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iPhone-Erfinder packt aus: Apple-Boss Steve Jobs "hatte Nase voll"

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So hat Apple das iPhone erfunden

26.03.2014, 17:37 Uhr | t-online.de

iPhone-Erfinder packt aus: Apple-Boss Steve Jobs "hatte Nase voll". Steve Jobs bei der Präsentation des erste iPhones im Jahr 2007 (Quelle: imago/UPI Photo)

Steve Jobs bei der Präsentation des erste iPhones im Jahr 2007 (Quelle: UPI Photo/imago)

Einem Patentstreit mit Samsung ist es zu verdanken, dass Apples leitender Software-Ingenieur Einblick in die Entstehung des iPhones gab. Unter strenger Geheimhaltung begann ein sehr kleines Team im Jahr 2004 damit, das Betriebssystem und das Bedienkonzept des ersten Apple-Smartphones zu entwickeln, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Dabei setzte Steve Jobs das Entwickler-Team offensichtlich erheblich unter Druck.

Den Grundstein für das iPhone legte Apple im Jahr 2004. Software-Ingenieur Greg Christie, der schon seit 1996 bei Apple arbeitet und damals den Apple Newton mit entwickelt hat, bekam Besuch von Scott Forstall. Forstall, der als einer der Hauptentwickler des Betriebssystems Mac OS X gilt, schloss die Tür hinter sich und fragte Christie, ob er an einem streng geheimen Projekt federführend mitarbeiten wolle.

Das Projekt mit dem Namen "Purple" hatte die Entwicklung eines neuartigen Mobiltelefons zum Ziel, welches auch einen eingebauten Musik-Player und einen Touchscreen haben sollte. Apple beobachtete zu diesem Zeitpunkt andere Handyhersteller, ob sie Mobiltelefone mit Musikabspielfunktion entwickelten, die dem hauseigenen MP3-Player iPod gefährlich werden könnten.

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Arbeiten unter Geheimhaltung

Christie begann mit einem "schockierend kleinen" Team zu arbeiten. Der Fortschritt wurde Steve Jobs zweimal monatlich in einem kleinen, fensterlosen Raum im zweiten Stock des Apple-Hauptquartiers vorgeführt. Den Raum durfte nur eine handverlesene Schaar von Mitarbeitern betreten. Selbst das Reinigungspersonal hatte keinen Zutritt.

Christie und sein Team begannen, die Bedienoberfläche für ein Mobiltelefon ohne Tasten zu entwickeln, dessen berührungsempfindliches Display die gesamte Vorderseite einnehmen soll. Es ging dabei auch um kleinste Details, beispielsweise die ideale Geschwindigkeit zum Scrollen einer Liste auf dem Display und den kleinen "Gummiband-Effekt", wenn der Nutzer das Ende der Liste erreicht hat. Auch die Darstellung von Textnachrichten, die nicht mehr chronologisch, sondern gruppiert wie auf einem Desktop-Computer erfolgen sollte, stand auf der To-Do-Liste.

"Steve hatte die Nase ziemlich voll"

Das Team kämpfte mehrere Monate, um eine neuartige Software für das zukünftige iPhone zu entwickeln. Steve Jobs stellte dem Team im Februar 2005 schließlich ein Ultimatum. Er wollte größere und revolutionärere Ideen und Konzepte. Wenn das Team solche nicht binnen zwei Wochen liefere, würde das Projekt einem anderen Team zugeteilt. "Steve hatte die Nase ziemlich voll", erinnerte sich Christie laut dem WJS.

Das Team entwickelte viele neue virtuelle Bedienelemente, etwa die Wischgeste zum Entsperren des iPhones, die Möglichkeit, direkt aus dem Adressbuch heraus Anrufe zu starten und einen per Fingergesten gesteuerten Musik-Player. Das entstehende Betriebssystem wurde dem eines PCs immer ähnlicher. Dort, wo konventionelle Handys mit Tasten bedient werden, galt es, bei dem neuen Apple-Mobiltelefon den Finger des Nutzers als eine Art Mauszeiger zu nutzen.

Der iPhone-Simulator

Da es zu Beginn der Entwicklung keinen Prototypen des zukünftigen iPhones gab, wurde eine Art Simulator gebaut. In dem abgeschotteten Raum stand ein ziemlich alter Mac-Computer, der bewusst gewählt wurde, um die langsame Rechenleistung des zukünftigen Smartphones zu simulieren. Der eigens entwickelte Touchscreen sah aus wie ein kleiner Computer-Flachbildschirm.

Externe Lautsprecherboxen, ein handelsüblicher Telefonhörer an einer Adapterplatine, Tastatur und andere Komponenten waren mit Kabeln auf dem Tisch verdrahtet. Auf diesem Simulator wurden erste Ur-Versionen von iOS getestet.

Das iPhone wird besser als der Mac

Als das Team Steve Jobs schließlich ein weitgehend ausgereiftes Konzept präsentiert, veranlasste dieser weitere Präsentationen vor ausgewählten Vorstandsmitgliedern. Einer davon war Bill Campbell, der laut Christie prophezeite, dass das iPhone "größer" werde als der Mac.

Es folgte eine weiteren Vorführung für Design-Chef Jonathan Ive, der mit seinem Team zu diesem Zeitpunkt an der Glasabdeckung für das iPhone arbeitete. Ive sei neugierig gewesen, wie die Software den "magischen Trick" der Steuerung per Fingergesten umsetzt. Mit jeder neuen Vorführung habe Jobs mehr und mehr die Moderation übernommen. "Seine Begeisterung kannte keine Grenzen", erinnerte sich Christie.

Zweieinhalbjähriger Marathon

Nachdem das Konzept abgesegnet war und es für die konkrete Produktentwicklung grünes Licht gab, begann laut Christie ein zweieinhalbjähriger Marathon. Jede Komponente und jedes Teil des iPhones sei erneut überdacht und entwickelt worden. Steve Jobs sei dabei sehr involviert und detailversessen gewesen.

Nicht minder versessen sei das Thema Geheimhaltung gehandhabt worden. Wer zu Hause an dem Projekt arbeitete, durfte das nur mit einem Computer in einem abgetrennten Bereich seines Hauses tun und musste sicherstellen, dass niemand einen Blick auf den Bildschirm werfen kann. Fotos des iPhones oder des Betriebssystems mussten grundsätzlich verschlüsselt werden.

Präsentation akribisch vorbereitet

Jobs Detailversessenheit mündete darin, dass wenige Monate vor der Präsentation des iPhones bereits besprochen wurde, welche Musikalben bei der Produktpräsentation in der Funktion Cover-Flow zu sehen sein sollten. Jobs habe bei der Auswahl der Alben Wert auf helle Farben und viele Gesichter auf dem Cover gelegt. Aber es habe sich auch um "Steve-Musik" handeln müssen, verdeutlichte Christie. Schließlich fiel die Wahl auf die Beatles und den Song "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band."

Selbst nach der Präsentation habe Jobs vor der Markteinführung noch Änderungen angeordnet. So missfiel ihm beispielsweise eine Bildschirmteilung bei der Darstellung von E-Mails, die darauf hin entfernt wurde. Jobs war der Meinung, dass diese Darstellung auf dem kleinen Smartphone-Display nicht gut aussähe.

Enthüllungen wegen Samsung-Patentklage

Dass Greg Christie diese Geschichte erzählen kann, liegt an der Lockerung der Geheimhaltung im Rahmen des Patentstreits mit Samsung. Samsung wehrt sich gegen den Vorwurf, von Apple kopiert zu haben, weil viele Elemente des iPhones und seiner Software nicht "Apple-exklusiv" seien. Christies Erfahrungsbericht soll belegen, dass das iPhone innovativ war, als es 2007 vorgestellt wurde.

Apple wirft Samsung vor, mehrere Apple-Patente verletzt zu haben. Eines davon beschreibt die Wischgeste, mit der das iPhone entsperrt wird und das Christie als den Erfinder nennt. Samsung wurde in erster Instanz zur Zahlung von umgerechnet knapp 675 Millionen Euro verurteilt, legte aber Berufung gegen das Urteil ein. Dieses Berufungsverfahren wird derzeit verhandelt.

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