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Trockene Augen: Jeder Fünfte leidet unter Sicca-Syndrom

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Trockene Augen  

Jeder Fünfte leidet unter dem Sicca-Syndrom

04.07.2013, 11:00 Uhr | dpa-tmn

Trockene Augen: Jeder Fünfte leidet unter Sicca-Syndrom. Sicca-Syndrom: Jeder Fünfte leidet unter trockenen Augen.   (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sicca-Syndrom: Jeder Fünfte leidet unter trockenen Augen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Brennende, gereizte Augen, das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben oder Lichtempfindlichkeit: Das sind Symptome von trockenen Augen. Von solchen Beschwerden sind so viele Menschen betroffen, dass Augenärzte von der Volkskrankheit Trockene Augen sprechen, auch Sicca-Syndrom genannt. "Etwa jeder fünfte Patient, der in die Praxis kommt, leidet darunter", sagt Prof. Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf. 


Tropfen aus der Apotheke als erste Hilfe

Dabei geht gar nicht jeder Betroffene direkt zum Arzt. "Augentropfen muss man selbst zahlen. Beim Facharzt gibt es meist lange Terminwartezeiten. Da liegt der Gang direkt in die Apotheke nahe", erläutert Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Ein Apotheker kann zwar keine medizinische Diagnose stellen. Aber: "Mit den frei verkäuflichen Mitteln kann man nichts dramatisch falsch machen", urteilt Geerling. "Das einzige, was passieren kann, ist, dass das Mittel nicht hilft."


Ursachen für trockene Augen sollten abgeklärt werden

Dauern die Beschwerden an, führt kein Weg am Augenarzt vorbei. Denn nur wenn die Ursache der trockenen Augen bekannt ist, können sie gezielt behandelt werden. Die Probleme können beispielsweise auf der Nebenwirkung eines Medikaments beruhen. Möglicherweise gibt es alternative Präparate, die der Arzt verordnen kann. "Die häufigsten Ursachen sind Umweltfaktoren wie schlechte Luft, Zugluft, Klimaanlagen oder Bildschirmarbeit", sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Frische Luft oder eine andere Raumsituation des Arbeitsplatzes können die für die Augen ungünstigen Umwelteinflüsse zumindest mindern. 

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Tränenfilm reinigt das Auge

"Bei der Bildschirmarbeit oder auch beim Fernsehen ist das Problem der monotone, konzentrierte Blick. Man vergisst leicht zu blinzeln", erläutert Augenarzt Eckert. Dann schlägt das Augenlid statt sonst zehn- bis 15 Mal in der Minute nur noch ein- bis zweimal. Für das Auge heißt das: Die Tränenflüssigkeit wird nicht gleichmäßig verteilt. Hornhaut, Bindehaut und Innenseite der Lider werden nicht mehr ausreichend ernährt und geschützt. "Der Tränenfilm befeuchtet die Augenoberfläche und versorgt die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen", erklärt Geerling. Er reinigt das Auge aber auch von Schmutz, Fremdkörpern und Bakterien. Und er glättet die Hornoberfläche und macht damit scharfes Sehen überhaupt erst möglich. 


Untersuchung mit einem Mikroskop

Ist das Blinzeln nur durch die eigenen Sehgewohnheiten beeinträchtigt, so lässt sich leicht Abhilfe schaffen. "Man kann einfach ab und zu mal aus dem Fenster schauen oder bewusst die Augen zumachen", schlägt Eckert vor. Mithilfe eines Biomikroskops, der Spaltlampe, kann der Mediziner untersuchen, ob die Lidfunktion generell beeinträchtigt ist. 
Aber auch der Tränenfilm an sich kann gestört sein. "Die Tränenflüssigkeit ist ein komplexes und damit auch störanfälliges Gebilde aus drei Schichten", erklärt Geerling. Die unterste schleimartige Muzinschicht sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit am Auge haftet. Darüber befindet sich eine größere wässrige Schicht. Sie wird von einer Fett- (Lipid-)schicht vor dem Verdunsten bewahrt. Alle drei Komponenten können gestört sein. "Es kann sein, dass das Auge zu wenige oder zu viele Tränen produziert oder dass deren Zusammensetzung gestört ist", ergänzt Eckert. 

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Schirmer-Test kann helfen

Die Menge der wässrigen Tränenflüssigkeit prüft der Augenarzt mit dem sogenannten Schirmer-Test: Er legt einen kleinen Filterpapierstreifen ins Auge und liest nach kurzer Zeit ab, wie weit dieser befeuchtet ist. Stabilität und Qualität des Tränenfilms lassen sich über die Tränenaufrisszeit beurteilen: Mit der Spaltlampe bestimmt der Augenarzt die Zeit zwischen dem Lidschlag und dem Aufreißen des Tränenfilms. Dazu wird die Hornhaut mit einem Farbstoff gefärbt. Durch eine sogenannte Interferometrie wird der Ölanteil des Tränenfilms analysiert. 


Um Störungen der Tränenflüssigkeit zu behandeln, werden Tränenersatzmittel eingesetzt. Das gilt auch, wenn die trockenen Augen Begleiterscheinung von Rheuma, einer Schilddrüsen- oder anderen Erkrankung sind. ´"Es gibt allerdings hunderte Präparate, so dass auch ich als Augenarzt kaum sagen kann, "Patient A wird von Medikament B am meisten profitieren", berichtet Geerling. Die Art der Störung gibt die Richtung für die Zusammensetzung des Medikamentes vor. Dann probieren nach Geerlings Beobachtung die meisten Patienten mehrere Mittel aus und bleiben bei einem hängen, mit dem sie gut zurecht kommen.


Tränenersatzmittel können auch die Augen schädigen

Tränenersatzmittel mit Konservierungsstoffen sind zwar länger haltbar, sie können jedoch bei langer Anwendung das Auge schädigen, so Apothekerin Sellerberg. "Die Alternative sind Präparate ohne Konservierungsmittel, entweder in Form von Einmaldosen oder als Comod-System." Bei letzteren sind die Behälter so konstruiert, dass beim Gebrauch keine Keime hineingeraten können. "Sie sind etwas schwieriger anzuwenden und beispielsweise für ältere Menschen damit weniger gut geeignet, weil man die Flasche mit Kraft zusammendrücken muss", sagt Sellerberg. 


Fläschchen dürfen Auge nicht berühren

Für alle Mittel gilt: Die Fläschchen dürfen das Auge nicht berühren, die Tropfen müssen ins Auge fallen. "Ein guter Trick ist: Man legt sich auf den Rücken, schließt die Augen und gibt einen Tropfen in den Augeninnenwinkel. Wenn man das Auge dann öffnet, verteilt sich die Flüssigkeit automatisch", rät Sellerberg. Augentropfen sollten nicht im Kühlschrank gelagert werden, da sie dort zäh werden. Mittel mit Konservierungsstoffen gehören nach der Aufbrauchfrist in den Müll. 

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