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Behandlung von Prostatakrebs: Experte rät zur "Aktiven Überwachung"

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Viele Prostata-OPs unnötig  

Experte für alternative Methode bei Prostata-Krebs

16.03.2015, 16:54 Uhr | Matthias Lauerer

Behandlung von Prostatakrebs: Experte rät zur "Aktiven Überwachung". Eine OP an der Prostata sollte gut überlegt sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine OP an der Prostata sollte gut überlegt sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Krebs der Vorsteherdrüse: Jährlich 62.000 deutsche Männer hören jene Diagnose von ihrem Urologen zum ersten Mal. Das Problem: Betroffene werden per Operation oder Bestrahlung oft übertherapiert. Was nur wenige wissen: Auch die schonende, so genannte "Aktive Überwachung" könnte als Therapie für sie interessant sein.

30 bis 40 Prozent aller diagnostizierten Prostatakrebsfälle müssen nicht sofort behandelt werden. Denn die Wucherungen sind noch auf das Organ begrenzt, wenig bösartig und damit nicht lebensbedrohlich. Doch in diese "Aktive Überwachung" gelangen nur 14 Prozent jener Krebsfälle.

Nicht jeder Tumor gleich gefährlich

"Die Diagnose Prostatakrebs kann für die Patienten unterschiedliche Bedeutungen haben. Wichtig für Betroffene ist es, die Eigenschaften seines Krebses zu kennen. Nur so kann er als mündiger Patient mit seinem Arzt das Vorgehen festlegen. Denn dieser Krebs ist – auch ohne Therapie – für die Mehrzahl der Betroffenen nicht lebensbegrenzend", sagt Professor Böcking, ehemaliger Leiter des Instituts für Cytopathologie am Düsseldorfer Universitätsklinikum.

Gleason-Grad oft fehlerhaft

Ob eine "Aktive Überwachung" oder eine sofortige Therapie mit OP oder Bestrahlung sinnvoll ist, entscheiden Ärzte bisher per "Gleason-Grad". Der zeigt anhand einer Gewebeprobe, wie sehr sich Krebszellen bereits von gesunden Zellen unterscheiden. Mittels Aussehen wird der Befund in eine der fünf Kategorien eingeteilt. Gruppe 1 bedeutet: Sieht gesunden Zellen oder Gewebe noch weitgehend ähnlich. In Gruppe 5 ist das Aussehen dann sehr stark verändert. Seinen Namen erhielt der Index vom US-Mediziner Donald Gleason. Diese Diagnosemethode hält Professor Böcking jedoch für unzureichend: "Der oft fehlerhafte ´Gleason-Grad´ alleine reicht für eine so schwerwiegende Entscheidung nicht", sagt Professor Böcking. 

DNA-Zytometrie hilft bei Tumor-Abschätzung

Sinnvoll sei, bei passendem Befund, eine "DNA-Zytometrie, so Böcking. Dort wird per Bildanalyse und PC der DNA-Gehalt, kurz für Desoxyribonukleinsäure, tausender Tumorzellkerne nach deren spezieller Färbung gemessen – und so die Bösartigkeit des Tumors ermittelt. Indirekt wird damit das Chaos der Chromosomen in den Tumorzellen bestimmt, welches ein Maß für deren Aggressivität ist.

"Wir machen mit der DNA-Zytometrie die Entscheidung für eine ´Aktive Überwachung´ für Arzt und Patienten leichter, weil wir das zukünftige Verhalten des Tumors wesentlich sicherer vorhersagen können", sagt Böcking. Doch erst 2011 wurde diese Behandlung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen.

Mögliche Hilfe für je 48 Euro statt 7000 Euro?

Pro DNA-Untersuchung gibt es von der Krankenkasse 48 Euro. Kommt es zur Operation, werden pro Eingriff in der Fallpauschale nach Aussage eines Mediziners gut 7.000 Euro überwiesen. Mögliche OP-Folgen: Neben starken Schmerzen und dem Krankenhausaufenthalt sind massive Schäden möglich. Inkontinenz, also der ungewollte Harnverlust oder Impotenz gehören dazu.

2012 schrieb die Barmer GEK in ihrem Krankenhaus Report: "Eine operative Entfernung der Prostata nach Krebsdiagnose will gut überlegt sein. Ein Jahr nach Krankenhausaufenthalt berichtet das Gros der Patienten von erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität." Weiter heißt es: "Durchwachsen sind die Zufriedenheitswerte: 52 Prozent der Befragten sind mit dem Behandlungsergebnis uneingeschränkt zufrieden, 41 Prozent eingeschränkt, sieben Prozent unzufrieden." Neuere Erhebungen der Krankenkasse zum Thema liegen nicht vor.

Sehr gute Form der Beobachtung

Am Universitätsklinikum des Saarlandes arbeitet Professor Dr. Stefan Siemer als stellvertretender Leiter an der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Auch er sieht das Problem mit der derzeit gängigen Behandlung von Prostata-Tumoren: "Da zuverlässige Marker fehlen, die ein aggressives Karzinom von einem harmlosen unterscheiden, werden viele Patienten mittels Operation oder Bestrahlung übertherapiert", so der Experte. Ohne aktive Überwachung würden gar 90 Prozent der betroffenen Männer übertherapiert.

Er verweist allerdings auch auf ein Problem mit der DNA-Untersuchung: "Die DNA-Zytometrie könnte von der Grundidee her sinnvoll sein. Das Problem ist jedoch, dass es dazu keine belastbaren Daten gibt, die belegen, dass eine Anwendung beim Prostatakarzinom (bösartiger Tumor) sinnvoll ist. Dies müsste jedoch nachgewiesen werden."

Neue Studie vergleicht Therapiemethoden

Es sind die üblichen Probleme bei neuen Therapieformen, es gibt häufig noch zu wenige Studien zu deren Wirksamkeit und bis Ergebnisse vorliegen, kann es dauern. Seit 2012 läuft die PREFERE-Studie. Sie ist laut eigener Aussage die "weltweit größte Studie zum lokal begrenzten Prostatakarzinom. Erstmalig werden alle in Frage kommenden Therapieoptionen bei diesem Krebs miteinander verglichen." Beteiligt sind etwa 7.600 Patienten. Sie werden über einen Zeitraum von mindestens 13 Jahren bis zum Studienende beobachtet. Dann liegen Zahlen vor, die sämtliche Therapieoptionen, wie auch die DNA-Zytometrie, miteinander vergleichbar machen.

Neuer Standard festgelegt

Zumindest besteht Hoffnung, dass sich die Behandlung von Prostata-Tumoren schneller verbessert: Im November 2014 hatten sich 25 Pathologen unter der Schirmherrschaft der "Akademie für Fortbildung in der Morphologie" in Frankfurt am Main auf eine Standardmethode bei der "Aktiven Überwachung" geeinigt. Hintergrund dafür: Die Methode der DNA-Zytometrie soll weiter bekannt und verbreitet werden und Patienten so helfen, Operationen nur anzugehen, wenn diese nötig sind. Dafür sei neben der Aufklärung auch ein anerkannter Standard notwendig. Die Akademie wird vom "Bundesverband Deutscher Pathologen e. V." und der "Deutschen Gesellschaft für Pathologie e. V." getragen.

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