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Diagnose Vulvodynie: "Ich hatte solche Schmerzen"

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Vulvodynie  

"Ich hatte solche Schmerzen, dass ich weinen musste"

29.06.2016, 16:07 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Diagnose Vulvodynie: "Ich hatte solche Schmerzen". Was tun, wenn es ständig schmerzt? Manche Frauen leiden unter der sogenannten Vulvodynie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was tun, wenn es ständig schmerzt? Manche Frauen leiden unter der sogenannten Vulvodynie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sex sollte schön sein, doch für manche Frauen ist er vor allem schmerzhaft. Was tun, wenn es ständig schmerzt? Manche Frauen leiden unter der sogenannten Vulvodynie. Ein Arzt erklärt, was hilft.

Als Marlene (Name geändert) das erste Mal Sex hatte, wunderte sie sich nicht über die Schmerzen. Das sei normal, dachte sie. Es würde sich schon bessern. Das tat es nicht. "Ich hatte solche Schmerzen, dass ich weinen musste", erzählt sie. Es fühlte sich an, als würde sie zerreißen. Alles Mögliche hätten sie und ihr damaliger Partner versucht: viel Gleitgel, Kondome, sich betrinken. Nichts half. "Wenn der Sex vorbei ist, brennt es an meiner Vulva, es tut wirklich weh." Diese Schmerzen hielten oft Stunden an, manchmal waren sie sogar am folgenden Tag noch nicht verschwunden.

Etwa ein Jahr nach ihrem ersten Mal, da war sie 18 Jahre alt, sprach Marlene das Problem beim Frauenarzt an. Der fand keine organische Ursache und schickte sie mit dem Satz nach Hause, es werde sich von selbst legen. Zwei weitere Gynäkologen, die sie in den folgenden Jahren kontaktierte, halfen ihr auch nicht weiter.

Heute ist Marlene 26 Jahre alt. Nachdem sie umgezogen und zu einer neuen Frauenärztin gegangen ist, hat sie endlich eine Diagnose erhalten: Vulvodynie. Inzwischen geht die österreichische Studentin zu einer Sexualtherapeutin.

Was bedeutet die Diagnose?

Unter Vulvodynie zusammengefasst werden Schmerzen an den äußeren, primären Geschlechtsorganen der Frau. Zum Teil sind auch Bereiche im tieferen Bereich der Scheide oder der gesamte Beckenboden inklusive des Anus betroffen. Einigen Betroffenen geht es wie Marlene: Sie haben vom ersten Sex an immer starke Schmerzen. Bei der Mehrheit tritt die Vulvodynie erst später im Leben auf. Bei einem Teil der Betroffenen treten die Schmerzen nicht nur in Verbindung mit Geschlechtsverkehr auf. Ziehen, Brennen, Jucken sind ständige Begleiter. Und schon leichte Berührungen können die Pein verschlimmern. Unter anderem Fahrradfahren oder das Tragen eng anliegender Hosen werden dadurch unmöglich.

"Viele Patientinnen belastet, dass sie sich in ihrer Partnerschaft Sex wünschen, der aber ohne Schmerzen nicht möglich ist", sagt Heiko Wolf von der Klinik für Schmerzmedizin am Klinikum Frankfurt (Oder). Schätzungen zufolge seien bis zu 20 Prozent der Frauen betroffen - viele von ihnen allerdings nur zeitweise. Auch Männer können unter andauernden Schmerzen im Becken- und Genitalbereich leiden, dann spricht man vom Pelvic pain Syndrom.

Was sind die Ursachen der Krankheit?

So unterschiedlich die Beschwerden sein können, so verschieden sind vermutlich auch die Ursachen. Weil die von Vulvodynie betroffenen Frauen das Problem meist erst beim Frauenarzt ansprechen, werde oft nach akuten Infektionen mit Bakterien oder Pilzen gefahndet, sagt Wolf. "Und falls etwas gefunden wird, wird wiederholt mit Antibiotika oder Antimykotika behandelt." Das bringe jedoch oft keine Besserung, manche Frauen berichten, die Symptome hätten sich dadurch noch verschlimmert.

Bei Patientinnen, die die Schmerzsprechstunde an der Frankfurter Klinik aufsuchen, werden viele mögliche Ursachen abgeklärt, darunter rheumatische oder neurologische Beschwerden, Hautkrankheiten und speziell Kontaktallergien. "Am Ende bleibt aber oft unklar, woher die Schmerzen kommen", sagt Wolf. Es könne auch psychische Gründe geben, das müsse aber nicht der Fall sein.

Wolf erklärt, dass Ärzte auch körperliche Ursachen vermuten, die noch nicht oder nur schwer nachweisbar sind. Beispielsweise helfe manchen Frauen der Wirkstoff Gabapentin, der durch Nervenschäden ausgelöste Schmerzen bekämpfen kann – obwohl bei den Patientinnen mittels der verfügbaren Diagnostik keine Nervenschäden zu entdecken sind.

Eine weitere Theorie sei, dass hinter dem andauernden Schmerz eine fehlerhafte Immunreaktion steckt, aber auch das ist noch nicht erforscht.

Wärme, Kälte, Entspannung

Auch ohne die Ursachen zu kennen, können Ärzte vielen Betroffenen helfen. Das Ziel der Therapie sei, die Schmerzen zu reduzieren und zu lernen, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen.

Grundsätzlich könnten die Frauen alles ausprobieren, was nicht schade: Beispielsweise helfe einigen Wärme oder Kälte, wenn der Schmerz akut besonders stark ist. Beckenbodentraining oder Entspannungsübungen können die Beschwerden lindern, wenn sich verkrampfte Muskulatur lockert. Anders sei es mit Cortisonsalben: Sie könnten einigen Frauen helfen, auf Dauer jedoch schaden. "Wenn sie keine Linderung verschaffen, sollte man mit dem Cremen wieder aufhören", sagt Wolf. Grundsätzlich rät er zu einer zeitlich begrenzten und sparsamen Verwendung von Cremes und Salben.

Wenn die Schmerzen das Leben stark beeinträchtigen, schlägt sich das auf die Psyche nieder, manche Betroffene entwickeln Depressionen. Dann ist eine ergänzende Psychotherapie sinnvoll.

Wo sind die Spezialisten?

Ideal wäre aus Wolfs Sicht, wenn sich interdisziplinäre Teams die Fälle ansehen, also Gynäkologen, Hautärzte, Neurologen, Psychotherapeuten und Schmerzmediziner zusammen. Doch in der Praxis komme das in Deutschland nur selten vor. "Für Vulvodynie fühlt sich niemand richtig zuständig", beklagt Wolf. Schmerzspezialisten wie er selbst kümmern sich selbstverständlich um Patientinnen, doch meist leiden sie schon mehrere Jahre unter der Krankheit und waren bei vielen niedergelassenen Ärzten, ehe sie beim Schmerztherapeuten landen. Es gebe auch wenig Forschung zur Vulvodynie. Und in der Ausbildung der Gynäkologen tauche die Krankheit kaum auf, obwohl sie in der Praxis meist die ersten Ansprechpartner sind.

Das erklärt zum Teil, warum Marlene erst bei der vierten Ärztin überhaupt Gehör fand und sich ernstgenommen fühlte. Sie ist nicht mehr auf der Suche nach einer körperlichen Ursache, sondern hat sich für eine Sexualtherapie entschieden, eine Gesprächstherapie mit einem besonderen Fokus auf ihrem Sexleben.

Nach gut einem Jahr Therapie sagt sie: "Auch wenn ich mich nach wie vor etwas eingeschränkt fühle in meiner Sexualität, so habe ich dennoch sehr viel gelernt über mich und mich weiterentwickelt." Sie habe ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse oft unter die ihres Partners gestellt, nun nehme sie große Rücksicht auf sich selbst. "Meine Schmerzen sind schon so viel weniger geworden, dass ich mit ihnen viel besser leben kann."

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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