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Plötzlicher Schauder bei Babys: Was kann das sein?

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Wissenschaftlich noch nicht erforscht  

Plötzlicher Schauder bei Harndrang

26.10.2017, 19:05 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Plötzlicher Schauder bei Babys: Was kann das sein?. Plötzlicher Schauder bei Harndrang (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/thepicthing)

Das Phänomen sieht aus wie ein kurzer Schüttelfrost und scheint von außen durch nichts beeinflussbar zu sein. (Quelle: Symbolbild/thepicthing/Thinkstock by Getty-Images)

Auf einmal schüttelt es das Baby. Der kleine Körper zieht sich kurz zusammen, um sich gleich danach wieder zu entspannen. Und das mehrmals täglich. Sofort kommen bei besorgten Eltern Bilder hoch von heftigen Krampfanfällen und Epilepsie. Doch im Normalfall können die Ärzte beruhigen. Das Phänomen hat ganz andere Ursachen.

Das Schaudern hängt mit dem Pieseln zusammen

Es ist unkontrollierbar und kommt ganz plötzlich: ein Schaudern, das den Rücken hinunterfährt und den Oberkörper eine knappe Sekunde lang durchschüttelt. Es sieht aus wie ein kurzer Schüttelfrost und scheint von außen durch nichts beeinflussbar zu sein. Beobachtet man das Kind aufmerksam, fällt schnell ein Zusammenhang auf: das Schaudern tritt entweder vor, während oder seltener auch nach dem Urinieren auf. Dr. Axel-Jürg Potempa wird in seiner Praxis immer wieder auf das krampfartige Schütteln angesprochen. Der Facharzt für Urologie beruhigt die Eltern dann: "Auch wenn es keine wissenschaftlichen Daten dafür gibt, so ist doch klar, dass dieses Schaudern keinerlei pathologischen, also keinen krankhaften Hintergrund hat. Und auch keine Konsequenzen." 

Versucht der Körper, sich schnell wieder aufzuwärmen?

Der Urologe vergleicht das Schütteln mit dem, das sich zeigt, wenn es uns friert. "Wärme könnte dabei durchaus eine Rolle spielen. Durch das Pinkeln wird der Wärmespeicher nach außen hin entleert und der Körper versucht durch das Zusammenziehen von Muskeln neue Wärme zu schaffen." Das allerdings gilt nur dann, wenn das Schütteln des Körpers während des Pinkelns oder kurz danach auftritt. Aber viele Kinder schüttelt es auch kurz davor.

"Und genau das spricht dafür, dass es sich hier um eine Körperreaktion handelt, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird." Der Harndrang baut sich langsam auf, auch Neugeborene pieseln nicht jeden Tropfen sofort. Der Körper hält also den Urin zurück, muss sozusagen gegen diesen Trieb, Wasser zu lassen, unbewusst ankämpfen. "Das ist die Aufgabe des Sympathikus, der den Schließmuskel angespannt hält, um keinen Urin unkontrolliert entweichen zu lassen. Ist der Harndrang hoch, dann wird der Parasympathikus, der Gegenspieler sozusagen, aktiviert. Und genau dieser Umschwung der Nervensignale verursacht den Schauder." Das erklärt auch das Schütteln vor dem Pinkeln, zu einem Zeitpunkt, an dem sozusagen Sympathikus und Parasympathikus noch miteinander streiten, wer die Oberhand bekommt. 

"Es kitzelt in der Blase"

Ältere Kinder beschreiben das Gefühl beim Schaudern als Kitzeln in der Blasengegend. Manche haben es immer, andere nur manchmal. Der achtjährige Johann findet diesen Körperschauder, den er nicht kontrollieren kann, peinlich. "Früher ist meine Mama sofort gerannt gekommen, wenn sie mein Brrrrr aus dem Kinderzimmer gehört hat und hat mich aufs Klo geschickt. Und heute muss sie immer lachen und meine Geschwister auch", schmollt er. Johann ist der einzige in der Familie, den es schüttelt, wenn er pinkeln muss. Bisher zumindest. Denn jetzt hat seine große Schwester einen Freund. Zu Johanns Trost. "Den schüttelt es nämlich auch!", grinst der Drittklässler.

Jungs schüttelt es häufiger als Mädchen

Axel-Jürg Potempa hält es durchaus für möglich, dass auch Bewegung eine Rolle spielen könnte. Und sich das Schütteln durch langes Stillsitzen vorher noch verstärkt. "Eventuell betrifft das Schaudern eher diejenigen, die grundsätzlich schon über mehr Körperspannung verfügen."

Dass mehr Jungs als Mädchen sich bei Harndrang schütteln, könnte nach Ansicht des Urologen ganz einfache Gründe haben: "Mädchen gehen viel öfter zur Toilette. Was auch daran liegt, dass wir in unserer Gesellschaft Jungs nach wie vor dazu anhalten, sich ‚zusammenzureißen‘. Eindrücke, die Kinder von ihrer Umwelt erfahren, projizieren sich auf das vegetative Nervensystem." Als Beispiel nennt er Männer, die nicht in Pissoirs pinkeln können, weil sie die Blasenschließmuskel in diesem Moment einfach nicht aufbekommen. "Das hat nichts mit Scham zu tun, sondern sitzt viel tiefer."

Bei Zweifeln lieber einmal mehr zum Kinderarzt

Das Phänomen ist harmlos, manchmal verwächst es sich, manchmal bleibt es bis zum Erwachsenenalter. Trotzdem sollte man sein Kind gut beobachten und wenn man sich Sorgen macht, das Thema beim Kinderarzt ansprechen, um Shuddering Attacks – ein hochfrequentes Zittern von Kopf, Schultern und Oberkörper, das bis zu hundertmal täglich auftreten kann – oder auch andere Auslöser auszuschließen. Wichtig sind zum einen Angaben darüber, wie oft und wann das Schaudern auftritt, ob es zum Beispiel Epilepsien in der Familie gibt oder etwas darauf hinweist, dass das Kind während des Schüttelns "abwesend" ist. Dabei sind Videoaufnahmen, die man zuhause gemacht hat, hilfreich. So kann sich der Arzt ein schnelles Bild machen und in den meisten Fällen die Sorgen der Eltern zerstreuen.

Das Schütteln als Zeichen erkennen

Erkennt man den Zusammenhang zwischen dem kurzen Schütteln des Körpers und dem Drang, pieseln zu müssen, dann ist es übrigens ein Leichtes, schon ein Baby windelfrei zu bekommen. Ähnlich dem kurzen, schrillen Schrei, den manche Säuglinge ausstoßen ist das Schütteln ein Signal, das man für diesen Zweck gut nutzen kann. 

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