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Fipronil-Skandal: Jeder Vierte isst weniger Eier

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Fragen und Antworten zum Fipronil-Skandal

25.08.2017, 13:30 Uhr | Sophia-Caroline Kosel,Elmar Stephan, dpa

Fipronil-Skandal: Jeder Vierte isst weniger Eier. Hart gekochtes Frühstücksei (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Edith64)

Hart gekochtes Frühstücksei (Quelle: Edith64/Thinkstock by Getty-Images)

Wie reagieren die Verbraucher auf den Fipronil-Skandal? Essen sie weniger Eier? Eine YouGov-Umfrage zeigt viel Gelassenheit, aber auch Verhaltensänderungen. Fachleute halten die Risiken für gering. Wir beantworten Ihre Fragen

 Rund einen Monat nach Bekanntwerden des Fipronil-Skandals in Deutschland zeichnet sich ab, dass es sich zwar um einen europaweiten Skandal handelt, die heimische Geflügelbranche aber nur am Rande betroffen ist. Das Insektengift Fipronil wurde nach den vorliegenden Erkenntnissen unerlaubt in das Desinfektionsmittel "Dega-16" zugemischt und gelangte so in die Ställe. Das Lebensmittelrecht verbietet die Substanz in Lebensmitteln. Wichtige Fragen und Antworten zum Stand der Dinge:

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland ist nach jetzigem Kenntnisstand auf sieben Hühnerbetrieben die Desinfektionslösung "Dega-16" mit dem unerlaubten Fipronil-Zusatz verwendet worden. Die Betriebe sind in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In Baden-Württemberg wurde auch Fipronil in Eiern aus einem Legehennenbetrieb nachgewiesen. Allerdings soll dort das Mitttel "Dega-16" nicht verwendet worden sein - die Hintergründe sind dort noch nicht ermittelt. Die Betriebe sind gesperrt.

Die Landwirte haben den jetzigen Erkenntnissen zufolge schon im Frühjahr "Dega-16" verwendet - der mögliche Einsatz reicht bis zum 27. März in Mecklenburg-Vorpommern und bis zum 9. Februar in Niedersachsen zurück. Diese Daten haben die Länder bei Recherchen in den Betrieben ermittelt und dem Bund mitgeteilt.

Was ist mit eihaltigen Lebensmitteln?

Auch eihaltige Lebensmittel werden inzwischen überprüft. Laut Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sollen im Lauf des Jahres rund 700 Proben gezogen und ausgewertet werden. Bis Mitte dieser Woche lagen dem Berliner Ministerium 42 Proben aus Thüringen, Brandenburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern vor – sieben waren positiv.

Wie ist die Situation in Europa und anderen Ländern?

Von dem Fipronil-Skandal sind derzeit 20 EU-Staaten und sechs Drittstaaten betroffen. In mehreren Ländern wurden Hühnerhöfe gesperrt, weil dort Fipronil eingesetzt wurde. Am stärksten betroffen sind Belgien und die Niederlande, wo staatsanwaltschaftlich gegen Unternehmer als mutmaßliche Verursacher beziehungsweise In-Verkehr-Bringer des unerlaubten Mittels ermittelt wird. Die niederländische Geflügelwirtschaft geht von einem Schaden von 150 Millionen Euro aus.

Anfang September soll es erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Fipronil-Skandal geben. Die Gespräche sollen am 4. oder 5. September am Rande eines Agrarministertreffens in Estland stattfinden. Teilnehmen sollen die Minister der betroffenen Staaten.

Wie ist der Stand der strafrechtlichen Ermittlungen in Deutschland?

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen fünf Landwirte aufgenommen, auf deren Höfen Fipronil verwendet wurde. Das ist ein Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Die Betriebe wurden durchsucht und Betriebsunterlagen wurden beschlagnahmt, die derzeit ausgewertet werden. Im Kern geht es um die Frage, ob die Landwirte wussten oder eine Ahnung hätten haben können, dass in ihren Betrieben Fipronil verwendet worden ist. Die Landwirte haben sich zum Teil bereits zu den Vorwürfen geäußert und versichert, von der unerlaubten Substanz nichts gewusst zu haben. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, ist unklar. In Baden-Württemberg ist die Staatsanwaltschaft Heilbronn eingeschaltet worden.

Wie haben die Verbraucher reagiert?

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Mitte August zufolge aß jeder vierte Erwachsene in Deutschland wegen des Fipronil-Skandals zu diesem Zeitpunkt weniger Eier als zuvor oder verzichtete ganz. 65 Prozent standen dem Thema gelassen gegenüber und schränkten den Eierkonsum nicht ein. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil nach eigenen Worten darauf, in welchem Land die Eier erzeugt werden - aber fast jeder Zweite tat das demnach auch schon vorher.

Ist der neue Skandal mit dem Dioxin-Skandal vergleichbar?

Nein, das Ausmaß beim Dioxin-Skandal in Deutschland war Ende 2010 mit Tausenden gesperrten Betrieben deutlich größer. Als Auslöser galt verunreinigtes Futtermittel. Auch 2012 wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Eier entdeckt, die mit Dioxin und einer dioxinähnlichen Substanz verunreinigt waren.

Jeder Vierte isst weniger Eier

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland isst wegen des Fipronil-Skandals weniger Eier als zuvor oder verzichtet ganz auf den Verzehr – auch wenn das Risiko aus Expertensicht gering ist. 65 Prozent stehen dem Thema gelassen gegenüber und schränken ihren Eierkonsum nicht ein, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil darauf, in welchem Land die Eier erzeugt wurden. Fast jeder Zweite hat dies auch schon vorher getan.

Laut BfR keine gesundheitliche Gefährdung 

Das Insektizid Fipronil darf in der Geflügelhaltung eigentlich nicht verwendet werden. In einer veröffentlichten vorläufigen Bewertung kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch Fipronil-haltige Mittel auch bei längerfristigem Verzehr belasteter Lebensmittel aber "unwahrscheinlich" sei. In der Veterinärmedizin kommt der Stoff zum Schutz von Hunden und Katzen vor Flöhen, Läusen und Zecken zum Einsatz.

Einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge will die Bundesregierung die Rezeptpflicht für 27 solcher Fipronil-haltigen Mittel auf Empfehlung eines Expertengremiums aufheben. Der Bundesrat könnte noch im September darüber abstimmen, meldete die Zeitung am Samstag. Die Mittel wären in Apotheken und im Internet dann frei verkäuflich.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind bereits 71 Medikamente zugelassen, die nur auf Fipronil basieren, wie die Zeitung berichtet. Gleiches solle für 27 weitere zugelassene Tierarzneimittel gelten, in denen Fipronil mit dem Wirkstoff Methopren kombiniert wird. Beide Varianten dürfen in der Nutztierhaltung nicht verwendet werden. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) reagierte mit Unverständnis auf die Pläne und forderte ein europaweites Verbot.

Besserer Schutz gefordert

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fordert als Konsequenz aus dem Skandal einen neuen Zuschnitt der Bundesministerien: "Wir brauchen ein Superministerium für Verbraucherschutz, das auch für Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung zuständig ist", sagte die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Beim Eier-Skandal habe die große Koalition ebenso wie in der Diesel-Affäre "komplett versagt".

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) verlangte, umgehend aufzuklären, "wer sich hier auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher reich panschen möchte". Der "Bild"-Zeitung (Samstag) sagte er: "Es geht um mehr als um Eier, es geht um bessere Sicherheit vor Betrug."

Rund 15 EU-Länder betroffen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen "möglicherweise mit Fipronil belastete Eier" aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Skandal geben. Etwa 15 EU-Länder sollen betroffen sein.

Auch in Spanien wurden erstmals belastete Eier entdeckt. Inspektoren hätten die aus Frankreich stammenden Flüssigeier im Baskenland gefunden, berichtete die Zeitung "El País" am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die kontaminierten Produkte seien aber nicht in den Handel gelangt.

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