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Nahrungsmittelunverträglichkeit: Wenn gesunde Ernährung krank macht

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Ernährung  

Wenn gesunde Ernährung krank macht

23.09.2011, 11:56 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Wenn gesunde Ernährung krank macht. Nahrungsmittelunverträglichkeiten machen betroffenen Kindern das Leben schwer.  (Quelle: imago)

Nahrungsmittelunverträglichkeiten machen betroffenen Kindern das Leben schwer. (Quelle: imago)

Ein Glas Milch, ein Apfel oder ein paniertes Schnitzel können schlimme Folgen haben: Plötzlich auftretende Bauchkrämpfe und Durchfälle quälen das Kind und oft dauert es sehr lange, bis endlich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit diagnostiziert wird. Wobei eine Unverträglichkeit nicht mit einer Allergie zu verwechseln ist. Sie ist nämlich nicht gefährlich. Aber sie macht den betroffenen Kindern das Leben sehr schwer.

Während eine Allergie eine Immunreaktion des Körpers bedeutet, die oft sofort nach dem Essen auftritt, spielen sich Unverträglichkeiten hauptsächlich im Darm ab und zeigen sich erst deutlich später. "Hier fehlen beispielsweise Enzyme, also Verdauungsstoffe“, erklärt der Ernährungsexperte und Medizinjournalist Sven-David Müller. "Einen typischen Fall in diesem Bereich stellt die Milchzuckerunverträglichkeit, die so genannte Laktoseintoleranz, dar. Hierbei kann der Milchzucker nicht verdaut werden. Er gelangt in tiefe Darmabschnitte des Dickdarms und sorgt hier für Blähungen und Durchfall. Das milchzuckerspaltende Enzym Laktase fehlt oder ist nicht aktiv.“ Etwa die Hälfte aller Menschen teilt dieses Problem. Die meisten Asiaten und Afrikaner müssen auf milchzuckerhaltige Lebensmittel verzichten, aber auch rund 15 Prozent aller Deutschen haben damit zu kämpfen, wobei die Dunkelziffer noch um einiges höher liegen dürfte.

Ein Ernährungstagebuch führt auf die richtige Spur

Weitere typische Unverträglichkeiten bei Kindern gibt es gegen Fruktose und Sorbit sowie gegen Gluten, einem Kleber-Eiweiß, das in bestimmten Getreidesorten enthalten ist. Bei Säuglingen und Kindern spricht man hier von einer Zöliakie, die leicht mit einem Schnelltest nachgewiesen werden kann. Allen anderen Unverträglichkeiten kommt man heute mit speziellen Atemtests, den Ärzte bereits bei kleinen Kindern durchführen können, auf die Spur. Die Konzentration von Wasserstoff in der ausgeatmeten Luft zeigt, ob es sich bei Beschwerden tatsächlich um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit handelt. Bevor man den Kinderarzt oder auch den Kinder-Gastroenterologen aufsucht, empfiehlt es sich, ein Ernährungstagebuch zu führen und darin zu verzeichnen, wann Bauchschmerzen oder Durchfälle aufgetreten sind.

Falsche Ernährung an sich ist nicht der Auslöser

Eine solche Intoleranz muss nicht vollständig sein, manchmal können geringe Mengen des oder der Nahrungsmittel problemlos verzehrt werden und erst ab einer bestimmten Toleranzschwelle reagiert der Körper mit den typischen Symptomen wie Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen, Bauchweh und Durchfall. Aber auch häufige Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen oder dauernde Müdigkeit können Zeichen sein. In vielen Familien ist eine Nahrungsmittelintoleranz vererbt. Sie kann aber auch im Laufe des Lebens erworben werden.

Allerdings nicht durch eine falsche Ernährung, darauf weist Sven-David Müller ganz deutlich hin: "Lediglich bei Veränderungen der Darmflora kann es zu einer Unverträglichkeit oder Allergie kommen.“ Zum Beispiel, wenn die Darmflora nach einer Antibiotikabehandlung nicht wieder aufgebaut wird oder sich nach einer Magen-Darm-Grippe erst wieder erholen muss. Hier empfiehlt der Ernährungsexperte, regelmäßig Probiotika aufzunehmen. "Das sind in der Regel Milchsäurebakterien oder bestimmte Pilze, die die Darmflora gesund und leistungsstark im Kampf gegen Krankheiten machen und dafür sorgen, dass bestimmte Substanzen nicht in den Körper gelangen.“

Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen nicht zu, sie werden nur eher erkannt

Seit einiger Zeit rücken Nahrungsmittelunverträglichkeiten immer mehr in den Fokus und werden dadurch auch schneller erkannt. "Oft erscheint es - insbesondere in den Medien - so, als würden immer mehr Menschen Lebensmittel beziehungsweise Zusatzstoffe nicht vertragen oder allergisch darauf reagieren. Wissenschaftliche Untersuchungen oder Statistiken bestätigen diesen Eindruck nicht. Die Zahl der Nahrungsmittelallergiker ist nach wie vor gering. Lediglich Allergien gegen Milcheiweiße, Hühnereieiweiße, Soja, Fisch und Meerestiere oder Nüsse spielen hier überhaupt eine größere Rolle“, so der Autor zahlreicher Ernährungsratgeber. "Aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden nicht häufiger. Was allerdings zunimmt, sind die Untersuchungen und viele Patienten, die bisher ohne Diagnose waren, wissen jetzt, dass sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben.“

Essen ist nur dann gesund, wenn es auch vertragen wird

Sich gut und ausgewogen zu ernähren, ist mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht immer einfach. Fünf Portionen Obst am Tag? Für jemanden, der Sorbit nicht verträgt, das sich vor allem in Kernobst befindet und damit in fast allen heimischen Obstorten, wird es schwierig. Was vermeintlich gesund ist, macht die Betroffenen krank. Und den Müttern Sorge. Denn wie kommt ein solches Kind an die notwendigen Vitamine, wie erhält ein Kind, das eine Laktoseintoleranz aufweist das nötige Kalzium? Hier kann man mit kleinen Tricks arbeiten: Gut gereifter Hartkäse zum Beispiel ist so gut wie laktosefrei, auch Sauer- oder Buttermilch enthalten relativ wenig davon und sorgen genau wie entsprechende Mineralwasser für die notwendige Kalziumversorgung. In gut sortierten Läden gehören laktose- und glutenfreie Lebensmittel inzwischen zum Standardprogramm. Auch auf Obst müssen Kinder, die unter Fruktose- oder Sorbitintoleranz leiden, nicht gänzlich verzichten. Es gibt Sorten, wie zum Beispiel Brombeeren oder Mandarinen, die diese Kinder vertragen. Um den Vitaminhaushalt aufzubessern, sollte man verstärkt andere vitaminreiche Lebensmittel, also zum Beispiel Gemüse, in den Speiseplan einbauen.

Bei einer Sorbitintoleranz auf die E-Nummern achten

Sobald eine Intoleranz nachgewiesen ist, erhält man eine Liste mit den entsprechend zu meidenden Obstsorten und deren Sorbitgehalt vom Kinderarzt. Doch das Sorbit versteckt sich nicht nur in Obst, man findet es auch in zahlreichen industriell hergestellten Lebensmittel als Zuckeraustauschstoff mit dem Namen E420. Und nicht nur dort. Auch hinter den E-Nummern 432 bis 436 verstecken sich Sorbitverbindungen. Wenn das Kind unter einer Sorbitintoleranz leidet, sollte man ihm beibringen, darauf zu achten und vor allem auf alle Süßigkeiten mit dem Begriff "zuckerfrei" oder "kalorienarm" zu verzichten.  Entscheidend ist bei jeder Unverträglichkeit, sich die Zutaten- beziehungsweise Inhaltsstofflisten genau anzusehen. Und zwar nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Medikamenten.

Auf Fertigprodukte und Diätlebensmittel möglichst verzichten

Wenn ein Kind unter einer Unverträglichkeit leidet, so scheint es zwar zunächst schwierig, die entsprechenden Nahrungsmittel komplett zu meiden. Vor allem, wenn Geschwister da sind, die diese Lebensmittel problemlos essen können. Doch mit ein wenig Rücksichtnahme und einer kleinen Umstellung beim Kochen, eventuell unterstützt durch spezielle Kochbücher, ist es durchaus möglich. Am besten ist es, möglichst auf Fertigprodukte zu verzichten und zum Beispiel selbst glutenfrei zu backen. Dann weiß man wirklich, was drin ist. Aufgrund der belastenden Folgen sind Kinder mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten meistens sehr vernünftig. Sie haben gelernt, was ihnen schadet, kennen die Auslöser der Symptome und versuchen sie von alleine zu meiden.

Das Umfeld informieren

Eine besonders heikle Situation für die betroffenen Kinder sind Übernachtungen bei anderen, Ausflüge mit der Schule oder Kindergeburtstage, bei denen sie oft fast im wahrsten Sinne des Wortes eine "Extrawurst" benötigen. In der Regel nehmen Großeltern und die Eltern von Freunden gerne Rücksicht, wenn man sie früh genug über die Folgen der Unverträglichkeit aufklärt. Wichtig ist, zumindest bei kleineren Kindern, den Kindergarten zu informieren und dort möglicherweise eine Leckerei, die das Kind verträgt, zu deponieren. Zum Beispiel für den Fall, dass in der Gruppe ein Geburtstag gefeiert wird und sich die Erzieher nicht sicher sind, ob das Angebotene auch gut ist für das Kind. Auch Grundschullehrer sind dankbar, wenn man sie bereits im Vorfeld aufklärt. So sind sie sensibilisiert und können bei den ersten Anzeichen von Bauchschmerzen richtig reagieren. 

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