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Burnout bei immer mehr Schülern: Die erschöpften Dauerlerner

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Diagnose Burnout bei Schülern  

Die erschöpften Dauerlerner

12.03.2015, 17:21 Uhr | Franziska Höhnl, Julia Ruhnau, dpa

Burnout bei immer mehr Schülern: Die erschöpften Dauerlerner. Auf Schülern lastet oft ein großer Druck. Burnout kann die Folge sein (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf Schülern lastet oft ein großer Druck. Burnout kann die Folge sein (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sie kommen aus der Schule und lernen. Sie sagen Treffen mit Freunden ab und lernen. Für sie zählt nur die Note Eins in jedem Test und ein sehr gutes Abitur. Spielen? Spaß? Gute Laune? Selten. Was auf den ersten Blick nach vorbildlichen Schülern klingt, bereitet vielen Eltern Sorgen. Auch der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort hat lange gerätselt, was viele Schüler so runterzieht. Seine Diagnose: Burnout.

"Ich habe vor fünf Jahren zunehmend depressive und erschöpfte Kinder gesehen, die nicht in die normale Kategorie der Depressionen passten", berichtet Schulte-Markwort, der am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf lehrt und arbeitet. Mit seinen Erfahrungen hat er das Buch "Burnout-Kids" verfasst, das gerade erschienen ist. Er ist auch Gast beim Deutschen Lehrertag in Leipzig, um die Pädagogen für das Thema zu sensibilisieren.

"Wenn sie kein gutes Abitur schaffen, dann ist ihr Leben gelaufen"

Den erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater habe man bewusst als Hauptredner zu der Tagung eingeladen, sagt Udo Beckmann. Er ist Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, der den Lehrertag organisiert. "Viele Lehrer haben Veränderungen bei den Schülerinnen und Schülern bemerkt", bestätigt er. "Die Kollegen sehen, dass Kinder oft schon frühzeitig überfordert werden." Das Abitur sei der ersehnte Abschluss, das sorge für Druck auf die Kinder - immer häufiger schon in der Grundschule.

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Woher der Druck kommt? Seltener als vermutetet seien es die sogenannten Helikopter-Eltern, die ihre Kinder mit unzähligen Zusatzangeboten überfordern, sagt Schulte-Markwort. "Das sind vielmehr die Leistungsorientierungen, die wir in unserer Gesellschaft verankert haben, gekoppelt mit dem Gefühl der Kinder, wenn sie kein gutes Abitur schaffen, dann ist ihr Leben gelaufen."

Viele Schulkinder fühlen sich erschöpft

Schulte-Markwort schätzt, dass sich bei ihm im Schnitt etwa zwei betroffene Schüler pro Woche vorstellen. Das ergäbe allein in seiner Behandlung 500 Burnout-Kids. Valide Studien zum Phänomen gebe es noch nicht. Allerdings sagten 20 bis 30 Prozent der Schulkinder, dass sie sich erschöpft fühlten. Der 58-Jährige nimmt an, dass zwei bis drei Prozent von ihnen an Burnout leiden - Tendenz steigend.

Auch der Bundesverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie (BKJPP) verweist auf fehlende Statistiken zum Thema, bestätigt aber: Das Phänomen gibt es schon bei Kindern und Jugendlichen. "In unseren Praxen werden sehr oft Kinder wegen schulischer Belastung und Stress vorgestellt", beschreibt der BKJPP-Vorsitzende Gundolf Berg die allgemeinere Tendenz. Die Kinder zeigten oft eine Mischung aus Symptomen wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Verstimmungen oder auch auffälligem Verhalten.

Symptome für Burnout bei Kindern

Lehrer wie Eltern sollten auf plötzliche Verhaltensänderungen achten, empfiehlt Schulte-Markwort. "Wenn Eltern über einen längeren Zeitraum das Gefühl haben, da stimmt etwas nicht, dann sollten sie zu einem Facharzt gehen." Bisher habe er allen Betroffenen helfen können, häufig unterstützt von Lerntherapeuten, die den Kindern andere Strategien beibrächten.

Bodo Reuser von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) erklärt genauer, wie Eltern bei den ersten Anzeichen reagieren können: Warnzeichen könnten zum Beispiel sein, dass Kinder dauerhaft erschöpft und lustlos sind, sich schlecht konzentrieren können oder ihre Leistungen zurückgehen.

Manche Kinder seien auch eher sprunghaft aktiv, hibbelig und impulsiv, könnten sich aber auf nichts wirklich einlassen oder sich über etwas freuen. Das passiere häufig in Familien, in denen hoher Leistungsdruck herrscht und wenig familiäres Zusammenleben und Kommunikation stattfindet, so Reuser.

Angebote machen, aber nicht in Aktionismus verfallen

Zunächst sollten Eltern dann das Gespräch suchen, um herauszufinden, warum dem Kind nichts mehr Spaß macht. Dabei sei es wichtig, nicht vorwurfsvoll zu sein, sondern Interesse zu zeigen und zu fragen, was das Kind sich wünschen würde. "Dann kann man versuchen, ihm eine Freude zu machen, zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten oder Freizeitvorschläge. Eltern sollten aber nicht in Aktionismus verfallen oder dem Kind zu viele Angebot machen, sondern eher versuchen, seine Initiative neu zu wecken", sagt Reuser.

"Wenn Eltern bei ihrem Kind eine Überforderung feststellen, ist es wichtig, ihm zu sagen, wenn es etwas toll gemacht hat und es zu ermuntern, sich dafür auch zu belohnen: Zum Beispiel, indem es mit Freunden ins Kino geht." Wenn der schulische Druck ein Problem sei, könnten Betroffene das Gespräch mit anderen Eltern suchen oder sich an den Elternbeirat wenden.

Aber auch bei einer Erziehungsberatungsstelle, einem Arzt, dem man vertraut, oder einem Therapeuten könnten Eltern Hilfe suchen - vor allem, wenn hinter den Anzeichen bei ihrem Kind eine Depression vermuten.

Muss die Gesellschaft sich ändern?

Entschärfen kann das Problem für den Psychiater Schulte-Markwort nur eine gesamtgesellschaftliche Wertedebatte. "Wir müssen uns fragen: Muss es wirklich immer mehr sein? Muss die Latte wirklich immer höher liegen?" Zu der Debatte gehöre auch, dass Schule sich ändere. Seine Empfehlung: kleinere Klassen, mehr pädagogisches Rüstzeug für Gymnasiallehrer und mehr gegenseitige Hilfe unter den Lehrerkollegen.

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