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Kreisrunder Haarausfall: Merkwürdige Krankheit, kaum Antworten

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Mysteriöse Krankheit  

Wenn die kahlen Stellen kommen

04.05.2016, 09:16 Uhr | Elena Zelle, dpa

Kreisrunder Haarausfall: Merkwürdige Krankheit, kaum Antworten. Kreisrunder Haarausfall macht Betroffenen Angst. Die Medizin hat nicht wirklich eine Antwort. (Quelle: dpa/tmn)

Kreisrunder Haarausfall macht Betroffenen Angst. Die Medizin hat nicht wirklich eine Antwort. (Quelle: dpa/tmn)

Zunächst gibt es da eine kleine, kahle Stelle am Kopf. Doch die wird schnell größer, kann sich auf den ganzen Kopf ausweiten. Kreisrunder Haarausfall macht Betroffenen Angst. Richtig Mut machen die Erkenntnisse der Medizin nicht.

Die Alopecia areata - so der medizinische Fachbegriff - ist eine entzündliche Haarausfallerkrankung. Dabei entstehen typischerweise auf dem Kopf eine oder mehrere münzgroße, haarlose Stellen. Es können aber auch andere Körperstellen wie etwa der Bart betroffen sein, erläutert Christoph Liebich. Liebich ist Hautarzt in München und Mitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen. Unabhängig von Alter und Geschlecht kann jeder an Kreisrundem Haarausfall erkranken.

Ursachen der Krankheit unklar

Mitunter kann der Haarausfall sich auf den ganzen Kopf ausweiten - dann ist von einer "Alopecia totalis" die Rede. Ist der ganze Körper betroffen, spricht man von einer "Alopecia universalis2. "Es muss nicht in eine totale Form des Haarausfalls übergehen", sagt Liebich. Die Ursachen sind weitgehend unklar. Nach derzeitigem Stand der Forschung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dass etwa Stress oder Vererbung bei der Erkrankung eine Rolle spielen, ist nicht wissenschaftlich belegt.

Die Erkrankung ist weder lebensbedrohlich, noch haben die Betroffenen Schmerzen oder Juckreiz. Aber: "Die Menschen haben einen hohen Leidensdruck, und die Behandlung ist sehr limitiert", sagt Prof. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Die Methoden sind experimentell und die Medikamente nicht für die Behandlung der Alopecia areata zugelassen", erklärt er.

Bei kahlen Stellen zum Hautarzt

Nichtsdestotrotz sollten Betroffene zum Dermatologen gehen, wenn sie eine oder mehrere kahle Stellen bemerken. So können auch auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. In der Regel empfiehlt der Arzt die Einnahme von Zinktabletten über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten. Dass das hilft, sei jedoch nicht wissenschaftlich belegt, betont Wolff. Auch eine Behandlung mit Kortison komme infrage, wenn das Haar plötzlich und büschelweise ausfällt. Die Behandlung sei allerdings in der Regel mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme verbunden und führe fast nie zu einem nachhaltigen Haarwachstum, sagt Wolff.

Als weitere Möglichkeit nennt Wolff die sogenannte topische Immuntherapie mit einem Kontaktallergen wie Diphencyprone (DCP). Er betont aber: Das Kontaktallergen DCP ist nicht als Medikament zugelassen - es handelt sich dabei um eine Chemikalie. Diese wird auf die Kopfhaut aufgetragen. Durch die Reizung soll das Haarwachstum wieder angeregt werden. "Im Extremfall kann man davon einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen. Bei Menschen mit dunkler Haut sind außerdem Pigmentierungsstörungen möglich." Auch Hautarzt Liebich betont, dass die Nebenwirkungen sehr unangenehm sein können. Es können sich Blasen bilden, die Haut kann sich schuppen und röten.

Wer das in Kauf nehmen will, sollte die Behandlung höchstens für einen begrenzten Zeitraum ausprobieren. "Wenn nach drei Monaten gar nichts passiert ist, würde ich die Behandlung abbrechen", sagt Wolff. Deutet sich ein leichtes Wachstum an, kann man die Behandlung auf sechs Monate ausdehnen. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten nicht. Sie belaufen sich laut Wolff zwischen 250 und 500 Euro pro Quartal.

Verlauf lässt sich kaum vorhersagen

Eine weitere Möglichkeit sei die immunsuppressive Behandlung. Sie werde bereits von einigen Ärzten bei Schuppenflechte und Rheuma eingesetzt, sagt Wolff: Durch die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems soll der Haarausfall verhindert werden. Patienten werden so aber auch anfälliger für Infekte. Der Mediziner selbst wendet diese Methode nicht an. Zuvor müsse die Behandlung in klinischen Studien genauer geprüft werden. "Das wird noch Jahre dauern."

Der Verlauf der Krankheit lasse sich so gut wie nicht vorhersagen. Nichtsdestotrotz ist unter bestimmten Umständen die Prognose ganz gut: Hat man zum ersten Mal ein oder zwei kahle Flecken - nicht größer als eine Münze - stehen die Chancen nicht schlecht, dass von alleine nach sechs bis zwölf Monaten alles wieder zugewachsen ist, sagt Wolff. Schlechter sehe es allerdings aus, wenn der Haarausfall sehr ausgeprägt ist und über einen längeren Zeitraum keine Haare nachwachsen. Dann sollt man versuchen, sich bestmöglich mit der Situation zu arrangieren. Zum Beispiel gibt es die Alopecia areata Deutschland Selbsthilfegruppe. Vielen Betroffenen helfe es, sich mit anderen auszutauschen.

Betroffene haben oft große Angst

Hautarzt Liebich betont, dass die Erkrankung vor allem zu Beginn mit großer Angst verbunden ist. "Man sollte versuchen, die Angst gegebenenfalls auch mit therapeutischer Hilfe möglichst klein zu halten." Vielleicht kann der Dermatologe einen guten Ansprechpartner empfehlen. Betroffene klammern sich oft an jeden Strohhalm - und geraten dann an die Falschen, weiß auch Wolff. "Es gibt viele Scharlatane", betont er. Etwa wenn ein Behandler versucht, teure Therapiemethoden zu verkaufen oder Heilung verspricht, sollte der Patient alarmiert sein. 

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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