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Legionellen im Leitungswasser: Vorbeugung, Kontrolle und Bekämpfung

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Legionellen im heimischen Leitungswasser

15.07.2016, 10:58 Uhr | rw, zuhause.de

Legionellen im Leitungswasser: Vorbeugung, Kontrolle und Bekämpfung. Legionellenrisiko in Haus und Wohnung: Menschen infizieren sich über das Trinkwasser. (Quelle: imago/Sven Simon)

Legionellenrisiko in Haus und Wohnung: Menschen infizieren sich über das Trinkwasser. (Quelle: Sven Simon/imago)

Verbraucherschützer und Behörden warnen vor einem Gesundheitsrisiko durch zu hohe Legionellen-Konzentrationen in der hauseigenen Trinkwasseranlage. Die Erreger übertragen die gefährliche Legionärskrankheit (Legionellose), die sogar tödlich verlaufen kann. Beim Duschen ist das Infektionsrisiko besonders hoch. Wie man einer gefährlich hohen Legionellen-Konzentration im Trinkwasser vorbeugt und wann eine fachmännische Kontrolle sinnvoll oder sogar vorgeschrieben ist.

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Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien, die in nahezu allen Gewässerarten – auch im Grundwasser – vorkommen können. "Daher können sich auch in dem von den Wasserwerken gelieferten Trinkwasser Legionellen in überwiegend sehr geringer Konzentration befinden", erklärt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Menschen infizieren sich, indem sie – beispielsweise beim Duschen – den Sprühnebel legionellenbelasteten Wassers einatmen, so dass die Erreger bis in die Lunge gelangen.

Temperatur des Wassers ist entscheidend

In kaltem und sehr heißem Wasser ist die Legionellen-Konzentration so gering, dass keine Gesundheitsgefährdung durch die Erreger zu befürchten ist. "Im warmen – vor allem länger stehenden – Wasser mit Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad – können sie sich dagegen vermehren und in hohen Konzentrationen vorkommen", warnt der Bauherrenschutzbund (BSB) in seinem Ratgeber "Legionellenrisiko in Haus und Wohnung". Schon bei Wassertemperaturen ab 50 Grad würden sie wieder absterben. "Eine sichere und mit steigenden Temperaturen zunehmend raschere Abtötung findet knapp oberhalb von 60 Grad statt", ergänzt das LGL.

Häufiger Sommer-Fehler begünstigt Legionellen im Leitungswasser

Die Behörde warnt deshalb davor, die Systemtemperaturen der hauseigenen Trinkwasseranlage herunter zu fahren. Um Energie und Kosten zu sparen, senken viele Menschen die Warmwassertemperatur in den warmen Sommermonaten und schaffen den Legionellen dadurch unbewusst ideale Bedingungen. Auch wenn sich das Warmwasser auf dem Weg zum Hahn noch in der Leitung zu stark abkühlt, kann es gefährlich werden. "Erwärmtes Trinkwasser mit niedrigerer Temperatur ist nur dann hygienisch unbedenklich, wenn es an der Stelle und zum Zeitpunkt des Verbrauchs erwärmt wird, zum Beispiel über Durchlauferhitzer oder Wärmetauscher", so das LGL.

Neben der Temperatur begünstigt vor allem stehendes Wasser die Vermehrung der Bakterien. "Am höchsten belastet ist immer das Wasser, das auf den letzten Metern vor der Zapfstelle in der Leitung steht", bestätigt das LGL. "Sie können Ihr Risiko senken, indem Sie vorsichtig die ersten Liter ablaufen lassen, insbesondere nach längerer Abwesenheit." Zudem solle man die Wassertemperatur im Auge behalten, empfiehlt der BSB. "Am Warmwasseraustritt sollten Temperaturen von 60 Grad eingehalten werden. Die Rücklauftemperatur von Zirkulationsleitungen sollte nicht mehr als 5 Grad unter der Auslauftemperatur liegen."

Überdimensionierte Trinkwasserspeicher erhöhen das Legionellenrisiko

Risikopotenzial haben überdimensionierte Warmwasserspeicher, in denen das Wasser zu lange steht. "Grundsätzlich sollten Trinkwasseranlagen an den Bedarf der Bewohner angepasst sein", so der BSB. "Dabei sollten vor allem Speichergrößen, Leitungslängen und Entnahmestellen passend zur Anzahl der Nutzer dimensioniert sein, um Stagnationszeiten zu vermeiden." 

Ideal sei ein Heizungssystem, das mit einer Frischwasserstation zur Trinkwassererwärmung kombinierbar ist. "Dort wird das frische Trinkwasser mittels Wärmetauscher im Durchflussprinzip über einen vorhandenen Pufferspeicher oder direkt am Wärmeerzeuger auf die notwendige Temperatur gebracht“, informiert Stefan C. Würzner, Bauherrenberater des BSB. Grundsätzlicher Nachteil der Trinkwassererhitzung über 55 Grad  sei die vermehrte Ausfällung von gelöstem Kalk. "Zur längeren Haltbarkeit der gesamten Trinkwasseranlage empfiehlt sich in Regionen mit stark kalkhaltigem Wasser der Einbau einer Enthärtungsanlage auf der Basis des Ionentauscherprinzips", so der BSB-Bauherrenberater. Enthärtetes Wasser biete den Legionellen außerdem weniger Nährstoffe.

Legionellenrisiko bei bestehenden Trinkwasseranlagen senken

Doch auch bestehende Anlagen können häufig noch im Nachhinein mit verhältnismäßig wenig Aufwand optimiert werden. "Es bedarf selten der grundlegenden Modernisierung", so der BSB. "Bereits einige Einzel- beziehungsweise Sofortmaßnahmen an bestehenden Trinkwasseranlagen im Bereich der Trinkwassererwärmung können das Legionellenrisiko in Haus und Wohnung deutlich senken."

Damit sich warmes Wasser bis zum Wasserhahn nicht schon in der Leitung soweit abkühlt, dass ein problematischer Temperaturbereich erreicht wird, empfehlen die Experten die nachträgliche Wärmedämmung der Leitungen und Armaturen. Überdimensionierte Warmwasserspeicher – etwa wenn irgendwann die Kinder aus dem Haus sind und deshalb weniger Verbraucher im Haushalt leben – könnten nachträglich an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden, rät der BSB. Für Wasserleitungen, in denen sich Stagnationswasser bilden kann, empfehlen die Experten den Rück- oder Umbau.

Gesetzliche Vorschriften für die hauseigene Trinkwasseranlage

Rechtliche Vorgaben zur Qualität des Leitungswassers macht die Trinkwasserverordnung. Demnach muss Trinkwasser generell – auch in kleinen Privathaushalten – so beschaffen sein, "dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein."

Insbesondere müssten bei der Wasserverteilung und und -aufbereitung "die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten" werden. Auch deshalb gehören Planung und Installation in die Hände von Fachfirmen, welche die geltenden Normen, Vorschriften und Richtlinien kennen und umsetzen können.

Regelmäßige Prüfpflichten für Trinkwasseranlagen gibt es aber nur für öffentliche und gewerbliche Immobilien. Doch Vorsicht: Vor dem Gesetz gilt jedes Mehrparteien-Wohngebäude als gewerbliche Immobilie, sobald auch nur eine Wohneinheit vermietet ist. Dann muss mindestens alle drei Jahre eine Trinkwasserprobe durch ein vom jeweiligen Bundesland akkreditiertes Labor entnommen und untersucht werden. "Ein- und Zweifamilienhäuser sind von der Untersuchungspflicht generell ausgenommen", berichtet der BSB.

Symptome einer Infektion mit Legionellen

Legionelleninfektionen können beim Menschen zwei unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen: Am so genannten Pontiac-Fieber erkranken laut LGL deutschlandweit jährlich etwa 100.000 Menschen. Es äußert sich ähnlich wie ein Grippe durch Kopf-, Glieder- und Thoraxschmerzen, die von Fieber, Husten, Durchfällen und Verwirrtheit begleitet werden können. Die Krankheit ist gut behandelbar. Todesfälle sind bislang nicht bekannt.

Legionärskrankheit ist besonders gefährlich

Gefährlicher ist die eigentliche Legionärskrankheit (auch Legionellose), weil hier die Lunge massiv mit betroffen ist. Die Krankheit zeigt sich in Form einer schweren Lungenentzündung und ist meldepflichtig. Sie kann – insbesondere bei immun- und altersgeschwächten Menschen sowie bei Patienten mit einer Herz- oder Lungenvorerkrankung – sogar tödlich verlaufen. Die ersten Krankheitssymptome sind dieselben wie beim Pontiac-Fieber.

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