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Crystal Meth: Was Sie über die Droge wissen sollten

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Droge unserer Leistungsgesellschaft  

Crystal Meth: Erst kommt das Hoch, dann der Fall

27.11.2017, 19:53 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Crystal Meth: Was Sie über die Droge wissen sollten. Nach zweieinhalb Jahren Crystal-Meth-Konsum ist die einst jugendlich wirkende Frau kaum wiederzuerkennen.  (Quelle: Faces of Meth)

Nach zweieinhalb Jahren Crystal-Meth-Konsum ist die einst jugendlich wirkende Frau kaum wiederzuerkennen. (Quelle: Faces of Meth)

Crystal Meth (Methamphetamin) ist eine Droge unserer Leistungsgesellschaft. Das Suchtmittel wird nicht nur auf Partys konsumiert. Immer häufiger greifen Menschen zu der Droge, um im Alltag und Beruf leistungsfähig zu sein. Doch Crystal Meth hat ein extrem hohes Suchtpotential – und birgt eine große Gefahr für die Gesundheit.

Crystal Meth (kristallines Methamphetamin) ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, darunter Pervitin, Methedrin, Ruppe und Europa Crystal. Chemisch ist Methamphetamin eine Abwandlung des Amphetamins. Zu den Amphetaminen gehört beispielsweise Speed. Crystal Meth wird über die chemische Reduktion von Ephedrin hergestellt. Ephedrin wird in geringer Dosierung auch in Erkältungs- und Asthmamitteln eingesetzt, um die Nasen- und Bronchialschleimhäute abschwellen zu lassen. Ephedrin ist der Hauptwirkstoff der Pflanze Ephedra vulgaris.

Erstkontakt mit Crystal Meth häufig auf Partys

Crystal Meth ist in Form kleiner Kristalle oder als Pulver erhältlich. Die illegale Droge kann geschluckt, gesnieft, geraucht und gespritzt werden. In Deutschland nimmt die Verbreitung von Crystal Meth zu. Vor allem die Grenzregion zu Tschechien scheint vermehrt betroffen zu sein. Die meisten Konsumenten sind auf Partys oder über Freunde zum ersten Mal mit der Droge in Kontakt gekommen. Sie wollten sie aus Neugier "einfach mal probieren".

Crystal Meth ist eine psychoaktive Substanz, die aufmerksamkeits-, konzentrations- und leistungssteigernd wirkt. Müdigkeit und Hunger treten in den Hintergrund, ebenso das Schmerzempfinden und Ängste. Hingegen nehmen Selbstbewusstsein Glücksgefühle und Euphorie zu.

So wirkt Crystal Meth im Gehirn

Ausgelöst werden diese positiven Empfindungen, weil Crystal Meth an die Nervenzellen im Gehirn andockt und die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin ankurbelt. Während Noradrenalin als Stresshormon den Körper in Konzentration, Reaktion und Leistungsfähigkeit unterstützt, wirken die Glückshormone Dopamin und Serotonin auf das Belohnungszentrum im Gehirn und verursachen positive Gefühle. Manche Konsumenten blieben bis zu 15 Tage wach, so das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS). Wie stark die Effekte auftreten und wie lange sie anhalten, hängt von der Dosis, der individuellen Verfassung des Konsumenten, der Situation sowie dem Gewöhnungsgrad ab.

Crystal Meth hat ein enormes Suchtpotential. Das Risiko einer Abhängigkeit ist höher als bei anderen Stimulanzien. Das liege daran, dass die Droge das Gehirn sehr schnell flute und zu einem intensiven Rauscherlebnis führe, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Die lange Wirkdauer von mehreren Stunden bis Tagen erlaube ein langes Hochgefühl – dem allerdings eine ebenso lange wie sehr unangenehme Verstimmung folge. In dieser Phase sei der erneute Konsum von Methamphetamin besonders groß. Hinzu kommt, dass die Dosis stetig erhöht werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung). Mit jedem erneuten Konsum wächst das Suchtrisiko.

Crystal Meth: Mehr Leistungs- statt Partydroge

Nach Angaben der DHS spielt Crystal Meth als Party-Droge eine eher geringe Rolle. Aufgrund der leistungssteigernden und konzentrationsfördernden Wirkung werde die Droge vermehrt von Personen mit starken beruflichen Belastungen konsumiert, etwa im Bereich der Schicht- und Fließbandarbeit. Doch auch Manager, Politiker, Menschen in befristeten oder prekären Arbeitsverhältnissen sowie Studierende würden zu Crystal Meth greifen.

Der Konsum der Droge sei ein Versuch, den gesteigerten Anforderungen der Leistungsgesellschaft gerecht zu werden, so die DHS. Crystal Meth fungiere teilweise als "Kaffee-Ersatz", um Leistungseinbrüchen zu begegnen und weiter aktiv, wach, kreativ und konzentriert zu sein. Nach außen werde dabei meist kein Methamphetamin-typisches Verhalten sichtbar.

Viele Frauen konsumieren Crystal Meth

Der Anteil der konsumierenden Frauen ist im Vergleich zu anderen illegalen Drogen verhältnismäßig hoch. Viele Frauen berichten, dass sie die Droge nehmen, um Beruf, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Auch die appetithemmende und den Bewegungsdrang verstärkende Wirkung wird geschätzt und zur Gewichtsabnahme herangezogen. Besteht bereits eine Abhängigkeit, ist die Versorgung der Kinder kaum mehr möglich. Alles dreht sich um den nächsten Rausch.
So berichtet eine Betroffene auf den Seiten des Vereins für Drogenaufklärung "Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben": "Mein Leben geriet außer Kontrolle, als ich einmal aus Langeweile mit ein paar Freundinnen ausging. Bei dieser Gelegenheit, ich war gerade 40 Jahre, nahm ich zum ersten Mal Meth. Drei Jahre später spritzte ich es. Ich verließ meine drei Kinder (10,12 und 15) und lebte schließlich auf der Straße."

Crystal Meth als Selbstmedikation für die seelische Balance

Auch der Konsum im Sinne einer "Selbstmedikation" ist häufig, wie der Fachverband Sucht e.V. berichtet. Vor allem Menschen mit psychischen Problemen seien betroffen, die sich über die Droge zumindest kurzfristig Abhilfe von belastenden Emotionen und Lebensumständen verschaffen möchten. Daher sind belastende Ereignisse wie Liebeskummer, Jobverlust, Tod eines geliebten Menschen, Probleme in der Familie und Depressionen häufig Gründe für den Erstkonsum.

Methamphetamin-Konsum nimmt zu

Suchtberatungsstellen verzeichnen einen Anstieg der Behandlungsnachfragen wegen Stimulanzienkonsums: Betrug die Anzahl der Hilfesuchenden 2007 ambulant 2695, waren es 2014 bereits 10.682, wie die DHS in ihrer Arbeitshilfe "Methamphetamin" schreibt – Tendenz steigend. Wie viele Crystal Meth-Konsumenten darunter sind, ist unklar. Methamphetamin wird laut der DHS bis 2017 nur zusammen mit Amphetaminen (dazu zählt Speed) erfasst. Detaillierte Angaben zu Verbreitung und Konsum von Crystal Meth fehlen daher.
Das mittlere Erstkonsumalter liegt bei 20 Jahren, eine große Anzahl greift erst mit über 30 Jahren zu der Droge. Der erste Kontakt erfolgt meist aus Neugier und meist auf Veranstaltungen in Clubs, Festivals oder im Rahmen von Familienfeiern. Doch auch der bewusste Erstkonsum am Arbeitsplatz oder in der Schule ist nicht unüblich. Ein Drittel der Konsumenten konsumiert fast täglich.


Die körperlichen Folgen von Crystal Meth

Die körperlichen Folgen von Crystal Meth sind erheblich. Nach Abklingen des Rausches treten starke Nebenwirkungen auf, die teilweise mehrere Tage bis Wochen andauern. Dazu gehören unter anderem:

  • Schwindel
  • starkes Schwitzen und Überhitzen des Körpers
  • Herzrasen mit Blutdruckanstieg
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • starke Erschöpfung
  • Muskelkrämpfe, Zittern

Zu den langfristigen körperlichen Symptomen, die der Konsum mit sich bringen kann, gehören:

  • Hautveränderungen und -entzündungen
  • Untergewicht
  • Zahnschäden durch vernachlässigte Mundhygiene
  • Hirnblutungen
  • Nierenschäden
  • Schädigung von Nervenzellen im Gehirn
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit
  • ein erhöhtes Schlaganfallrisiko

Laut dem Fachverband Sucht e.V ist zudem das Risiko für koronare Herzkrankheit und Herzmuskelerkrankungen erhöht, da die Droge das Herz schwächt und zu einer Gewebsvergrößerung führt. Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen könnten im Extremfall zum Herztod führen. Da es innerhalb des Nervensystems zu Schädigungen komme, steige außerdem das Parkinson-Risiko.

Crystal Meth und die Auswirkungen auf die Psyche

Doch nicht nur die körperlichen Symptome machen den Konsumenten zu schaffen. Auch psychisch fallen sie in ein Loch: Unruhe, Antriebslosigkeit, Lethargie, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Psychosen und Ängste gehören ebenso zu den Folgen des Konsums wie Panikattacken, Depressionen, Wahrnehmungsstörungen, Verfolgungs- und Zwangsgedanken. 

Auch Persönlichkeitsveränderungen und Psychosen aufgrund von Vergiftungserscheinungen und Überdosierungen sind häufig. Aufgrund des hohen Abhängigkeitspotentials ist der Ausstieg schwer. Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa elf Prozent der Abhängigen geholfen werden kann. 

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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