Kinder

11.08.2014, 09:30 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Heinrich-Hoffmann-Schule in Frankfurt unterrichtet schwerkranke Kinder. Auch Kinder, die lange krank sind, bekommen Unterricht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch Kinder, die lange krank sind, bekommen Unterricht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Manche Kinder sind so krank, dass sie über längere Zeit nicht am Schulalltag teilnehmen können. Etwa weil sie mehrmals wöchentlich an die Dialyse müssen, Monate in der Psychiatrie verbringen oder wegen eines Krebsleidens behandelt werden. Eine Schule in Frankfurt unterstützt die jungen Patienten, damit sie irgendwann wieder den Anschluss finden und in ihre alte Klasse zurückkehren können.

Offiziell werden sie "Schülerpatienten" genannt, die circa 240 Kinder, die zurzeit an der staatlichen Heinrich-Hoffmann-Schule in Frankfurt unterrichtet werden. In dieser Schule für Kranke findet sich kein zentrales Schulgebäude mit großen Klassenzimmern, Pausenhof und Turnhalle. Hier kommen die Lehrer meist zu ihren Schülern, vor allem dann, wenn diese wegen einer schweren Erkrankung lange in einer Klinik bleiben müssen.

Häufig findet Einzelunterricht am Krankenbett statt

Die 42 Pädagogen, die alle Schulformen und Fächer von der ersten Klasse bis zum Abitur fachlich abdecken, sind zumeist bestimmten Krankenhäusern zugeteilt und arbeiten etwa in der Unfallklinik oder auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik Frankfurt. Manchmal findet der Einzelunterricht bei den jungen Patienten zu Hause statt, wenn sie zum Beispiel nach einer Chemotherapie wegen der erhöhten Infektionsgefahr nicht die Schule besuchen dürfen. In kleinen Gruppen können die Kinder nur zusammen lernen, wenn sie mobil sind - so wie etwa Patienten, die in der Psychiatrie behandelt werden müssen. Sie nutzen dann schuleigene Räume in unmittelbarer Nähe der Uniklinik.

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Schulpflicht auch bei schwerer Krankheit

Ob ein Patient überhaupt fit genug ist, Vokabeln oder Matheformeln zu pauken, also "beschulbar" ist, entscheidet immer der behandelnde Arzt. Denn die Schulpflicht besteht in Deutschland grundsätzlich, auch bei schwerer Krankheit, erklärt Sonderpädagoge Frank Pastorek, der seit elf Jahren die Frankfurter Spezialschule leitet. "Die Mediziner beurteilen dann nicht nur, wie belastbar das Kind ist, sondern geben auch vor, wann neben Therapie und Behandlung Zeitfenster für Schule bleiben."

Für die Lehrkräfte der Heinrich-Hoffmann-Schule bedeutet dies, nicht nur ihr Fachwissen zu vermitteln, sondern auch flexibel, empathisch, kreativ und rücksichtsvoll zu agieren und außerdem mit den Ärzten, der Heimatschule und mit den Eltern regelmäßig in Kontakt zu stehen. Denn auf jedes Krankheitsbild und jeden Schülerpatienten müssen sie sich individuell einstellen.

Im Schnitt haben die Kinder nur vier Stunden Unterricht pro Woche - meist vom Krankenbett aus. "Das ist eigentlich zu wenig", merkt Schulleiter Pastorek an. "Doch die Kinder profitieren trotzdem davon, weil die Einzelstunden viel intensiver und persönlicher sind."

Die Schülerpatienten sollen möglichst zurück in ihre alte Klasse

Trotz geringer Unterrichtszeit ist es das ambitionierte Ziel der Lehrer, dass die Kinder nach der Behandlung wieder in ihre Stammschule eingegliedert werden können. Das heißt: Auch die Schülerpatienten lernen lehrplanorientiert, was Klausuren, Zeugnisse und möglicherweise auch Prüfungen einschließt. "Bei allen Leistungsnachweisen gibt es aber für die kranken Kinder immer einen sogenannten Nachteilsausgleich", erläutert Pastorek. "Sie haben dann zum Beispiel für eine Mathearbeit, die dieselbe ist wie in der Heimatklasse, statt einer Doppelstunde den ganzen Vormittag Zeit."

Doch die Vermittlung schulischer Stoffe ist nur eine Aufgabe der Heinrich-Hoffmann-Schule. Genauso wichtig ist die soziale Integration des kranken Kindes. Der Kontakt zur Klassengemeinschaft soll aufrecht erhalten werden, damit die jungen Patienten Bestandteil ihres gewohnten schulischen Umfeldes bleiben können.

Videokonferenzschaltungen ermöglichen das Mitmachen im Unterricht

Eine besondere Hilfestellung leistet hier die Videokonferenzschaltung "PULS" (PC-gestützter Unterricht Langzeit kranker Schüler), die vom Frankfurter Verein "Hilfe für krebskranke Kinder" finanziert wird. Diese Technik ermöglicht, dass die Schülerpatienten selbstständig über einen PC samt Kamera und Mikrofon von zu Hause oder der Klinik dem Unterricht in der Heimatschule folgen und sich sogar aktiv beteiligen können.

Dann erscheint ein Signal im Klassenraum und alle wissen, dass nun ein Beitrag des kranken Mitschülers kommt, der über einen Monitor sichtbar wird. "Die zugeschalteten Kinder können aber selbst entscheiden, ob sie von der Klasse gesehen werden wollen oder ob sie nur akustisch präsent sind. Diese zweite Option wird insbesondere von Mädchen bevorzugt, die durch eine Chemotherapie ihre Haare verloren haben", so der Sonderpädagoge.

Schule bedeutet Zukunft für die kranken Kinder

Obwohl die jungen Patienten häufig von der weiter bestehenden Schulpflicht nicht gerade begeistert sind, arrangieren sich die meisten doch ziemlich schnell damit. "Die Erfahrung, die wir machen, ist, dass Schule irgendwann von unseren Schülern als etwas begriffen wird, was den Klinikalltag durchbricht", berichtet Pastorek weiter. "Das ist gerade für Kinder bedeutend, die ihre Zukunft aufgrund ihrer Erkrankung in Frage stellen. Denn sie merken: Da kommen Leute, die investieren in meine Zukunft und glauben an eine Perspektive. Das gibt ihnen Mut und Zuversicht."

So kann Schule am Krankenbett viel Positives bewirken, weil auf ein Leben nach der schweren Zeit  hingearbeitet wird. Doch leider erreicht nicht jeder Schülerpatient dieses ersehnte Ziel und wird wieder gesund. Der Unterricht darf aber deshalb, so die Philosophie der Schule, auch bei einem Schwerstkranken nicht automatisch aufhören - vorausgesetzt, das Kind möchte weiter machen und ist auch in der Lage dazu. "Es kommt bei Kindern, die eigentlich keine Überlebenschance haben, nur sehr selten vor, dass auch die Eltern sagen, das Lernen habe keinen Sinn mehr . In der Regel wollen auch diese Kinder, die vielleicht nur noch wenige Monate haben, bis zum Schluss am sozialen Leben teilnehmen. Und da gehört Schule maßgeblich dazu. Dann müssen unsere Lehrer einen Perspektivwechsel vornehmen, wo nur noch das Hier und Jetzt zählt. Das ist emotional oft sehr schwer."

!Am Leben und Lernen teilnehmen"

"Kranke Kinder dürfen nicht auf ihre Beschwerden und ihr Schicksal reduziert werden. Sie haben Bedürfnisse wie alle anderen Heranwachsenden auch. Unsere Aufgabe als ist es dann, mit unseren Schützlingen zu überlegen, wie wir mit ihren Möglichkeiten diese Bedürfnisse schulisch umsetzen und darauf aufbauen können, gemäß des Grundsatzes: 'Am Leben und Lernen teilnehmen durch Stärkung der gesunden Funktionen'. Denn die Schulpädagogik muss unbedingt davon wegkommen, sich an Defiziten und nicht an individuellen Stärken und Fähigkeiten zu orientieren!"

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