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Krankheiten durch Zeckenstich: Ist Borreliose heilbar?

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GESUNHDEIT | ZECKEN  

Die ewige Krankheit

06.06.2008, 15:50 Uhr | Brigitte Zander, Spiegel Online

Eine Zecke auf menschlicher Haut (Foto: imago)Eine Zecke auf menschlicher Haut (Foto: imago)Die Zeckenkrankheit Lyme-Borreliose ist tückisch: Spätestens acht Jahre nach einer Infektion bricht die Krankheit aus. Eine Spontanheilung gibt es nicht, auch eine überstandene Borreliose macht nicht immun. Ein Arzt glaubt nun zu wissen, wie man die Krankheit wirksam bekämpft. Rund 4000 Bürgern im baden-württembergischen Kraichtal hat der Mediziner Dieter Hassler seit 1987 Blut abgezapft. Jede Probe untersuchte er auf Antikörper gegen die berüchtigte Zeckenkrankheit Lyme-Borreliose. Das ist eine Infektion durch ein Bakterium, das vom gemeinen Holzbock, einer Zeckenart, übertragen wird. Das überraschende Ergebnis: Bei 16,7 Prozent der Probanden zwischen drei und 94 Jahren, also bei fast jedem Siebten, war der Test positiv.

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Borreliose heilt nicht von selbst

Die meisten Betroffenen wussten nicht einmal, dass sie je von dem gemeinen Holzbock gestochen worden waren. Der Infektiologe schrieb zehn Jahre später über die Zwischenergebnisse seiner Zeckenforschung seine Habilitation, und führte die Untersuchungen mit wechselnder wissenschaftlicher Besetzung fort. Nach nunmehr zwei Jahrzehnten Forschung ist Dieter Hassler, heute Landarzt im Kraichtal, überzeugt: Bei einer Borreliose-Infektion gibt es keine Spontanheilung. "Alle seropositiv Getesteten wurden spätestens nach acht Jahren klinisch symptomatisch", bestätigte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das menschliche Immunsystem könne offensichtlich die Erreger nicht ausrotten. Wie Syphilis, HIV, und Hepatitis B und C sei auch Borreliose nicht selbst heilend sondern müsse zum richtigen Zeitpunkt mit Antibiotika behandelt werden.

Zu wenig Studien zur Krankheit

Hassler gibt zu, dass diese Erkenntnis lange wissenschaftlich umstritten war. "Aber einen fundierten Gegenbeweis konnte bisher keiner führen", sagt er. Seine 20-Jahres-Studie, die noch nicht veröffentlicht ist, sowie eine ältere Untersuchung von 1989 des Amerikaners LR Petersen an rund 1200 Probanden sind die einzigen international existierenden Langzeit-Untersuchungen. Sonstige Erkenntnisse zu Borreliose basieren auf Stichproben und Erfahrungswerten. Die Pharmaindustrie engagiert sich auch nicht in der Borreliose-Forschung, da die gängigen Medikamente längst patentfrei sind.

Hassler: "Borreliose ist heilbar"

In der ersten Infektionsphase nach einem frischen Zeckenstich empfiehlt Hassler Antibiotika in Tablettenform: Doxycyclin für Erwachsene, und das Amino-Penicillin Amoxicillin für Kinder und Schwangere. Im chronischen Stadium hat sich eine zwei- bis dreiwöchige Infusiontherapie mit Cefotaxim oder Ceftriaxon bewährt. Schon der erste Behandlungszyklus heilte bereits 82 Prozent seiner Patienten dauerhaft; der Rest brauchte bis zu vier Infusionsserien. Nur drei Kranken mit Allergien gegen Breitband-Antibiotika war nicht zu helfen. Folglich verkündet Hassler, wie jüngst auf dem Internisten-Kongress in Wiesbaden: "Lyme-Borreliose ist heilbar." Was ihm allerdings einige Protest-Mails von Selbsthilfe-Organisationen einbrachte, die von unheilbaren Krankheitsfällen berichteten. Inzwischen reisen Patienten von weit her ins Kraichtal.

Die tückische Krankheit

Das Tückische an der Lyme-Borreliose ist der verzögerte Ausbruch. "Bei den Erregern einer Lungenentzündung ist nach zwei Wochen klar wer gewonnen hat - der Mensch oder die Bakterien", sagt Hassler. "Die Borrelien hingegen agieren anfangs weniger aggressiv." Sie dringen zögernd, etwa drei Millimeter pro Tag, in den Körper vor, und vermehren sich im 24-Stunden-Zyklus. Ebenso langsam reagiert auch die Immunabwehr. Die erste sichtbare Reaktion zeigt sich meist erst ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich: Rund um die Einstichstelle bildet sich eine ringförmige Hautrötung, die sogenannte Wanderröte. Später klagen manche Betroffene über Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Herzklopfen, was aber üblicherweise als Sommergrippe abgehakt wird. Es kann sogar zu Rückenschmerzen kommen wie bei einem Bandscheibenvorfall. Weil aber viele Zeckenopfer nie ein solches Tier an ihrer Haut entdeckt haben, wird die richtige Diagnose in diesem Stadium oft verpasst.

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