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Wie geht es jetzt weiter mit der Eurozone?

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Wie geht es jetzt weiter mit der Eurozone?

28.10.2011, 10:17 Uhr | dapd, dapd

Wie geht es jetzt weiter mit der Eurozone?. Wie sieht die Zukunft der Währungsunion aus? (Quelle: imago)

Wie sieht die Zukunft der Währungsunion aus? (Quelle: imago)

Die Märkte feiern die Ergebnisse des EU-Gipfels - manche Experten hingegen sehen die Vereinbarungen eher mit Skepsis. Fest steht wohl: Die Einigung der Staats- und Regierungschefs hat nicht alle Probleme gelöst, aber den Staaten Luft verschafft. Und wie geht es jetzt weiter mit der Eurozone? Wir beantworten Ihnen wichtige Fragen zur Zukunft des Euro-Raums.

Was bedeuten die Vereinbarungen für die Euro-Länder?

Die Staatslenker können durchatmen, sich aber noch nicht zurücklehnen. Erst müssen noch die Einzelheiten vereinbart werden, bevor im Januar der Schuldenschnitt für Griechenland durch den Austausch der alten Staatsanleihen gegen solche mit einem 50 Prozent geringeren Wert wirksam wird.

Warum sind jetzt schon die Bank-Aktien zweistellig gestiegen?

Dem verbreiteten Verdacht, die Märkte hätten es auf eine Kraftprobe mit der Euro-Gruppe ankommen lassen, haben die Staats- und Regierungschefs erst einmal eine Reaktion entgegengesetzt, die einem Etappensieg für die Politik gleichkommt. So begrüßte etwa der frühere Chef des Sachverständigenrats, Bert Rürup, das Ergebnis des Gipfels mit den Worten: "Die eine Billion, die durch den Hebel zur Verfügung steht, dürfte alle Spekulanten abschrecken."

Ist damit der Euro gerettet?

Die Banken sollen künftig eine Kernkapitalquote von mindestens neun Prozent erreichen, und zwar, nachdem sie ihren Bestand an Staatsanleihen zum Marktwert bewertet haben. Der Nennwert spielt dabei also keine Rolle mehr. Erfüllen sie das nicht, müssen sie ihre Eigenkapitalbasis erhöhen, wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann nach der Gipfel-Einigung erläuterte.

Das reduziert das Risiko, dass Banken gestützt werden müssen. Sobald die Lösung greift, schwebt über den Staaten nicht mehr das Damoklesschwert, Banken helfen zu müssen, die "too big to fail" sind - also zu groß, um sie scheitern zu lassen.

Wie hoch ist der Bedarf der Banken?

In Deutschland beläuft sich der Bedarf auf insgesamt rund fünf Milliarden Euro, im gesamten Euro-Raum auf gut 106 Milliarden. Nur in Notfällen muss dabei der Rettungsfonds EFSF eingreifen. Viele deutsche Banken haben schon angekündigt, die Anforderung ohne Hilfe stemmen zu können.

Welche kurzfristigen Risiken bestehen noch?

Diethard Simmert von der International School of Management (ISM) nennt eines: "Jede einzelne betroffene Bank muss den Abschreibungen in Höhe von 50 Prozent noch zustimmen. Dies kann sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten erstrecken." Er bezweifelte, dass alle Banken zustimmen.

Was muss geschehen, um die Eurozone dauerhaft stabil zu halten?

Das Problem ist, dass im Gegensatz etwa zur Bundesrepublik mit ihren Ländern, die nur teilweise autark in ihren Entscheidungen sind, die einzelnen Euro-Staaten volle Souveränität haben. Deshalb gilt auch theoretisch das Verbot von Quersubventionen, weil dann einzelne Staaten bequem auf Kosten anderer leben könnten.

In der Bundesrepublik wird das verhindert, indem Sanktionsmechanismen greifen, etwa die Schuldenbremse, bei der auch die Bundesländer bestimmte Bedingungen erfüllen müssen. Wollte ein Euro-Land dagegen an den Konsolidierungsbemühungen nicht teilnehmen, so gäbe es bislang keine Sanktionsmöglichkeiten.

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So sähe eine echte Währungsunion aus

Weidmanns Ansicht nach gibt es zwei Optionen, um das Ziel einer echten Währungsunion zu verwirklichen. Da wäre einmal die Rückbesinnung auf die Maastricht-Kriterien. Die Mitgliedsländer behalten die letztliche Entscheidungskompetenz für ihre Finanzpolitik, die aber prinzipiell mit gegenseitigem Haftungsausschluss verbunden ist. Als Konsequenz kämen dazu "ein härterer fiskalischer Rahmen, eine intensivierte Überwachung hinsichtlich gravierender gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen und als Ultima Ratio auch ein Krisenlösungsmechanismus".

Die Alternative Weidmann zufolge wäre "ein großer Schritt hin zu einer spürbar ausgeweiteten Verlagerung von Entscheidungskompetenzen auf die europäische Ebene, die dann in letzter Konsequenz auch zu einer gemeinschaftlichen Haftung führen kann". Überschreitet ein Land die vereinbarten Grenzen, verliert es seine haushaltspolitische Souveränität. Die Umsetzung dieser Option verlange allerdings umfassende Änderungen der europäischen Verträge und der nationalen Verfassungen, erklärte der Bundesbankpräsident.

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