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Suchtpotenzial: Nasentropfen

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Nasentropfen-Sucht bloß nicht unterschätzen

22.10.2014, 17:49 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Suchtpotenzial: Nasentropfen. Nasentropfen besitzen ein hohes Suchtpotenzial. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nasentropfen besitzen ein hohes Suchtpotenzial. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Zisch" und "Tropf"- schon können wir wieder durchatmen. Nasentropfen und -sprays sind in der Erkältungszeit auf fast jedem Nachttisch zu finden. Doch was unsere Nase befreit, kann sie auch dauerhaft verstopfen. Experten sprechen dann von einer "Nasentropfen-Sucht". Wir haben einen Hals-Nasen-Ohren-Experten gefragt, wie lange man abschwellende Mittel nehmen darf und was gegen den Gewöhnungseffekt hilft.

"Bei Nasentropfen und -sprays gilt eine einfache Faustregel", erklärt Dr. Michael E. Deeg, HNO-Arzt und Pressesprecher des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. "Länger als eine Woche sollte man die abschwellenden Mittel nicht anwenden, denn dann droht der Gewöhnungseffekt." Das heißt, die Nasenschleimhaut schwillt an, sobald der Wirkstoff ausbleibt. Die Nase hat verlernt, sich selbst zu regenerieren.

Mit einer dauerhaft verstopften Nase besser zum Arzt

Die Sieben-Tage-Regel sollte für den Patienten kein Problem darstellen, sagt Deeg. Nach einer Woche sei ein Infekt in der Regel wieder abgeklungen, spätestens nach zwei Wochen. Wer länger mit einer verstopften Nase zu kämpfen habe, solle auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, so seine Warnung. Dann könne eine andere Erkrankung hinter den Beschwerden stecken. 

"Ein-Loch-Strategie" wirkt Abhängigkeit entgegen

Plagt die Erkältung den Betroffenen trotzdem länger, ist es hilfreich, die Nasenlöcher abzuwechseln. Bei der "Ein-Loch-Strategie" wird immer nur ein Nasenloch mit dem abschwellenden Mittel behandelt. Schwillt dieses wieder zu, werden die Tropfen in das andere Nasenloch gegeben. So hat das unbehandelte Nasenloch mehr Zeit für die Regeneration, die Wirkstoffmenge wird reduziert und der Gewöhnungseffekt tritt nicht so schnell ein.

Rund 100.000 Deutsche sind abhängig von Nasentropfen

Mediziner sprechen dann von einer Abhängigkeit, wenn der Patient die Präparate bereits länger als zwei Wochen einnimmt und die Nase verstopft, sobald er das Präparat weglässt. Schätzungen des Berufsverbandes zufolge sind rund 100.000 Deutsche von Nasenspray abhängig.

Egal ob Xylometazolin, Oxymetazolin oder Phenylephrin: Das Risiko eine "Sucht" zu entwickeln, ist bei allen abschwellenden Wirkstoffen gleich. Auch der in vielen Nasentropfen enthaltene Wirkstoff Dexpanthenol kann den Gewöhnungseffekt nicht aufhalten: "Dexpanthenol sorgt lediglich dafür, dass die Schleimhaut nicht so stark austrocknet. Eine Gewöhnung kann sich trotzdem entwickeln", erklärt Deeg.

Und wie sieht es mit Nasentropfen für Kinder aus? Dürfen diese länger benutzt werden? Schließlich haben sie nur die halbe Wirkstoffkonzentration. "Nein", sagt der HNO-Experte. "Auch für diese Mittel gilt die Sieben-Tage-Regel. Nur bei Nasentropfen, die speziell gegen Allergien entwickelt wurden, besteht kein Gewöhnungsrisiko, da andere Inhaltsstoffe, beispielsweise Kortison,  eingesetzt werden."

Nasenspülungen mit Salzwasser lindern Beschwerden

Doch was können Patienten tun, die ohne die Tropfen nicht mehr auskommen und es nicht schaffen, sie abzusetzen? Mit ärztlicher Hilfe ist es in der Regel kein Problem, die Schleimhaut zu entwöhnen. Wichtig ist, dass der Patient motiviert ist und auch etwas Geduld mitbringt. Unter ärztlicher Aufsicht wird die Wirkstoffmenge Stück für Stück reduziert. "Meist sehen die Schritte so aus, dass wir den Patienten zuerst raten, zu Kindernasentropfen zu greifen. Des Weiteren soll der Betroffene immer erst dann sprühen, wenn die Nase wirklich zu ist. Die ‚Ein-Loch-Methode‘ ist ebenfalls gut zur Entwöhnung geeignet", erklärt Deeg.

Der Experte rät seinen Patienten zudem zu Nasenspülungen mit Salzwasser: "Das hilft sehr gut bei einer trockenen Nase und unterstützt die Schleimhaut bei der Regeneration." Zudem wirke das Salz leicht abschwellend und fördere die Funktion der Flimmerhärchen in der Nase. Ebenfalls hilfreich können Meerwasser-Nasensprays, Nasensalben und -öle sein. Diese Maßnahmen zeigen allerdings nur dann Erfolg, wenn die Nasenschleimhaut noch nicht angegriffen ist. Hat sie bereits Schaden genommen, kann sie in vielen Fällen nicht mehr geheilt werden.

Abschwellende Wirkstoffe begünstigen eine Stinknase

Bei manchen Patienten entwickelt sich eine sogenannte Stinknase. Hierbei versagen die Flimmerhärchen ihren Dienst. Das Gewebe trocknet aus, wird von Bakterien befallen und zersetzt sich. Es bilden sich Verkrustungen, sogenannte Borken, die unangenehm riechen. "Wie die Nase eines Patienten auf eine dauerhafte Nutzung der abschwellenden Nasentropfen reagiert, kann man nicht vorhersagen. Es gibt Menschen, die seit vielen Jahren Nasentropfen nehmen und noch keine Anzeichen zeigen. Bei anderen büßt die Schleimhaut recht schnell ihre Funktion ein", sagt Deeg. 

Doch die abschwellenden Wirkstoffe haben nicht nur Einfluss auf die Funktion der Nase. Laut Beipackzettel kann es bei der Anwendung zu Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzrasen kommen, sowie zu einem Anstieg des Blutdrucks, Hautausschlag, Herzrhythmusstörungen und bei Schwangeren können die Wehen vorzeitig einsetzen. Das sei dann möglich, wenn man die Tropfen dauerhaft überdosiere, erklärt der Experte. Generell sei es für die Gesundheit der Nase das Beste, die Mittel so kurz wie möglich einzunehmen.

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