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Vornamen: Das Mädchen, das nicht "leichte Brise" heißen darf

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Vornamen  

Auf einen unzulässigen Namen getauft

04.01.2013, 14:12 Uhr | Anna Andersen, dapd

Vornamen: Das Mädchen, das nicht "leichte Brise" heißen darf . Blaer (links), "leichte Brise", der Name würde zu der 15-Jährigen passen.  (Quelle: AP/dpa)

Blaer (links), "leichte Brise", der Name würde zu der 15-Jährigen passen. (Quelle: AP/dpa)

Sie ist Islands Mädchen ohne Namen. Eigentlich wollte die Mutter der 15-Jährigen mit dem fröhlichen Sommersprossen-Gesicht sie "Blaer" nennen, was zu Deutsch "leichte Brise" heißt. Doch das war den isländischen Behörden wohl nicht nur zu poetisch - die Behörden senkten den Daumen, weil der Name sich nicht auf der Liste der 1712 zugelassenen männlichen und 1853 weiblichen steht. Jetzt kämpft Blaer vor Gericht darum, so zu heißen, wie sie möchte.

Die Logik der Regierung: Genau über die Namen zu wachen, soll Kinder davor bewahren, durch die Fantasiebegabung ihrer Eltern zum Gespött zu werden. Die Namen auf der Liste entsprechen zudem der isländischen Grammatik und haben eine festgelegte Aussprache. Väter und Mütter können sich für ihren Nachwuchs entweder aus dem Fundus bedienen oder sich mit eigenen Ideen an ein zuständiges Gremium wenden, das dann zustimmt oder ablehnt.

Blaer steht nicht auf der offiziellen Liste

In Blaers Fall hatte der Geistliche, der das Mädchen getauft hatte, Mutter Bjork Eidsdottir verspätet darauf hingewiesen, dass der Name gar nicht auf der Liste steht. Er habe versehentlich die Zeremonie vollzogen, ohne auf die behördlichen Vorgaben zu achten. "Ich hatte keine Ahnung, dass der Name gar nicht auf der Liste steht", sagt Bjork Eidsdottir.

Sie selbst habe jemanden gekannt, der 1973 auf den Namen Blaer getauft worden sei. In ihrem Fall lehnte das Gremium ab, weil das Wort Blaer männlich ist. Dass eine weibliche Person in einem Roman des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness genauso heißt, ließ die Behörden kalt.

Vornamen wichtiger als Familiennamen

Blaer ist Ärger wegen ihres Namens gewohnt: Egal, ob es um ihren Pass, das Bankkonto oder normale Behördengänge ging - weil überall vermerkt ist, dass sie weiblich ist, muss sie immer wieder die Geschichte ihrer Namensgebung erzählen. Das hat auch damit zu tun, dass Vornamen in der kleinen Inselnation weit wichtiger sind als in vielen anderen Ländern. Im Telefonbuch steht jeder zuerst mit Vornamen, die Nachnamen basieren auf den Vornamen der Eltern. Selbst wenn es um den isländischen Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson geht, redet man gemeinhin schlicht von Olafur.

Bjork Eidsdottir hofft nun, dass durch ihre Klage erstmals eine Entscheidung des Namenskomitees rückgängig gemacht wird. Dabei werden die Regeln inzwischen schon etwas großzügiger gehandhabt. So ist beispielsweise der Name Elvis erlaubt. Cara, Carolina, Cesil und Christa hatten hingegen keine Chance, weil kein "C" im isländischen Alphabet vorkommt, das aus 32 Buchstaben besteht.

Islands Namenswächter nehmen Aufgabe sehr ernst

"Das Gesetz ist da ziemlich klar, und deshalb heißt es in vielen Fällen Ja oder Nein", sagt Agusta Thorbergsdottir, Chefin des dreiköpfigen Gremiums, das von der Regierung für jeweils vier Jahre bestimmt wird. "Was der eine schön findet, empfindet jemand anderes als hässlich", sagt sie. Als Beispiel nennt sie "Satania", das den Namenswächtern zu nahe an Satan war.

Das Komitee kann auch sein Veto einlegen, wenn Isländer ihren Namen ändern wollen. Den zweiten Vornamen in "Zeppelin" oder "X" umzuwandeln, fand dabei keine Gnade. Als der Künstler Birgir Orn Thoroddsen seinen Namen in Curver ändern wollte, war ihm klar, dass ihm das Gremium die kalte Schulter zeigen würde. "Mich hatte inspiriert, wie Prince seine Namen in 'Der Künster, der früher als Prince bekannt war' änderte oder Puff Daddy in P. Diddy und dann in Diddy. Ohne groß nachzudenken und ohne auf Kritik zu stoßen", sagt er. "Als ich meinen Antrag stellte, habe ich ein Nein erwartet."

"Und meine Tochter liebt ihren Namen"

Während Thoroddsen seinen Ärger über Medien verbreitet, ist Eidsdottir bereit, bis zum Obersten Gerichtshof des Landes zu gehen. "Es sind so viele seltsame Namen zugelassen worden, und was es noch frustrierender macht, ist, dass Blaer perfekt isländisch ist", sagt sie. "Es scheint es doch ein Menschenrecht zu sein, sein Kind zu nennen, wie man will. Vor allem, wenn es dadurch keinen Schaden erleidet", meint die Mutter. "Und meine Tochter liebt ihren Namen."

Das sind die Regeln für die Namensgebung in Deutschland

Einige allgemeine Regeln sind in Deutschland für Eltern zu beachten: Der Name oder zumindest ein zweiter ergänzender, muss das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Er darf kein Titel wie zum Beispiel "Prinzessin" und kein Orts- oder Markenname wie zum Beispiel "Escada" sein. Zuweilen müssen die Differenzen bei der Vornamensgebung vor Gericht gelöst werden. So wurde vor einigen Jahren entschieden, dass der Vorname "Frieden-Mit-Gott-Allein-Durch-Jesus-Christus" bei allem Respekt vor der Religiosität nicht geht.

Unzählige Streitfälle

In Deutschland werden pro Jahr Dutzende Gerichtsverfahren im Streit um Vornamen geführt. Vom Amtsgericht aufwärts kann der Weg theoretisch bis in die höchste Instanz führen. Damit es nicht zum Äußersten kommt, appellierte der Präsident der Standesbeamten, Jürgen Büssow, an seine Kollegen: Sie müssen "viel Fingerspitzengefühl und umfassende Rechtskenntnisse haben", um befriedigende und abgesicherte Lösungen zu finden.

Dabei kann die "Gesellschaft für deutsche Sprache" in Wiesbaden helfen. Die Wissenschaftler und Experten geben Auskünfte und erstellen Gutachten. "Unsere Beamten wissen manchmal schlichtweg nicht, ob der gewünschte Rufname nun männlich oder weiblich ist", sagt Tryba. Der Germanist und Namensforscher Müller schaut in zahlreiche Vornamensbücher und lange Listen der eigenen Dokumentation, in denen mehr als hunderttausend Namen verzeichnet sind. Müller und seine Kollegen können sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. "Wir haben pro Jahr etwa 2000 Anfragen." Noch vor 15 Jahren wurden die Experten im Jahr nur einmal in 100 Fällen schriftlich zu Rate gezogen.

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