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Das steckt hinter der Schnapsidee

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Was Sie schon immer über Schnaps wissen wollten

03.06.2013, 16:06 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Das steckt hinter der Schnapsidee. Was Sie über Schnaps wissen sollten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was Sie über Schnaps wissen sollten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Jeder kennt ihn, kaum jemand weiß aber über seine Geschichte bescheid. Was ist eigentlich Schnaps? wanted.de lüftet den hochprozentigen Schleier und liefert einige schmackhafte Fakten für den nächsten Smalltalk an der Bar.

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Was genau ist Schnaps?

Sorgen wir gleich zu Anfang für Verwirrung: Es gibt keine feste Definition von Schnaps, für die meisten ist es ein klarer Hochprozentiger. Fest steht: Schnaps ist der destillierte Brand aus Frucht- oder Getreide-Brei. Der Zucker wird mit Hefe vergoren, die Maische bringt es auf rund sieben Prozent Alkoholanteil. Nun folgt das Brennen: Bei etwa 80 Grad Celsius lösen sich die Alkoholdämpfe, steigen auf und werden über das Geistrohr in den Kühler geleitet. Dort kondensieren die Dämpfe wieder zu Flüssigkeit. Beim Brennen gibt es einen Vorlauf, ein Mittelstück und einen Nachlauf. Im Vorlauf löst sich zu viel Alkohol und der Geschmack ist recht bitter. Im Nachlauf ist der Alkoholgehalt zu niedrig und der Geschmack fade. Nur die Mitte zählt - so entsteht das so genannte junge Destillat mit einem Alkoholgehalt von bis zu 80 Prozent. Aus 100 Kilogramm Kirschen entstehen rund 7,5 Liter Kirschwasser.

Woher stammt der Schnaps?

Der Begriff leitet sich vom deutschen Verb schnappen ab – weil der Kurze eben meist in einem Schluck gekippt wird. Doch aus Deutschland stammt der Schnaps nicht. Der erste Hochprozentige entsteht um das Jahr 1000 in Süditalien. Im Jahr 1167 gelingt Magister Salernus die erste dokumentierte Weindestillation an der ältesten abendländischen Hochschule in Salerno.

Er trennt reinen Alkohol als Weingeist, das sogenannte Aqua Ardens, von den nicht brennbaren Bestandteilen des Weines. Salernus sucht Medizin - Spirituosen gelten als magisches Allheilmittel, auch gegen die Pest.
Rund 100 Jahre später erfindet der Regensburger Bischof Albertus Magnus (1193 – 1290) die Brennblase. Im Jahr 1507 wird Kornbranntwein zum ersten Mal schriftlich erwähnt – in Nordhausen.

Vor allem die Kartoffel ist für den Siegeszug des Drinks verantwortlich. Die Knolle taucht erstmals 1682 in Urkunden in Verbindung mit Alkohol auf. >>

Welches war der beliebteste Schnaps?

Die erste Kartoffelbrennerei wird 1750 in der Pfalz errichtet. Da das Gemüse günstig ist, wird der Brand überall zum typischen Arme-Leute-Schnaps. Zudem sind die Destillationsrückstände ideal als Viehfutter und Dünger geeignet. In Polen, der Ukraine und Russland ist Kartoffelschnaps als Wodka bekannt, wobei die Russen auch Korn verwenden. 1810 wird das Brennen in Deutschland freigegeben, vorher war es nur Rittern und Gaststätten erlaubt. In Deutschland bricht ein regelrechter Schnapsboom aus: Viele Kneipen entstehen, Gehälter von Arbeitern werden zum Teil in Hochprozentigem ausgezahlt, der Alkoholismus grassiert. Etwa um das Jahr 1800 herum liegt der pro-Kopf-Konsum von Branntwein noch bei rund 2,5 Litern pro Jahr. 30 Jahre später sind es mehr als acht Liter pro Kopf. Der deutsche Staat steuert gegen und führt 1887das Reichsbranntwein-Steuergesetz ein.

Gibt es Schnaps-Metropolen? Als deutsche, wenn nicht gar als europäische Schnaps-Hautstadt gilt Oberkirch im Schwarzwald – sage und schreibe 891 Hausbrennereien destillieren hier Kirschwasser, Mirabellen- und Zwetschgenwasser, Himbeergeist, Williams und anderes. Im ganzen Renchtal sind 1500 Brennereien registriert. Das Brennprivileg stammt aus dem Jahr 1726, als der Straßburger Bischoff Rohan den Wohlstand der Bauern und damit die ihm zufließenden Steuern mehrte. Gibt es einen besonders exotischen Schnaps?

Eine Spezialität ist der Topinambur, im alemannischen "Rossler" genannt. Hergestellt wird der nussig schmeckende Brand aus der Topinamburknolle, die wie die verwandte Kartoffel aus Nordamerika stammt. Dort haben sie die Indianer vom Stamme Topinamba am Sankt- Lorenzstrom kultiviert. Nach einer üppigen Mahlzeit soll er wahre Wunder bewirken, auch Diabetiker schwören auf seine medizinische Wirkung.

Welches ist der stärkste Schnaps? Der härteste Schnaps der Welt ist wahrscheinlich ein Wodka aus Polen: Der Spirytus Rektyfikowany des Herstellers Polmos Warszawa bringt es auf satte 96 Prozent, verarbeitet wird Roggen aus dem Nordwesten. Ihm dicht auf den Fersen folgt der irische Poteen – auch Poitín oder Potcheen, gesprochen Putschin. Der Trunk war von 1661 bis 1997 illegal, stammt aus der Gegend um Connemara und wird traditionell mit Brombeeren, Hefe, Zucker und Gerste hergestellt. Der Brand erreicht bis zu 95 Prozent, wird heute aber von Knockeen Hills mit etwas gesünderen 90 Prozent verkauft. Enthalten sind Getreide, Hefe und Wasser. Danach ist uns der chinesische Maotai aufgefallen – er bringt es bis auf 70 Volumenprozent und hat wegen der vergorenen Hirse ein stark gewöhnungsbedürftiges Aroma, das an Soja-Sauce erinnert. Er gilt als Nationalgetränk und wird gerne Staatsgästen eingeschenkt, die sich aus protokollarischen Gründen nicht wehren können. Was ist der teuerste Schnaps der Welt?

Echte Verkaufspreise sind kaum zu erfahren. Ende 2010 bietet die Tequila-Destillerie Hacienda La Capilla aus Mexiko eine Flasche sieben Jahre alten Tequila für 3,5 Millionen Dollar, also rund 2,7 Millionen Euro an. Auf der aus 2,2 Kilogramm Platin gefertigten Flasche glitzern 4000 Diamanten mit insgesamt 328 Karat. Ob der dekadente Drink einen Abnehmer gefunden hat, ist unbekannt. Die teuerste Flasche Gin der Welt besteht aus französischem Kristall, hat einen mit Saphiren und Diamanten besetzten Verschluss und erinnert an einen Parfum-Flakon. Nur fünf Stück wurden von Gin-Hersteller Bombay hergestellt und jede soll 200.000 Dollar, rund 155.000 Euro kosten. Fazit: Selbst hinter einem scheinbaren Allerweltsgetränk steckt eine interessante Geschichte. Heute erleben edle Obstbrände eine echte Renaissance.

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