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Migräne: Verzicht auf Pillenpause kann helfen

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Migräne  

Menstruelle Migräne lässt sich austricksen

27.07.2011, 14:02 Uhr | dpa/tmn

Migräne: Verzicht auf Pillenpause kann helfen. Menstruelle Migräne ist hormonell bedingt. (Foto: imago)

Menstruelle Migräne ist hormonell bedingt. (Foto: imago)

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Fachleute gehen von mehr als 165 verschiedenen Arten aus. Eine davon ist Migräne, unter der etwa 11 von 100 Menschen leiden. Weit verbreitet ist die so genannte menstruelle Migräne bei Frauen, die die Pille nehmen. Hier kann ein Verzicht auf die einwöchige Einnahmepause Linderung schaffen.

Menstruation kann Migräne auslösen

"Migräne ist ein starker, einseitiger, klopfender bis pulsierender Kopfschmerz, der 4 bis 72 Stunden anhält", beschreibt Uwe Reuter von der Charité in Berlin die Symptome. Der Schmerz werde meist von mindestens einem weiteren Symptom wie Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht oder Gerüchen sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Patienten können an verschiedenen Formen leiden: Migräne mit oder ohne Aura. Als Aura wird die Phase vor einer Attacke bezeichnet, erläutert Prof. Hans-Christoph Diener, Präsident der International Headache Society. Sie zeichnet sich durch Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen aus. Außerdem gibt es menstruelle oder menstruell assoziierte Migräneattacken. Bei der menstruellen Migräne treten die Anfälle überwiegend in der Zeit der weiblichen Regel auf. Sind sie menstruell assoziiert, leidet die Frau unabhängig von der Monatsblutung, hat aber währenddessen stärkere Symptome.

Verschiedene Faktoren lösen Attacken aus

Für eine Attacke gibt es häufig bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger-Faktoren. Änderungen des Hormonspiegels, Ernährung, Stress, unregelmäßiger Schlaf und das Wetter können laut Diener Faktoren sein. "Auch Alkohol oder Nahrungsmangel sind Trigger", erklärt Reuter. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner: die Veränderung des normalen Lebensrhythmus.

Hormonelle Entzugserscheinungen

Bei Frauen, die mit der Pille verhüten, ist eine hormonelle Schwankung der Auslöser für die menstruelle Migräne, erklärt der Endokrinologe Prof. Thomas Strowitzki von der Uni Heidelberg. Sie nehmen die Pille normalerweise drei Wochen ein und legen dann eine einwöchige Pause ein. Da die Pille aus den Hormonen Östrogen und Gestagen zusammengesetzt ist, sinkt in dieser Woche der Östrogen-Spiegel rapide ab. Die Frau ist quasi auf Entzug und bekommt dadurch Migräne.

Verzicht auf Pillenpause kann helfen

Bei menstrueller Migräne kann der Verzicht auf die Pillenpause helfen, erläutert Strowitzki, der Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist. Wer die Pille durchnimmt, leidet nicht unter hormonellen Schwankungen und hat somit keine menstruelle Migräne. Die Pillenpause sei nicht medizinisch notwendig. "Der Verzicht auf die Pillenpause ist schon seit 20 Jahren Standard", sagt der Neurologe Prof. Stefan Evers vom Universitätsklinikum Münster. "Betroffene Frauen können die Pille durchnehmen, sollten das aber erst mit ihrem Frauenarzt durchsprechen." Denn anders als mit östrogenfreien Verhütungsformen steigt das Schlaganfallrisiko mit einer östrogenhaltigen Pille bei Migränepatientinnen deutlich an. 

Hilfe bei leichten bis mittleren Schmerzen

Anderen Betroffenen reicht es schon, sich in einen abgedunkelten Raum zurückzuziehen und dort zu ruhen oder zu schlafen. Auch ein kühlender Lappen oder Eisbeutel erleichtern die Beschwerden, erläutert Diener. Bei leichten bis mittlerem Schmerzen empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) höher dosierte, rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure beziehungsweise Paracetamol oder Ibuprofen. Allerdings können sie mit der Zeit der Magenschleimhaut schaden.

Medikamente bei schweren Attacken

Bei schwereren Attacken werden oft Triptane verordnet - der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zufolge die am besten untersuchte Wirkstoffgruppe bei der Akuttherapie. Es besteht aber die Gefahr, dass sie bei zu häufiger Einnahme zu Dauerkopfschmerzen führen. Triptane blockieren die Ausschüttung der Botenstoffe im Gehirn. "Dadurch wird die Übertragung des Schmerzes von Nervenzelle zu Nervenzelle gehindert, und die geweiteten Blutgefäße werden wieder verengt", erklärt Reuter. Bei der medikamentösen Behandlung ist wichtig, dass sie rechtzeitig erfolgt. "Migräniker dürfen nicht so lange warten, bis die maximale Stärke des Schmerzes erreicht ist", warnt er. Sonst ist das Medikament wirkungslos.

Migräne lässt sich vorbeugen

Um einer Migräne vorzubeugen oder sie zu lindern, kann es helfen, die Auslöser zu vermeiden, rät Diener. Um diese kennenzulernen, sollten Betroffene ein Migräne-Tagebuch führen. "Dann weiß man, wie viele Attacken man im Monat hat und wie viele Tabletten man einnimmt", erläutert Reuter. Kernpunkt der Vorbeugung: den alltäglichen Stress in den Griff bekommen. Auch Entspannungstraining und Ausdauersportarten tragen dazu bei. Damit kann Reuter zufolge ein Drittel des Schmerzes reduziert werden. Für Migränepatienten, die sich in ihrer Lebensqualität besonders stark beeinträchtigt fühlen, kann es sinnvoll sein, mit Medikamenten vorzubeugen. Dabei handelt es sich um eine längerfristige Behandlung, die in der Regel nicht sofort Wirkung zeigt. Genutzt werden unter anderem Betablocker und Substanzen gegen epileptische Anfälle, erklärt Diener. Betablocker dienen eigentlich der Behandlung von zu hohem Blutdruck und anderer Herz-Kreislauf-Krankheiten. Welche Behandlung für sie infrage kommt, sollten Migränepatienten immer ausführlich mit ihrem Arzt besprechen.

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