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Reizdarmsyndrom: Expertenchat zum Thema Reizdarm

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Expertenchat zum Thema Reizdarm  

Das sind die Fragen und Antworten

07.10.2014, 16:10 Uhr | t-online.de

Reizdarmsyndrom: Expertenchat zum Thema Reizdarm. Prof. Dr. Thomas Frieling, Internist und Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum Krefeld beantwortete User-Fragen zum Thema Reizdarm-Syndrom und gesunder Darm.  (Quelle: Thinkstock/ Helios Klinikum Krefeld)

Prof. Dr. Thomas Frieling, Internist und Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum Krefeld beantwortete User-Fragen zum Thema Reizdarm-Syndrom und gesunder Darm. (Quelle: Thinkstock/ Helios Klinikum Krefeld)

Schmerzen im Bauchraum, Blähungen, Verstopfung und Unwohlsein können Symptome für einen Reizdarm sein. Doch auch andere Faktoren können den Darm krank machen. In unserem Expertenchat hat Professor Dr. Thomas Frieling,  Internist und Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum Krefeld, Fragen zum Thema Darm beantwortet. Hier können Sie die Antworten aus dem Live-Chat nachlesen.

Woran das Reizdarmsyndrom erkennen?

Leserin Bärbel fragte: Woran erkenne ich eigentlich einen Reizdarm? Was ist die genaue Definition?

Prof. Dr. Frieling: Das Reizdarmsyndrom ist eine organische Erkrankung mit wiederkehrenden Bauchbeschwerden, die die Lebensqualität deutlich einschränken. Mit den konventionellen Untersuchungstechniken lassen sich keine Ursachen finden. Häufig ist auch der Stuhlgang verändert. Verständlich Informationen finden Sie auch in den Flyern der Gastro-Liga (www.gastro-liga.de).

Ein Leser fragte daraufhin: Die genannten Symptome, also Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen, treten bei mir auf. Können Stress und sitzende Tätigkeit die Ursache sein?

Prof. Dr. Frieling: Stress und sitzende Tätigkeiten können Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen verursachen. Durch die Verbindungen zwischen Kopfhirn und Bauchhirn sind die Ursachen komplex, sodass sie nur individuell geklärt werden können.

Thom fragte: Habe schon seit circa sieben Wochen immer wieder ein Ziehen im Darmbereich. Eine Koloskopie war negativ, es wurden nur Divertikel festgestellt. Der Stuhl ist normal.

Prof. Dr. Frieling: Hier könnte ein Reizdarmsyndrom vorliegen. Die kurze Beschwerdezeit deutet aber möglicherweise auf eine andere Ursache hin. Ich empfehle die Vorstellung bei einem Gastroenterologen.

Inneke fragte: Ich habe in letzter Zeit oft ein "Vibrieren" in meinem Unterleib. Fühlt sich an, wie die Vibration eines Handys. Woher kann das kommen? Hab was gelesen von wegen allergische Reaktion, psychosomatisches Problem oder ähnliches?

Prof. Dr. Frieling: Eine allergische Reaktion ist das sicher nicht. Solche Missempfindungen sollte man abklären. Auch eine Entzündung würde sich anders äußern. Ich würde erst einmal auf die psychischen oder sozialen Faktoren eingehen. Aber das sollte individuell besprochen werden.

Helfen pflanzliche Mittel?

Nicole fragte: Können Sie pflanzliche Mittel empfehlen? Ich habe mal gehört, Pfefferminzöl soll helfen.

Prof. Dr. Frieling: Pflanzliche Mittel haben einen bewiesenen guten Effekt bei funktionellen Bauchbeschwerden, zum Beispiel Reizdarmsyndrom. Pfefferminzöl wäre eine Möglichkeit.

Julia fragte: Ich habe gerade nach dem Essen Bauchschmerzen und Durchfall. Was hilft da?

Prof. Dr. Frieling: Da sollte man eine Ernährungsanalyse bei einem Ernährungsmediziner oder Gastroenterologen durchführen. Wenn es nach dem Essen vorkommt, könnte es mit einer Unverträglichkeit oder Lebensmittelallergie zusammenhängen. FODMAP könnte helfen

Peter fragte: Ich habe Nachts immer Blähungen, es kommt über lange Zeit zum Schlafdefizit - wie gehe ich das Überprüfen einer Nahrungsmittelintoleranz an (meine Vermutung) - welche Nahrungsmittel erzeugen am häufigsten Blähungen?

Prof. Dr. Frieling: Gehen Sie zum einem Gastroenterologen und lassen sie anhand eines Atemtests eine Zuckerunverträglichkeit testen. Auch eine FODMAP-Diät könnte helfen. Zuckerbestandteile, Proteine, Weizen oder Gluten, auch Milchzucker oder Fruchtzucker können zu Blähungen führen. Das gilt aber im Prinzip für jede Lebensmittelunverträglichkeit.

Wir fragten: Was versteht man denn unter dem FODMAP-Prinzip?

Prof. Dr. Frieling:

F steht für fermentierbar. Das sind Zuckerstoffe, die von den Darmbakterien zersetzt werden können.
O steht Oligosaccharide
D steht für Disaccharide
A steht für and
P steht für Polyole. Das sind Alkoholmoleküle, die im Essen vorkommen. 
Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Patienten auf Diäten mit wenig FODMAPS ansprechen, also mit Nahrungsmitteln, die wenige dieser Kohlenhydrate enthalten. Dazu zählen beispielsweise Bananen, Blaubeeren, Himbeeren, Zucchini, glutenfreie Mehle. Nicht geeignet sind unter anderem Äpfel, Mango, Kuhmilch oder Rosenkohl. Der Patient bekommt dann eine entsprechende Liste, die dann individuell besprochen wird. Das FODMAP stammt aus Amerika und es gibt Studien, die eine Erfolgsquote von 70 Prozent belegen. Ich habe damit auch schon gute Erfahrungen gemacht. Die Ernährung spielt bei diesen Beschwerden eine große Rolle.

Jörg fragte: Gibt es eine Übersicht deutschlandweit zu Spezialisten, welche sich mit dem Thema Reizdarm beschäftigen?

Prof. Dr. Frieling: Das ist schwierig, meines Wissens gibt es eine solche Liste nicht. Man kann über die Gastroliga (www.gastro-liga.de) versuchen, Experten zu finden. Auch unter www.neurogastro.de könnte man gute Fachärzte finden. 
Dann gibt es noch die Deutsche Reizdarmselbsthilfe e.V. http://www.reizdarmselbsthilfe.de/

Martina fragte: Wenn ich aufgeregt bin oder wir wollen wegfahren oder auch fliegen, bekomme ich Durchfall. Gleich ist es, wenn ich auf der Arbeit bin und etwas esse. Ich kann die Uhr stellen und spätestens nach einer 3/4 Stunde bekomme ich Durchfall und muss dann auch sofort gehen. Das geht jeden Tag so. Ist dies auch ein Reizdarm und was kann ich dagegen tun?

Prof. Dr. Frieling: Wahrscheinlich handelt es sich um Stresssituationen die auftreten und zu einer Darmempfindlichkeit führen. Wenn es nur in bestimmten Situationen auftritt, ist das für einen Reizdarm nicht typisch.

Was tun bei Verstopfung?

Anna fragte: Ich habe immer Verstopfungen. Trinke genug (3 Liter) und ernähre mich einigermaßen gesund. Alles fing mit der Geburt meines Sohnes vor 3 Jahren an. Leichte Schmerzen links am Darm habe ich auch. Blut war nie im Stuhl.

Prof. Dr. Frieling: Verstopfung ist ein großes Problem. Da gibt zwei Arten der Verstopfung:  den trägen Darm und die Stuhlentleerungsstörung. Auch Sie sollten sich bei einem Gastroenterologen vorstellen. Auch eine ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung können helfen. Man kann es auch mit Makrogolen probieren. Das sind Alkoholmoleküle, die vom Körper nicht aufgenommen werden. Zudem kann man es mit einem klassischen Abführmittel probieren.

Manuela fragte: Unmittelbar nach den Essen, egal ob eine Kleinigkeit oder eine Hauptmahlzeit, bläht sich mein Magen und Bauch derart auf, dass man denken könnte ich bin im neunten Monat schwanger.

Prof. Dr. Frieling: Das kann man nicht so einfach beantworten. Unklare Blähungen nach dem Essen sind schwierig zu klären. Man kann nur eine Ernährungsanalyse machen und  Zucker- sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder auch eine bakterielle Dünndarmbesiedelung ausschließen. Auch psychosomatische Zusammenhänge könnten eine Rolle spielen. Sie sollten sich bei einem Experten vorstellen.

Gitte fragte: Auch ich bin seit vielen Jahren Reizdarmpatientin. Ich habe immer wieder Angst, es könnte doch eine chronische Darmerkrankung (Crohn oder Colitis Ulcerosa) dahinter stecken. Ich gehe regelmäßig zur Darmspiegelung. Wie genau werden in Abgrenzung zum Reizdarm diese chronischen Erkrankungen festgestellt.

Prof. Dr. Frieling: Grundsätzlich sollte man einmal richtig untersuchen. Das heißt, man muss eine Magen- und Darmspiegelung machen. Auch der Dünndarm sollte mit einer Kapsel angeschaut werden. Wenn dann eine chronische entzündliche Erkrankung ausgeschlossen ist, ist das Reizdarmsyndrom eine sichere Diagnose. Sich zu oft untersuchen zu lassen, macht keinen Sinn.

E. Roell fragte: Vor vier Jahren hat man mir ca. 60 cm vom Dickdarm entfernt. Ich habe jetzt sehr oft Blähungen und Durchfall. Was kann ich dagegen tun?

Prof. Dr. Frieling: Die Darmfunktion sollte durch diesen Eingriff nicht grundlegend verändert worden sein. Es kann aber sein, dass durch die Operation die Bakterienflora verändert wurde oder dass sich Bakterien im Dünndarm angesiedelt haben. Hier können entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden. Ein Therapieversuch mit Probiotika oder eine Ernährungsumstellung nach dem FODMAP Prinzip können hilfreich sein.

Heilbarer Reizdarm?

Jörg fragte: Ist das Reizdarmsyndrom überhaupt heilbar?

Prof. Dr. Frieling: Das Reizdarmsyndrom ist prinzipiell heilbar und klingt häufig auch spontan ab. Es gibt aber nicht das "alleinige" Medikament das alles bessert. Hier liegen komplexe Vorgänge vor, die immer individuell angegangen werden müssen.

Max fragte: Welche Auswirkungen hat das Rauchen auf die Verdauung? Manchmal ist alles normal, dann aber auch wieder nicht.

Prof. Dr. Frieling: Nikotin hat zahlreiche Wirkungen auf die Darmfunktion- zum Beispiel das Frühstückszigarettchen, das morgens den Darm anregt. Es gibt Patienten, die mit Durchfall auf Rauchen reagieren. Das ist sehr komplex, nicht alle reagieren gleich. Der Magen-Darm-Trakt hat ein eigenes Gehirn, das nennt man enterisches Nervensystem, im Volksmund "Bauchhirn“ genannt. Viele der funktionalen Erkrankungen werden durch Störungen des Bauchhirns begründet. Wenn es andere Einflüsse wie zum Beispiel eine Erkältung oder Rauchen gibt, kann es im Bauchhirn zu Fehlfunktionen kommen, das kann dann zum Beispiel Durchfall sein.

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