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Partnerschaft zwischen Kind und Job: Paarberater gibt Tipps

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Paarberater gibt Tipps  

30 Minuten Paarzeit sind der Liebes-Kitt für gestresste Eltern

28.02.2017, 10:23 Uhr | Tanja Zech, t-online.de

Partnerschaft zwischen Kind und Job: Paarberater gibt Tipps. Sascha Schmidt ist Paarberater und Autor des Buches "Wieder Paar sein! Erfüllte Zweisamkeit trotz Arbeit und Kind" (Quelle: Melissa Bungartz)

Sascha Schmidt ist Paarberater und Autor des Buches "Wieder Paar sein! Erfüllte Zweisamkeit trotz Arbeit und Kind" (Quelle: Melissa Bungartz)

Familienleben ist für Eltern wie Jonglieren ohne Verschnaufpause: Bedürfnisse der Kinder, Anforderungen im Job, Partnerschaft und Freundeskreis – alle Bälle müssen in der Luft gehalten werden. Dabei fällt leicht die Liebesbeziehung des Elternpaares herunter. Wie lässt sich das verhindern? 

Darüber hat sich die Eltern-Redaktion von t-online mit Sascha Schmidt unterhalten. Er ist Familienberater und Autor des Ratgebers "Wieder Paar sein".

t-online.de: Im Freundeskreis fiel der Satz "ein Kind ist wie eine Atombombe für die Beziehung." Gesagt hat das übrigens ein Mann, der sich Kinder gewünscht hatte. Ist es wirklich so schlimm?

Sascha Schmidt (lachend): So schlimm ist es nicht. Aber ein Kind ist schon eine Belastungsprobe für die Partnerschaft – und das sage ich nicht wertend. Ein Klient von mir hat das mal schön ausgedrückt: "Am Kreißsaal habe ich meinen Mantel abgegeben, und als ich rauskam, hatte ich ein neues Leben." 

Ein Kind stellt alles auf den Kopf. Man weiß nicht, wie man mit den Gefühlen umgehen soll. Partner müssen neue Rollen finden. Drei Faktoren kommen zusammen: die Bedürfnisse des Kindes, die neue Rolle, Druck im Job.

Wie können Paare schon im Vorfeld prüfen, ob ihre Beziehung tragfähig genug für ein Kind ist?

Die Kernfragen sind: "Bin ich bereit, mein bisheriges Leben aufzugeben, beziehungsweise pausieren zu lassen?" Und: "Was für ein Vater/was für eine Mutter möchte ich sein?"

Dann muss man abgleichen, wie das mit der Realität zusammenpasst. Man kann mit Bildern arbeiten, sich beispielsweise ausmalen, wie ein gemeinsamer Urlaub mit Kleinkind aussehen könnte. Trekking im Himalaya mit Kind im Schlepptau? Da zeigt sich schnell, was nicht geht.

Ebenso gilt es, Verantwortlichkeiten zu definieren. Ist die künftige Mutter wirklich bereit, dem Mann Verantwortung zu übertragen und ihm den Freiraum zu lassen, Vater zu sein? Der Mann möchte ein aktiver Vater sein und viel Zeit mit seinem Kind verbringen — oft kollidiert dieser Wunsch mit seiner Arbeitswelt.

Sie warnen vor dem "gefährlichen Trugschluss", Partnerschaft als Selbstverständlichkeit anzunehmen. Das klingt nach noch mehr Stress – ein weiterer Ball, den man bloß nicht fallen lassen darf.

Es gibt unzählige Kurse zur Geburtsvorbereitung und Babypflege. Aber den Kurs "Vom Paar zur Familie" gibt es nicht. Dabei ist es so wichtig, beim Abenteuer Familienleben als Paar in Kontakt zu bleiben. Als Mann und Frau hat man sich verliebt, und jetzt müssen beide einander als Mutter und Vater neu kennen lernen.

Werdende Elten müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Leben als Paar für die nächsten 18 bis 24 Monate Pause haben wird. So lange steht das Kind im Mittelpunkt und bestimmt den Tagesablauf. Trotzdem sollten Eltern sich unter der Woche wenigstens 30 Minuten Paarzeit nehmen – und dann nicht über das Kind reden. Es lohnt sich, die Beziehung immerhin minimalistisch zu pflegen, sonst leben sich die Partner schnell auseinander. Spätestens nach 24 Monaten sollte man zusehen, dass man wieder als Paar zueinander findet. 

Wie ist das zu schaffen?

Viele Eltern funktionieren prima als Team, haben sich aber als Mann und Frau verloren. Oft wecken erste Gefahrensignale wieder das Mannsein und Frausein. Zum Beispiel, wenn er sich plötzlich zur neuen Kollegin hingezogen fühlt. Dann hilft es, an Erinnerungsmomente anzuknüpfen: "Was hat uns früher als Paar Spaß gemacht?" Die meisten Paare schaffen es, wieder Zugang zueinander zu bekommen.

In ihrem Buch nennen Sie drei Wendepunkte, in denen eine Trennung ratsam sein kann: von der Liebe zur Verliebtheit, vom Paar zur Familie und die Trennung trotz Kind. 

Kinder brauchen glückliche Eltern. Deren Partnerschaft ist der Nährboden für das Familienleben. Ich halte nichts davon, wenn Paare wegen der Kinder zusammenbleiben, es sollte der Liebe wegen sein. Manchmal ist eine respektvolle Trennung besser für die Kinder. 

Finden Sie, dass sich heutige Eltern selbst unter Erfolgsdruck setzen?

In unserer heutigen Gesellschaft sind alle Lebensmodelle möglich. Das bedingt aber auch Unsicherheit: Was ist richtig, was ist falsch, wo ist mein Weg? Da das Familienleben Neuland ist, orientieren wir uns doch wieder an den bekannten Mustern aus dem Elternhaus. Erwartungen und Ansichten von außen erhöhen den Druck. Auch ich frage mich immer wieder, ob ich ein guter Vater bin.

Der Drang zur Perfektion im Familien- und Berufsleben ist bei Frauen stärker ausgeprägt. Sie werden täglich mit der Realität konfrontiert und müssen Kompromisse eingehen. Zum Beispiel die Top-Juristin, die nur noch Jobs als Sachbeabeiterin angeboten bekommt. 

Perfekte Eltern sind eine echte Bedrohung für ihre Kinder. Wenn Eltern alles perfekt machen wollen, bekommt auch das Kind das Gefühl, perfekt sein zu müssen.

Aus Ihrem Ratgeber liest man heraus, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Illusion ist. 

(Foto: Humboldt Verlag)Es gibt ein Wundermittel: die Erlaubnis! Mütter und Väter tragen die Lösung oft schon in sich, scheuen sich aber vor der Umsetzung. Zum Beispiel, öfter zu Hause bleiben, das Pensum entschlacken oder eine Haushaltshilfe engagieren. Ich erteile in meiner Beratung sozusagen die Erlaubnis, dies auch zu tun.

Der erste Schritt ist das Eingeständnis "ich schaffe das nicht!" Der zweite Schritt ist die Frage "Was ist mir wichtig?"

Karriere ist verschiebbar, die Entwicklung eines Kindes aber nicht. Das erste Wort, die ersten Schritte... Ein Kind hält sich nicht an den Businessplan der Eltern. 

Was sind typische Probleme, mit denen Eltern in Ihre Beratung kommen?

In der Regel geht der Beratungswunsch von der Frau aus und der Mann kommt mit. Oft beklagen Frauen mangelnde Unterstützung. Typisch sind Sätze wie: "Die ganze Kinderorganisation hängt an mir". Gleichfalls ziehen sich Männer daraus zurück, wenn die Partnerin ihren das Gefühl vermittelt, nichts richtig zu machen. 

Die meisten Ratsuchenden kommen, wenn ihre Kinder zwischen drei und fünf Jahre alt sind und in die Kita gehen.

Wenn die Kleinen aus dem Gröbsten heraus sind und die Eltern wieder Zeit finden, ihre Situation zu reflektieren?

Ja, das mag sein. Oft ist das die Phase, in der die Frau zurück in den Beruf will, nicht mehr nur Mutter sein möchte. Da fühlen sich die Männer unter Druck gesetzt, denn in 80 Prozent der Firmen ist es immer noch ein Problem, wenn Männer zugunsten der Familie kürzer treten wollen.

Dabei schreiben sich immer mehr Unternehmen Familienfreundlichkeit auf die Fahnen.

Es klafft eine große Lücke zwischen Außendarstellung und Innenleben. Heutige Väter sind Pioniere. Ich glaube, dass erst deren Söhne von der Entwicklung profitieren werden. Wir brauchen Väter mit Mut! Männer müssen mehr Zeit für ihre Familie wollen und dies gegen Chefs und Kollegen durchsetzen.

Über Sascha Schmidt: Der 47-Jährige arbeitet in München als Paarberater und als Familienberater nach dem familylab-Konzept des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Schmidt ist in einer Patchworkfamilie mit fünf Halbgeschwistern aufgewachsen. Er ist Vater von zwei Töchtern und hat selbst eine Scheidung und einen Neuanfang erlebt. Im Januar 2017 erschien im Humboldt Verlag sein Ratgeber "Wieder Paar sein" (SBN 978-3-86910-518-5).


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