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Wirtschaft: Stürmische Zeiten für Windenergie-Hersteller - IG Metall protestiert

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Wirtschaft  

Stürmische Zeiten für Windenergie-Hersteller - IG Metall protestiert

29.11.2017, 16:00 Uhr | dpa-AFX

HAMBURG (dpa-AFX) - Die IG Metall Küste hat vor dem Verlust weiterer Arbeitsplätze bei den Herstellern von Windkraftanlagen in Norddeutschland gewarnt. "Stoppt den Kahlschlag in den Unternehmen", forderte Bezirksleiter Meinhard Geiken bei einer Kundgebung vor der Siemens -Niederlassung am Mittwoch in Hamburg. Erforderlich seien gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften, um das Know-how der Windindustrie zu sichern. In diesem Jahr habe die Branche bereits 1500 bis 2000 Arbeitsplätze verloren.

Die IG Metall ist bei Siemens aufgezogen, weil der deutsch-spanische Tochterkonzern Siemens Gamesa etwa jeden fünften Arbeitsplatz streichen will. Was das für die deutschen Standorte bedeutet, ist noch nicht bekannt. Wohl aber haben andere Hersteller schon Maßnahmen ergriffen, um sich im veränderten Wettbewerb zu behaupten: Bei Senvion fallen in diesem Jahr 720 Arbeitsplätze weg, die Standorte in Husum und dem brandenburgischen Trampe wurden geschlossen, ebenso die Rotorenfertigung in Bremerhaven. Nordex streicht bis zu 500 Stellen. Gewinne und Umsätze stehen bei allen Herstellern unter Druck, die Aktienkurse für die börsennotierten Unternehmen der Branche sind zum Teil dramatisch eingebrochen.

Das ist insofern etwas überraschend, als dass die Nachfrage nach Windkraftanlagen weltweit eher zunimmt. In den kommenden Jahren werden weltweit 70 bis 80 Gigawatt neue Windkraft-Kapazitäten pro Jahr installiert, bei Wachstumsraten um die fünf Prozent, heißt es im Marktausblick des Welt-Windenergie-Rates (GWEC). Das bedeutet mindestens 14 000 Windkraftwerke jährlich, wenn man eine Anlagengröße von fünf Megawatt annimmt - ein großer Absatzmarkt.

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Doch der erste Blick täuscht. Der größte Markt, China, ist für europäische Hersteller kaum zugänglich, sondern wird von einheimischen Unternehmen bedient. Und in den europäischen und nordamerikanischen Märkten weht ein rauer Wind: Viele Staaten haben ihre Subventionen für erneuerbare Energien auf den Prüfstand gestellt und teilweise reformiert. Die US-Regierung zum Beispiel will Steuergutschriften für Windkraft streichen.

Die Betreiber der Windparks müssen mit weniger öffentlichen Mitteln auskommen - und üben entsprechenden Preisdruck auf die Hersteller der Kraftwerke aus. Für die Stromkunden ist das eine eher gute Nachricht; sie werden mittelfristig entlastet. Doch die Kraftwerksbauer kommen in die Klemme: "Die Preise brechen so schnell ein, dass der technologische Fortschritt nicht mehr Schritt halten kann", sagt der Analyst Arash Roshan Zamir von Warburg Research.

In Deutschland hat die staatliche Energiepolitik die Expansion der Windkraft gleich mehrfach ausgebremst, um die Kosten im Zaum zu halten. Bei der Windkraft auf See (offshore) wurde zum einen der Ausbau in den kommenden Jahren von vornherein begrenzt, zum anderen ein Ausschreibungsverfahren eingeführt. Dagegen laufen nicht nur die Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände Sturm, sondern auch die Landesregierungen im Norden. An Land (onshore) sind die Zuschläge zuletzt an so genannte Bürgerwindparks gegangen, also unabhängige Zusammenschlüsse abseits der Konzerne. Sie verfügen über Privilegien und müssen erst später entscheiden, ob sie die Anlagen wirklich bauen - und das schafft Unsicherheit bei den Herstellern.

In dem einsetzenden Verdrängungswettbewerb haben große Hersteller Vorteile, weil sie höhere Stückzahlen liefern und damit auch preisgünstiger anbieten können. Für Mittelständler wie Senvion und Nordex wird es schwieriger. Ein starker Heimatmarkt würde ihnen auch beim Export helfen.

"Mit dem Stopp-and-Go der vergangenen Jahre muss Schluß sein", forderte Geiken. Wolfang Lemb aus dem Vorstand der IG Metall verlangte, die Deckelung der Ausbauziele aufzuheben, so genannte Bürgerenergie-Projekte nicht mehr zu bevorzugen und Windparks, die nicht verwirklich werden, neu auszuschreiben. Doch gegenwärtig fehlt in Berlin der Ansprechpartner. Solche Schritte könnte nur eine neue Bundesregierung gehen.

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